Verkehrsplanung Die Seilbahn ist einen Versuch wert

Eine Seilbahn könnte eine Lösung der Verkehrsprobleme bringen - aber sie allein reicht nicht.

(Foto: Lok; Bearbeitung SZ)

Das Projekt am Frankfurter Ring ist auch ein Ausdruck der neuen Kooperationsbereitschaft von Stadt und Freistaat. Sie dürfen sich nur nicht ausruhen auf dieser Idee.

Kommentar von Andreas Schubert

Die Idee klingt zunächst abgefahren: eine Seilbahn als normales öffentliches Verkehrsmittel, mitten in München, über dem Frankfurter Ring. Doch so abgefahren ist die Idee gar nicht, stündlich bis zu 4000 Menschen in 60 Metern Höhe über den Stau hinweg zu transportieren. Täglich quälen sich Zehntausende Autos langsam über den Ring, verpesten die Luft, verursachen Lärm.

Die Gondeln dagegen würden fast lautlos und komplett abgasfrei dahingleiten, an den Stationen könnten die Passagiere immer sofort einsteigen, da stets mehrere Gondeln bereitstünden. Dass die Idee fraktionsübergreifend und auch bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) große Zustimmung findet, verwundert daher nicht. Einen Versuch ist es wert.

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Was eher verwundert, ist, dass man erst jetzt den Bau einer Seilbahn ernsthaft erwägt. Dass es nun soweit ist, ist auch der noch jungen Bereitschaft von Staatsregierung und Landeshauptstadt zu verdanken, beim Ausbau des Nahverkehrs intensiver zusammenzuarbeiten und auch mal neue Wege zu gehen. Und wenn es darum geht, die riesigen Versäumnisse in der Verkehrspolitik nachzuholen, ist es auch legitim, die Idee eines Immobilienkonzerns wie Schörghuber aufzugreifen, der das Projekt durchaus aus Eigennutz unterstützt.

Sollte sich die Seilbahn als machbar und später als rentabel erweisen, ist das eine schöne Sache. Doch darf man nicht vergessen, dass so eine Bahn nur ein Beitrag zur Erschließung des städtischen Raums sein kann. Es wird auch weiterhin Busse - und sogar noch mehr davon - brauchen, um den Menschen ein vernünftiges Nahverkehrsangebot machen zu können. Und dazu gehören eben auch neue Busspuren, wie sie die MVG schon lange fordert.

Nebenbei bemerkt: Auch der stark zunehmende Radverkehr braucht endlich deutlich mehr Platz. Doch den zu schaffen, geht nicht, ohne den Autos Platz wegzunehmen. Das zu tun, wäre für die rot-schwarze Rathausmehrheit wirklich mal eine mutige Entscheidung.

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