Verkehr Schwanthalerstraße soll Radspuren erhalten

Die Schwanthalerstraße zählt zu den großen Verkehrsachsen in der Innenstadt. Radfahrer sollen dort mehr Platz erhalten - auf Kosten der Autos.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Für das kommende Frühjahr soll es zwischen der Theresienhöhe und der Paul-Heyse-Straße beidseitige Radfahrradstreifen geben.
  • Ob die Streifen auch dauerhaft bleiben werden, ist unklar.
  • Die Ergebnisse des Verkehrsversuchs sollen im Jahr 2020 dem Stadtrat vorgelegt werden.
Von Thomas Anlauf

Radfahrer, die auf der stark befahrenen Schwanthalerstraße in der Ludwigsvorstadt unterwegs sind, können sich bald deutlich sicherer im Verkehr bewegen. Voraussichtlich im Frühjahr wird das Baureferat zwischen der Theresienhöhe und der Paul-Heyse-Straße beidseitig Radfahrstreifen markieren. Für Autos wird es dann weniger Platz geben. Nach Auskunft des Kreisverwaltungsreferats (KVR) stehen auf dem Abschnitt "sowohl Fahrspuren als auch Parkplätze zur Disposition". Es geht also um nicht weniger als die "Umverteilung des vorhandenen Straßenraums", sagt KVR-Sprecher Johannes Mayer.

Bislang ist allerdings noch nicht sicher, ob die künftigen Radstreifen auch dauerhaft bleiben. Denn die Maßnahme ist Teil eines Grundsatzbeschlusses zur Förderung des Radverkehrs in München und zunächst ein Verkehrsversuch. Dieser dauert ein Jahr und soll vom Planungsreferat beobachtet und ausgewertet werden. Die Ergebnisse des Versuchs sollen dann im Jahr 2020 dem Stadtrat vorgelegt werden. Allerdings kann es auch noch Verzögerungen geben, da in der Schwanthalerstraße regelmäßig gebaut wird.

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Die Forderung nach Radspuren in der Schwanthalerstraße gibt es seit Jahren. Denn wer vom Westen, etwa der Schwanthalerhöhe, mit dem Fahrrad in Richtung Altstadt will, muss im meist dichten Verkehr fahren, wenn er nicht Umwege in Kauf nehmen will. Doch bislang reagierten die städtischen Referate zurückhaltend, denn lange war nicht klar, wie sich das Umfeld des Hauptbahnhofs verändert, wenn der neue Bahnhofskomplex gebaut wird. Denn eine Sperrung der Bayerstraße oder des Bahnhofsplatzes hat gewaltige Auswirkungen auf das Verkehrsgeschehen im gesamten südlichen Bahnhofsviertel, in dem die Schwanthalerstraße verläuft. In einer Konzeptstudie für das südliche Bahnhofsviertel aus dem Jahr 2016 heißt es: "Rückstaus und überhöhte Geschwindigkeiten bringen Sicherheitsdefizite für den Fuß- und Radverkehr mit sich."

Wesentliches Ziel einer Neuordnung des Verkehrs sei es, "das Wohnen durch attraktive Wege im Viertel zu stärken, die Sicherheit im Verkehrsablauf zu erhöhen, eine hohe Aufenthaltsqualität zu schaffen und das Parken und den Lieferverkehr zu optimieren". Die Parkplätze und die vielen Lastwagen, die in der Schwanthalerstraße oft in der zweiten Reihe stehen, dürften die Hauptschwierigkeiten sein, ein vernünftiges Radverkehrskonzept für die meist vierspurige Straße umzusetzen. Denn es gibt zahlreiche Geschäfte und Hotels, die beliefert werden müssen, Anwohner parken häufig am Straßenrand. Dazu kommen Tausende Pendler, die täglich aus dem Westen in die Innenstadt wollen.

Viele Alternativen zur Schwanthalerstraße haben Auto-Pendler nicht: Die Bayerstraße stadteinwärts darf ab der Martin-Greif-Straße nicht direkt befahren werden und wird wegen der Großbaustelle am Hauptbahnhof in wenigen Monaten ohnehin als Strecke wegfallen. Die Lindwurmstraße ist ein größerer Umweg und am Sendlinger-Tor-Platz ohnehin eine Staufalle. Bleiben also noch die Arnulf- und Marsstraße sowie die Nymphenburger und die Dachauer Straße, um von West nach Ost zu gelangen. Es ist also auch eine politische Entscheidung des Stadtrats, ob die Radspuren in der Schwanthalerstraße dauerhaft eingerichtet werden und damit die Trasse nach der Einsteinstraße und der Rosenheimer Straße zu einem weiteren Nadelöhr für den Autoverkehr wird. Die Tempo-30-Regelung in der Rosenheimer Straße, die anstelle von zwei Radspuren zwischen Orleansstraße und Rosenheimer Platz gilt, ist dabei auch nur ein einjähriger Verkehrsversuch wie an der Schwanthalerstraße. Er startete im vergangenen November, nach der Untersuchungsphase soll das Ergebnis ausgewertet und dem Stadtrat vorgelegt werden. Womöglich wird Tempo 30 wieder aufgehoben.

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