Werksviertel Eine Brücke soll zum neuen Konzerthaus führen

Der wohl umstrittenste Entwurf des Wettbewerbs stammt von dem Schweizer Büro Herzog & de Meuron. Simulation: Herzog & De Meuron

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  • Pläne für einen Tunnel zum Werksviertel werden derzeit erarbeitet.
  • Johannes Ernst, Chefplaner des Werksviertels, verspricht, der Tunnel werde "in einer neuen schönen Platzsituation" vor dem Otec-Haus enden und dann über den Piusanger zum Konzerthaus führen.
  • Doch das soll nicht der einzige Weg zu dem neuen Viertel sein - auch darüber, wie eine Brücke aussehen kann, wird derzeit diskutiert.
Von Christian Krügel und Renate Winkler-Schlang

Ausstellungen von Entwürfen eines Architektenwettbewerbs sind oft arge Pflichtübungen, die allenfalls Baufreaks interessieren. Die Schau in der Whitebox, die am Sonntag zu Ende ging, zog dagegen mehr Interessierte an als manche sorgfältig kuratierte Kunstausstellung: Fast 10 000 Besucher sahen sich seit Anfang November die Entwürfe für das neue Konzerthaus im Werksviertel an.

Die Resonanz überwältigte die Organisatoren des Innenministeriums derart, dass ihr Chef Joachim Herrmann kurzerhand entschied, die Schau nun noch ein paar Wochen im Landtag zu zeigen.

Konzerthaus München

Das sind die Entwürfe für den Konzertsaal

Klar wurde in den vier Wochen auch, dass viele Besucher außer der konkreten Gestaltung des Sieger-Glashauses der Architekten Cukrowicz Nachbaur vor allem die Anbindung des neuen Konzerthauses an die Innenstadt umtreibt. Auslöser dafür ist der wohl umstrittenste Entwurf des Wettbewerbs, der von dem Schweizer Büro Herzog & de Meuron stammt. Die Erbauer von Elbphilharmonie und Allianz Arena hätten die Konzertsäle in eine fast 80 Meter hohe gläserne Pyramide platziert.

Das wäre an sich spektakulär genug, doch die Architekten gingen noch weiter. Der vorgesehene Standort hinter dem Ostbahnhof sei "ein Unort", abgekoppelt von der Stadt. Deshalb plante Pierre de Meuron kurzerhand den Abriss des Otec-Hauses mit seinen Pyramiden-Dächern an der Friedenstraße sowie des Hotels, das gerade erst gebaut wird.

An deren Stelle wollte er einen "Boulevard der Musik" von Haidhausen ins Werksviertel schaffen - quer über den Ostbahnhof. "Wie eine Brücke spannt sich ein breiter Boulevard über das Gleisfeld und verbindet das neue Quartier mit dem Ostbahnhof und dem Zentrum der Stadt", beschreiben Herzog & de Meuron ihre Idee. Der Boulevard solle in einen zentralen Grünpark münden, so dass sich die Konzertpyramide "nicht hinter einem hässlichen Bestandsbau verstecken" müsse.

Die Idee einer Pyramide wurde schnell aussortiert

De Meurons Entwurf hatte das Preisgericht bereits im zweiten Durchgang aussortiert, weil die Umsetzung des Raumprogramms in der Pyramide niemanden recht überzeugte. Doch der Debatte um die Anbindung des künftigen Konzertsaals gibt der Plan neue Nahrung. Dabei ist inzwischen zumindest klar: Es wird einen zweiten Tunnel unter dem Ostbahnhof zum Werksviertel geben.

Eine Pyramide in einem Park, der sich von Haidhausen über die Gleise bis ins Werksviertel zieht - das war die Idee von Pierre de Meuron. Simulation: Herzog & De Meuron

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Im Juli hatte der Stadtrat beschlossen, den Bau dieser Unterführung, die bisher von Haidhausen nur bis Gleis 8 reicht, zu priorisieren. Inzwischen ist eine Vereinbarung mit der Bahn unterzeichnet, konkrete Pläne werden derzeit erarbeitet. Johannes Ernst, Chefplaner des Werksviertels, verspricht, der Tunnel werde "in einer neuen schönen Platzsituation" vor dem Otec-Haus enden und dann über den Piusanger zum Konzerthaus führen.

Der Piusanger wird die heutige Grafinger Straße ersetzen und Fußgängern und Radfahrern vorbehalten sein. Was der Tunnel kosten soll, ist noch offen, er soll aber deutlich vor dem Konzerthaus fertig werden.

Vom Radlsteg bis zum großen Übergang ist alles möglich

Ein großer architektonischer Entwurf im Sinne von Herzog & de Meuron kann der Tunnel freilich nicht sein. Aber auch an Plänen für eine Brücke wird noch gearbeitet, muss sogar gearbeitet werden: Werksviertel-Eigner Werner Eckart hat sich im Erbpacht-Vertrag für das Konzerthaus vom Freistaat garantieren lassen, dass dafür eine Arbeitsgruppe mit Beteiligung der Bahn eingerichtet werde. Die hat nach SZ-Informationen bereits mehrmals getagt, über konkrete Entwürfe schweigen die Beteiligten noch.

Von einem reinen Radlsteg, wie ihn die Grünen-Stadtratsfraktion bereits 2016 gefordert hatte, bis hin zur großen Grünbrücke sei alles denkbar, heißt es. Klar sei: Die Baustelle zur zweiten S-Bahn-Stammstrecke sei eine Chance, das Umfeld des Ostbahnhofs neu zu gestalten. Offen ist nur, was das kosten könnte. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sprach gegenüber der SZ von einem zweistelligen Millionenbetrag - den ganz sicher nicht der Freistaat aufbringen werde.

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