Shopping-Tourismus:Die Stadt selbst ist "ein riesiges Shoppingcenter"

München bietet den Touristen gegenüber anderen Großstädten den Vorteil, dass sich die City selbst "wie ein riesiges Shoppingcenter" darstelle, sagt Joachim Stumpf, Geschäftsführer der BBE, die die Studie erstellt hat. Fast 450 000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche finden die Kunden innerhalb des Altstadtrings, auf kurzen und wie in der Maximilianstraße oft prachtvollen Wegen. Russische Touristen besuchen während ihres durchschnittlich knapp sieben Tage dauernden Aufenthalts sieben Geschäfte.

Die Aufgabe für die Händler ist es, zu diesen sieben zu gehören - oder zu den neun, die von Arabern aufgesucht werden oder zu jenen vier, die chinesische Power-Shopper bei ihren Kurztrips besuchen, um dort im Schnitt 513 Euro auszugeben - pro Tag. In diesem Potenzial liegt nach Ansicht des Handelsverbands eine große Chance für den stationären Einzelhandel, gegenüber dem Online-Handel nicht weiter zurückzufallen.

Und wie holt man die Kunden? "Sehr wichtig ist der immaterielle Service-Gedanke", sagt Petra Fladenhofer, die Marketing-Expertin. Gäste würden sich daran erinnern, wenn sie einen Tee angeboten bekämen oder der Verkäufer der mitreisenden Großmutter einen Sessel hinschöbe. Tatsächlich spielt die gute, alte Mund-zu-Mund-Propaganda auch in der vernetzten, globalisierten Shoppingwelt eine große Rolle. Gerade Russen, die mit ihren Deutschlandreisen oft Besuche bei Familie und Freunden verbinden, hören laut Studie auf deren Rat: Wo geht man hin? "Wir empfehlen dem Handel, auch mit Touristen langfristige Kundenverbindungen aufzubauen. Viele kommen wieder, vieles spricht sich herum", sagt Bernd Ohlmann.

Dass sie die Kreditkarte bis zur Besinnungslosigkeit glühen lassen, trifft entgegen landläufiger Meinung aber auch auf reiche Russen nicht mehr zu. Die aktuelle Erhebung unter russischen München-Reisenden hat ergeben, dass nur vier Prozent von ihnen im Luxussegment einkaufen - aber 86 Prozent in mittleren Preislagen. Auch trifft es nicht mehr zu, dass für die unterschiedlichen Zielgruppen zwingend besondere Waren vorgehalten werden müssen, edle Pelze für diesen, dicke Klunker für jenen. "Durch die Globalisierung sind die Geschmäcker zusammengerückt", sagt Petra Fladenhofer; wenn man so wolle, sei "Konsum ein verbindendes Element".

Bevor der Kunde kauft, lautet ein Schluss der Marktforscher, wolle er vor allem "wertgeschätzt werden", sagt Joachim Stumpf. In den Geschäften suchten sie den besonderen Service: Trägt jemand die Einkäufe ins Hotel, schickt er sie sogar ins Heimatland? Bekommt man die Mehrwertsteuer unkompliziert zurück? Petra Fladenhofer spürt etwa deutlichen Nachholbedarf bei Zahlungsmethoden übers Handy, die in Asien verbreitet, in Deutschland aber unterentwickelt sind.

Das Wlan-Angebot muss besser werden

Und ganz besonders rückständig, warnt Marktforscher Stumpf, sei Deutschland - auch München - beim freien Wlan. Gerade für ausländische Shoppingtouristen sei die Information übers Internet auch am Aufenthaltsort von immenser Bedeutung. Das mit dem Wlan, sagt Stumpf streng, "ist eine kümmerliche Geschichte in Deutschland".

Auch im transformierten Groundfloor des Oberpollinger zücken die Shopping-Traveller an diesem Abend die Handys, sie fotografieren ein ausgestelltes Objekt, das sich aber auch von ihnen nicht jeder leisten könnte. 1,88 Millionen Schweizer Franken soll das teuerste Motorrad der Welt wert sein, es ist sehr blau und sehr bling-bling. Letztlich ist auch in der Welt des Luxus am Ende vieles einfach nur Geschmacksache.

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