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Verkehr:Auch die MVG verleiht jetzt Räder

Oberbürgermeister Dieter Reiter und MVG-Chef Herbert König am Freitag bei der Eröffnung der neuen Radvermietstation auf der Schwanthalerhöhe.

(Foto: Catherina Hess)

Kaum ist der Sommer vorbei, startet die Münchner Verkehrsgesellschaft mit ihrer Fahrradvermietung. Klingt verrückt, ist aber gar keine so schlechte Idee.

Seit Jahren schon gibt es ein Radmietsystem in München, das Angebot "Call a Bike" der Deutschen Bahn. Und seit jeher räumen deren Mechaniker die Räder alljährlich von Mitte November an in eine große Lagerhalle, checken sie dort durch - und verteilen sie zu Beginn der nächsten Radsaison wieder in der Stadt. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) geht einen anderen Weg: Sie hat, quasi zum Ende der Saison, am Freitag ihren neuen Radverleih gestartet. Und belässt die 1200 Räder auch im Winter draußen. "Wir haben Allwetterräder", heißt es bei der MVG.

Wieso startet die MVG erst jetzt?

Eigentlich wollte der städtische Verkehrsbetrieb schon Mitte Juli loslegen; doch dann traten technische Probleme mit der eingebauten Computertechnik auf. Die seien nun behoben, versichert MVG-Chef Herbert König. Beim SZ-Test klappte Ausleihe wie Rückgabe per Smartphone-App ohne Probleme. Die Acht-Gang-Schaltung flutschte, lediglich die per Drehknopf zu bedienende Klingel wirkte auf vielbefahrenen Innenstadtstraßen relativ leise.

Wie viele Räder stehen bereit?

1200 für das gesamte Stadtgebiet, die die MVG auf 125 Stationen verteilen will. Aktuell gibt es aber erst 24 Anmietstationen, unter anderem auf der Schwanthalerhöhe, am Max-Weber-Platz, am Leonrodplatz, am Karl-Preis-Platz sowie am Klinikum Großhadern. Bis Ende Oktober soll die Zahl auf etwa 40 anwachsen, bis Ende 2016 auf 125 Stationen.

Was bezwecken Stadt und MVG mit dem neuen Radvermietsystem?

Er hoffe, sagte OB Dieter Reiter (SPD) am Freitag, dass "die Münchner die letzten Herbsttage noch nutzen" und das Angebot ausprobieren. Ziel ist es, den Bürgern "Mobilität aus einer Hand" zu bieten, so Reiter. Vor allem die Strecke von einer U- oder S-Bahn-Station bis zur eigenen Haustür soll mit den Rädern besser zu meistern sein. Die 23 Kilogramm schweren Räder seien vor allem "für den oder die letzten Kilometer gedacht", sagt Reiter. Fünf Millionen Euro hat die Stadt als Anschubfinanzierung der MVG zur Verfügung gestellt.

Wie funktioniert das Ganze?

Wer ein MVG-Rad ausleihen will, muss sich zunächst die Smartphone-App "MVG more" herunterladen und sich dort mit Namen, Adresse und zum Beispiel seinen Kreditkartendaten zur Abrechnung registrieren. Auf einer Karte zeigt die App, wo anmietbare Räder zu finden sind. Ausleihe und Rückgabe erfolgt ebenfalls über die App. Die Räder stehen entweder an den Stationen oder frei im Straßenraum - denn zurückgeben kann man sie entweder an den Stationen (dafür gibt es als Dankeschön einige Freiminuten) oder innerhalb eines fest definierten Rückgabegebiets (so wie bislang schon beim Call- a-Bike-Angebot der Bahn). Das MVG-Rückgabegebiet umfasst etwa zwei Drittel des Stadtgebiets; bei Call a Bike ist das Rückgabegebiet dagegen auf das Areal innerhalb des Mittleren Rings beschränkt.

Und wie viel kostet das? Im MVG-Grundtarif werden acht Cent pro Minute fällig, Besitzer eines MVG-Isarcard-Abos und Studierende zahlen fünf Cent pro Minute. Wer plant, häufiger mit dem MVG-Rad zu fahren, kann auch ein Jahrespaket für 48 Euro abschließen - damit kann man 30 Minuten pro Tag frei radeln, jede weitere Minute kostet fünf Cent.

Sind 1200 Mieträder ausreichend?

Eigentlich nicht, sagen Branchenkenner und verweisen auf Erfahrungswerte aus anderen Kommunen: Wer das gesamte Stadtgebiet abdecken möchte, und das ist ja das Ziel der MVG, benötige 4000 bis 5000 Velos. Reiter machte daher am Freitag auch gleich deutlich: Das Ganze sei ein Anfang. Sollten die Räder gut angenommen werden, werde die Stadt nicht zögern, das Angebot auszudehnen. Zudem sollen von November an über die MVG-more-App auch Autos aller vier Carsharing-Anbieter anmietbar sein. So könnten die Münchner sich ihre jeweilige "Mobilitätskette" besser organisieren, sagt König.

© SZ vom 10.10.2015/axi

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