Einzelhandel Münchner Einkaufsstraßen werden immer eintöniger

So schnell geht es nirgendwo sonst: In der Theatinerstraße ist jeder fünfte Shop ein anderer als vor einem Jahr.

(Foto: Florian Peljak)
  • Immer mehr Geschäfte in der Innenstadt wechseln den Besitzer. Das geht aus einer nun veröffentlichten Studie des Immobilienverbands Deutschland (IVD) Süd hervor.
  • Die hohen Mieten können sich häufig nur noch die großen Ketten leisten. Sie eröffnen dann Filialen, die genauso gut in Abu Dhabi oder Amsterdam zu finden sind.
Von Pia Ratzesberger

München hat ein Problem. München ist zu beliebt. Immer mehr Menschen ziehen in die Stadt, die Bahnen sind voll, die Wohnungen knapp. Und nicht nur immer mehr Menschen wollen nach München, sondern auch immer mehr Firmen mit ihren Filialen. Läuft man durch die Sendlinger Straße oder die Theatinerstraße, liest man Namen wie American Vintage oder Coccinelle oder Rituals. All diese Läden haben vergangenes Jahr neu eröffnet, finden sich teils genauso in Abu Dhabi oder Amsterdam.

Und so steht nun auch in einer Studie des Immobilienverbands Deutschland (IVD) Süd, dass in der Innenstadt mehr und mehr Filialen einziehen - das Bild der "teilweise uniformen Innenstadt" werde noch einmal verstärkt, heißt es darin. Da ist zum Beispiel die Sendlinger Straße. Keine andere Straße in der Innenstadt hat sich in den vergangenen zehn Jahren so stark verändert wie diese, keine Autos fahren mehr, eine neue Einkaufspassage hat man hochgezogen, die Hofstatt, und so mancher kleine Händler musste schließen. Ein Wäschegeschäft zum Beispiel, ein Herrenausstatter.

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"Einen Laden in München aufzumachen, ist völliger Wahnsinn"

Da ist auch die Theatinerstraße. Sieht man sich nur das vergangene Jahr an, hat sich diese Straße in der Altstadt am auffälligsten verändert. "Jeder fünfte Shop ist heute ein anderer", sagt Stephan Kippes, Leiter des Marktforschungsinstituts vom IVD Süd. Vor ein paar Jahren gab es dort zum Beispiel noch Münchens ältestes Pelzgeschäft mit Namen Eiselt, auch das Modehaus Maendler. Heute gibt es zwar immer noch die traditionellen Geschäfte, das Roeckl-Eck hat gerade erst wieder eröffnet, aber in der Straße finden sich nun eben auch viele Läden mit Namen wie: Zara, Sandro, Nespresso.

Die Mieten zumindest sind in den vergangenen Monaten nicht angestiegen, sind in München aber ja ohnehin überdurchschnittlich hoch - vor allem in Gegenden wie der Kaufingerstraße oder dem Karlsplatz. In solchen Lagen zahlt man für einen Laden mit 80 Quadratmetern und einem fünf Meter großen Schaufenster im Schnitt schon einmal 410 Euro pro Quadratmeter. Also 32 800 Euro im Monat. Nur für die Miete. "Das ist für einen kleinen Laden ein Wahnsinn, das muss der erst einmal reinspielen", sagt Stephan Kippes. Konzerne, die in vielen Städten viele Filialen führen, haben es da einfacher, sie können solch hohe Mietausgaben mit den Einnahmen aus anderen Städten ausgleichen.

Während immer mehr Unternehmen in die Innenstadt drängen, wird es an anderen Orten in der Stadt leerer, in manchen Gegenden sinken die Ladenmieten sogar. Etwa in den kleinen Zentren der Stadtteile, in Pasing in der Gegend um den Bahnhof, in den Straßen um das große Kaufhaus. "Dort haben wir wieder ein Phänomen, das man sonst in München gar nicht mehr kennt", heißt es beim IVD. Den Leerstand. Kostete ein Geschäft mit 80 Quadratmetern in solchen Lagen vor einem Jahr im Schnitt etwa 8800 Euro Miete im Monat, sind es heute 7600 Euro. München ist zu beliebt. Aber noch nicht überall.

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