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Tiere:Tödlicher Biss im Nymphenburger Schlosspark

Im Schloßpark Nymphenburg besteht für Hunde Leinenpflicht.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Ein Hund hat im Nymphenburger Park ein Reh gerissen. Die Schlösserverwaltung sieht das als Einzelfall und setzt auf die Einsicht der Besucher.

Von Thomas Anlauf

Er ist eine grüne Idylle inmitten Münchens. Der Nymphenburger Schlosspark, mit 180 Hektar Fläche fast so groß wie der Pilsensee, bietet zahlreichen Tieren und Pflanzen Raum und Nahrung. Rehe, Füchse und Marder leben auf dem weitläufigen Gelände, natürlich auch Schwäne, Eichhörnchen und Vögel. Nymphenburg sei eine "sehr ruhige Parkanlage", hier böten sich "wichtige Rückzugsräume für Wildtiere", sagt Cordula Mauß von der Bayerischen Schlösserverwaltung.

Der Park ist frei zugänglich, allerdings gibt es Auflagen: Die Wege dürfen nicht verlassen werden, Fahrradfahren ist verboten und Hunde müssen an der kurzen Leine geführt werden. Doch immer wieder kommt es vor, dass die Idylle gestört wird. Vor wenigen Tagen jagte ein freilaufender Hund im nördlichen Parkbereich ein Reh und biss ihm in die Kehle. Eine alarmierte Ärztin der Tierrettung musste den verletzten Bock einschläfern.

"Das kommt leider ab und zu mal vor", sagt Cordula Mauß. "Im Verhältnis zur Zahl der Besucher, die tagtäglich mit ihrem Hund im Schlosspark spazieren gehen, treten derartige Zwischenfälle sehr selten auf", schränkt die Sprecherin der Schlösserverwaltung ein. Die Verwaltung werde daher auch in Zukunft auf das Verständnis und die Einsicht der Hundebesitzer setzen, ihre Tiere anzuleinen und auf andere Spaziergänger und im Park lebende Tiere Rücksicht zu nehmen. "Unsere Parkwächter werden sich auch weiterhin bemühen, die Anleinpflicht im gesamten Nymphenburger Schlosspark durchzusetzen", so Mauß.

Im Park sind Schilder aufgestellt, die auf die Verbote in der weitläufigen Grünanlage hinweisen, neben den Parkwächtern schauen auch die Gärtner darauf, ob ein Hund angeleint ist oder nicht, sie sprechen die Hundebesitzer notfalls auf das Verbot an. Als Strafmaßnahme droht einem Halter höchstens eine Verwarnung oder eine Anzeige wegen Sachbeschädigung, wenn ein Tier bei einem Angriff stirbt. Auch einen Grundstücksverweis kann die Schlösserverwaltung aussprechen. Doch sie setzt weiter auf die Einsicht der Parkbesucher. "Das ist schließlich nicht der eigene Garten", sagt Mauß. Da der Schlosspark ein wichtiges Erholungsgebiet für die Münchner sei, wolle man auch weiterhin keinen Eintritt verlangen.

Nicht nur im weitläufigen Gelände von Schloss Nymphenburg kommt es hin und wieder zu tödlichen Verletzungen von Wildtieren. Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) hat in den vergangenen zehn Jahren etwa 100 Meldungen von Bürgern im gesamten Stadtgebiet erhalten, dass ein Wildtier tot aufgefunden worden ist. "Oft kann man aber gar nicht nachvollziehen, woran das Tier letztlich gestorben ist", sagt KVR-Sprecher Johannes Mayer. Wenn die Behörde Hinweise darauf hat, dass ein Fall von Jagdwilderei oder Tierquälerei vorliegt, "werden wir natürlich tätig im Rahmen der jeweiligen Situation - gegebenenfalls auch mit Einbindung der Polizei", so Mayer. Um die Beseitigung toter Tiere im Stadtgebiet kümmern sich ansonsten Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsbetriebs AWM.

Dass Hunde Rehe anfallen, scheint zumindest im Nymphenburger Park trotz allem nicht allzu häufig vorzukommen. Sonst wäre die kleine Population dort vermutlich längst verschwunden. Die Parkpfleger schätzen, dass es sich um 15 bis 20 Tiere auf dem gesamten Gelände handelt, "wir haben sie aber nicht gezählt, die Tiere leben ja frei hier", sagt Cordula Mauß. Da es keine Futterstellen gibt, scheint das Ökosystem in der Anlage so gut zu funktionieren, dass die Tiere auch so ausreichend Nahrung finden. Die Rehe scheinen Dauergäste im Park zu sein: "Wir nehmen an, dass die Tiere nur selten durch offene Parktüren gehen und wir somit eher eine Stammpopulation im Park haben." Also echte Münchner Rehe.

© SZ vom 19.02.2018/infu
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