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Verkehr:Tempokontrollen haben nichts mit Abkassieren zu tun

GERMERING: Radarmessung an der Augsburger Strasse

Viele Autofahrer nehmen Tempolimits nicht immer ernst.

(Foto: Johannes Simon)

Der Blitzmarathon mag eine öffentlichkeitswirksame Schaufenster-Veranstaltung sein, aber Tatsache ist: Dort, wo kontrolliert wird, sinkt die Zahl der Verstöße.

Für Michael Haberland, den Präsidenten des in München ansässigen Automobilclubs "Mobil in Deutschland" ist der Fall klar: Der für Mittwoch angekündigte europaweite Blitzmarathon, bei dem allein in München an 118 Stellen mit Radargeräten Raser zur Raison gebracht werden sollen, "ist gerade jetzt extrem fragwürdig und unsinnig".

Schließlich lese man "fast täglich" von Explosionen, Messerattacken oder Lkw-Entführungen, behauptet der Auto-Lobbyist und versteigt sich zu der Schlussfolgerung: "Nicht auszudenken, wenn an diesem Tag etwas passieren würde und das Bundesland zu wenig Polizei hat, weil die Einsatzkräfte auf den Straßen Geschwindigkeitskontrollen durchführen."

Polizei München Blitzmarathon soll Raser stoppen
Polizei München

Blitzmarathon soll Raser stoppen

Die Polizei blitzt am Mittwoch an 118 Stellen in Stadt und Landkreis München. Ziel der Aktion ist, Autofahrer zum Umdenken zu bewegen.   Von Martin Bernstein

Man möchte gerne wissen, wo der Mann "fast täglich" so als Leser unterwegs ist. Wenn etwas extrem fragwürdig und unsinnig ist, dann ist es dieses geschmacklose und in der Sache deplatzierte Aufrechnen von Verkehrstoten und Terroropfern.

Vielleicht sollte Herr Haberland einmal seriöse Quellen lesen, die Verkehrsunfallstatistik der Münchner Polizei zum Beispiel. Da könnte er erfahren, dass im vergangenen Jahr die Zahl der Geschwindigkeitsunfälle in Stadt und Landkreis um mehr als 21 Prozent gestiegen ist. Sieben Menschen wurden dabei tödlich verletzt. Und vor diesem Hintergrund sollen die geplanten Geschwindigkeitskontrollen "extrem fragwürdig und unsinnig" sein?

Man muss noch nicht einmal mit dem Finger auf jene menschenverachtenden Raser deuten, die mit bis zu 160 Sachen in der Stadt unterwegs sind und auch vor Schulen keinerlei Anlass sehen, den Bleifuß vom Gaspedal zu nehmen. Viele von uns Autofahrern nehmen - so sich die Gelegenheit bietet - Tempo 50 und andere Geschwindigkeitsbeschränkungen nicht an jeder Stelle so ernst, wie es geboten wäre. Und wenn die Polizei mit gezieltem Griff ins Portemonnaie eigentlich Selbstverständliches wieder ins Bewusstsein ruft, dann hat das nichts mit Abkassiererei zu tun.

Tatsache ist: Tempokontrollen erfüllen ihren Zweck. Man sieht das an den Tunneln am Mittleren Ring. Mit jedem Jahr, in dem dort geblitzt wird, sinkt die Zahl der Verstöße. Ziel erreicht. Der Blitzmarathon vom Mittwoch mag eine öffentlichkeitswirksame Schaufenster-Veranstaltung sein. Doch ausgestellt wird in diesem Schaufenster lediglich die traurige Realität auf den Münchner Straßen.

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Die Polizei blitzt am Mittwoch an 118 Stellen in Stadt und Landkreis München. Ziel der Aktion ist, Autofahrer zum Umdenken zu bewegen.   Von Martin Bernstein