Kolumne:Jung und divers

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Wie man Kunstförderung als Investment in die Zukunft von Künstlern betreiben kann, zeigt die neu aufgebaute Unternehmenssammlung der WTS.

Von Evelyn Vogel

Manche sind längst fester Bestandteil von Museen, andere kommen irgendwann nach dem Ableben der Sammler unter den Hammer und erzielen, in Einzelstücke zerschlagen, Milliardengewinne: Kunstsammlungen, wie die von Microsoft-Gründer Paul Allen, die kürzlich bei Christie's in New York für mehr als 1,6 Milliarden Dollar versteigert wurde. Was mit den Neigungen eines Privatsammlers beginnt, endet oft als Unternehmenssammlung, und mitunter bauen Konzerne sie gezielt als Teil der Unternehmenskultur auf.

2010 gründete der Kulturkreis der Deutschen Wirtschaft den Arbeitskreis "Corporate Collecting", in dem derzeit 37 Unternehmen engagiert sind, die das Fördern, Sammeln, Bewahren und Vermitteln von Kunst als wichtigen Teil der Unternehmenskultur begreifen. Die Liste reicht vom ADAC bis zur Westdeutschen Lotterie. Dazwischen Banken, Versicherer, Wirtschaftsunternehmen der verschiedensten Art. Manche sammeln nach bestimmten Themen und Bezügen: bei Osram ist es Lichtkunst, beim Europäischen Patentamt Wissenschaft und Technik. Der Schokokonzern Ritter Sport setzt - wen wundert's - auch bei der gesammelten Kunst aufs Quadrat.

Manche dieser Unternehmenssammlungen sind kaum bekannt, andere werden offensiv zu Marketing- und Repräsentationszwecken benutzt. Sparkassen haben in der Vergangenheit oft gesammelt, um sich in ihren Filialen als kunstsinnig auszuweisen. Doch seit das Filialsystem immer stärker ausgedünnt wird, wird's schwierig. Wohin mit all der Kunst, die - seien wir ehrlich - oft auch zweit- und drittklassig ist, weil aus Ausstellungen von Freizeit- und Hobbymalern in der jeweiligen Filiale angekauft wurde. Nicht alle verfügen über derart hochkarätige Exponate wie beispielsweise die DZ Bank, die museale Ausstellungen bestreiten kann.

Kürzlich hat das Steuerberatungsunternehmen WTS den neuen Standort im Münchner Werksviertel mit zeitgenössischer Kunst ausgestattet. Doch dabei hat weder der Geschmack des Firmenchefs noch die Preisentwicklung der Werke die Ausrichtung der Sammlung bestimmt. Der Auftrag des Unternehmens an die Kunsthistorikerin Sonja Lechner lautete, darauf zu achten, dass - neben Qualität selbstverständlich - die Sammlung jung, international und in jeder Hinsicht divers sein solle. So haben nun sehr viele junge Künstlerinnen bis hin zum Akademieabsolventen eine Chance erhalten. Auch einen Bereich für regelmäßige Wechselausstellungen gibt es. Diese Art der Förderung für junge Kunst, noch dazu in schwierigen Zeiten, ist wirklich schön.

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