Nymphenburg:Wie das marode Waisenhaus modernisiert werden soll

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Nymphenburg: Auch wenn es von außen noch gut dasteht: Das Waisenhaus in Nymphenburg braucht eine Generalsanierung.

Auch wenn es von außen noch gut dasteht: Das Waisenhaus in Nymphenburg braucht eine Generalsanierung.

(Foto: Catherina Hess)

Wenn der Stadtrat zustimmt, ist eine Großinstandsetzung für 61 Millionen Euro geplant. Den Anfang machen der Südflügel und die zentrale Haustechnik, die Arbeiten erfolgen in Teilabschnitten.

Von Ellen Draxel

Der Eingangsbereich des Münchner Waisenhauses spricht eine deutliche Sprache. Bunt gestaltet wie ein Aquarium mit Fischen und einer Schildkröte an den Wänden beweist der Raum: Hier dreht sich alles um Kinder und Jugendliche. Um 137 Mädchen und Jungen, für die dieses Anwesen ihr Zuhause auf Zeit ist. Was der Treppenhausflur auf den ersten Blick allerdings nicht offenbart, ist der Zustand des Gebäudes. Denn das Waisenhaus, 1899 mit Mitteln der 1819 gegründeten Waisenhausstiftung als bürgerliches Gegenstück zum Nymphenburger Schloss errichtet, ist marode.

Wie sehr, ist der Stadt schon seit Längerem bewusst. Erste Planungen einer Generalsanierung gab es bereits 2014, doch die Realisierung verzögerte sich - nicht zuletzt der Pandemie wegen. Inzwischen ist wieder Bewegung in die Sache gekommen, im Dezember will das Sozialreferat eine Beschlussvorlage zur "Großinstandsetzung" des unter Ensembleschutz stehenden Anwesens in den Stadtrat einbringen.

Die Liste der Mängel ist lang. Sie reicht von abplatzendem Fassadenputz über undichte Fenster bis hin zu Balkonen mit Korrosionsschäden. Auch innen zeigt sich die Notwendigkeit einer grundlegenden Sanierung: veraltete und brüchige Bäder und Teeküchen, Trinkwasserinstallationen, die kostenintensive Filtereinbauten benötigen, um die Grenzwerte einzuhalten. Wegen der alten Wasser- und Heizrohrnetze kommt es regelmäßig zu Rohrbrüchen mit Wasserschäden, sodass die Heimbewohner dann während der Reparaturen oft stundenlang ohne Wasser auskommen müssen.

Auch Stromausfälle sind aufgrund des veralteten Hausanschlusses an der Tagesordnung. Zudem verfügt das Gebäude über keinerlei barrierefreie Zugänge. Zwar wurden von 2004 bis 2012 bereits Brandschutzmaßnahmen umgesetzt und auch immer wieder die gravierendsten Mängel punktuell behoben, etwa durch die Sanierung des Daches bis 2018. Doch mittlerweile besteht ein erheblicher Sanierungsstau. Die geplanten Maßnahmen in Höhe von rund 61 Millionen Euro sollen all das nun beheben.

Nymphenburg: Voller Vorfreude: Verwaltungschefin Kathrin Krist (links) und Leiterin Andrea Dietzel-Krause.

Voller Vorfreude: Verwaltungschefin Kathrin Krist (links) und Leiterin Andrea Dietzel-Krause.

(Foto: Catherina Hess)

Vorgesehen ist die Sanierung der Außenhülle der Gebäude, energetisch und am historischen Nordflügel zugleich denkmalgerecht. Die Fenster sollen ausgetauscht, Balkone und Terrassen im Bedarfsfall neu gebaut und Küchen wie Bäder dem heutigen Stand angepasst werden. "In den Bädern wollen wir vor allem die Intimsphäre der Kinder und Jugendlichen mehr in den Fokus nehmen, indem Rückzugsorte geschaffen werden", erklärt Verwaltungschefin Kathrin Krist.

Die Wohngruppen wechseln während des Umbaus innerhalb des Gebäudes

Zu erneuern sind außerdem sämtliche technischen Anlagen, es braucht einen neuen Hausanschluss und die Renovierung des Veranstaltungssaals im Mittelbau. Und auch die Barrierefreiheit soll verbessert werden, etwa durch den Einbau einer entsprechenden Toilette im Erdgeschoss. Das Sozialreferat und die Heimleitung regen zusätzlich an, im Dachgeschoss des Mittelbaus fünf Apartments für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Praktikanten oder auch Eltern der Heimbewohner unterzubringen. Die Fläche ist bereits zum Ausbau vorbereitet. "Wir sind zwar momentan sehr gut mit Personal ausgestattet", sagt Waisenhaus-Leiterin Andrea Dietzel-Krause. Aber für neue Bewerber und Bewerberinnen sind Unterkünfte wegen des teuren Wohnungsmarkts in München nur schwer zu bekommen.

Die meisten der Kinder und Jugendlichen vom Säuglings- bis zum Erwachsenenalter leben sieben Tage die Woche an der Waisenhausstraße, nur die 16 Kinder aus den Tagesgruppen übernachten bei ihren Eltern. Die Elternarbeit sei dem Haus aber sehr wichtig, betont Dietzel-Krause. Noch ist offen, wann die Generalsanierung starten soll, so der Stadtrat dem Vorhaben zustimmt - wovon die Münchner SPD, die zu einer Vorab-Info eingeladen hatte, aber fest ausgeht.

Für diesen Fall wird das Projekt in mehreren Teilabschnitten durchgeführt. Begonnen werden soll mit dem Südflügel und der zentralen Haustechnik, gefolgt vom Mittelbau. Der Nordflügel ist als letzter an der Reihe. Die Wohngruppen des Waisenhauses werden während des Umbaus innerhalb des Geländes verlegt.

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