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Verkehrspolizei in München:Abzocke oder Sicherheit

Polizist stoppt Fahrradfahrer in München, 2012

Hier kontrollieren Beamte die Leopoldstraße.

(Foto: Stephan Rumpf)

Blitzwochen und Radkampagnen: Die Münchner Polizei veranstaltet zahlreiche Kontroll- und Aktionstage, um Verkehrssünder zum Umdenken zu bewegen. Die Betroffen nennen das Abzocke, die Ordnungshüter verweisen auf den Erfolg.

Von Florian Fuchs

An diesem Montag ist die Verkehrspolizei wieder präsent in der Innenstadt: An der Ecke Sonnenstraße und Herzogspitalstraße werden Beamte stehen und den Abbiegeverkehr kontrollieren. "Beim Abbiegen passieren viele Unfälle, immer wieder auch mit Schwerverletzten", sagt Andreas Schaumaier.

Der Chef der Münchner Verkehrspolizei nennt mehrere Beispiele: unter anderem einen Unfall, bei dem kürzlich ein Radfahrer unter einen Lastwagen geriet. "Mit so einer Aktion wie an der Sonnenstraße wollen wir auf Gefahren im Verkehr aufmerksam machen", sagt Schaumaier. "Und möglichst darauf hinwirken, dass so etwas in Zukunft nicht mehr passiert."

Die Münchner Polizei veranstaltet inzwischen zahlreiche Kontroll- und Aktionstage. Es gibt Blitzwochen und Radkampagnen, verstärkte Kontrollen bei Motorradfahrern und Aktionen, bei denen Schulkinder ertappten Sündern saure Drops überreichen - und ihnen dann unangenehme Fragen stellen, warum sie vor der Schule zu schnell gefahren sind. Gerade wer ein Bußgeld kassiert, ist nicht unbedingt erbaut über die Kontrollen und beschwert sich schnell über Abzocke.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Peter Paul Gantzer wollte deshalb sogar im Namen aller Autofahrer wissen, nach welchen Kriterien Radarsysteme aufgestellt werden. Die Münchner Polizei ist solche Emotionen gewohnt - und bekommt Rückendeckung für ihre Aktionen vom Automobilclub ADAC und dem Fahrradclub ADFC. Es gibt gute Argumente, warum es eben nicht um Abzocke, sondern um Sicherheit auf der Straße geht.

"Wir haben immer mehr Einwohner, Touristen, Pendler und Zulassungen, aber nicht mehr Platz auf den Straßen", sagt Vizepolizeipräsident Robert Kopp. "Die Rahmenbedingungen werden schwieriger." Kontrollaktionen und Kampagnen, da sind sich Kopp und Schaumaier einig, seien also nötig. So erreiche man Kraftfahrer, Fahrradfahrer und Fußgänger gleichermaßen. "Unsere Aktionen", sagt Schaumaier, "sind immer Ergebnis einer Analyse und zielgerichtet auf Probleme ausgerichtet, die sich im Straßenverkehr auftun."

Den Vorwurf mit der Abzocke kennen sie bei der Polizei, seit es Radarfallen gibt. Dabei sind für Kontrollaktionen klare Kriterien festgelegt. Bei der Verkehrspolizei erfassen die Beamten ständig, wo, wie und zu welchem Zeitpunkt Unfälle in München und dem Landkreis geschehen. Wo die Blitzer aufgestellt werden, richtet sich nach dieser Analyse.

Das Kriterium der "Unfallsituation" an einer Stelle ist am wichtigsten und wird vierfach gewertet, wenn es in die Lagebetrachtung einfließt. Ein anderer Faktor - zweifach gewichtet - ist die "Belästigungssituation", also der Lärm von Autos, die zu schnell unterwegs sind. "Wir bekommen viel häufiger Aufforderungen zu blitzen als Beschwerden, dass geblitzt wird", sagt Schaumaier.

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