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Thriller:Deutschland von oben

Ein Stück deutscher Zeitgeschichte: Im "Ballon" fliegen zwei Familien vom Osten in den Westen.

BALLON

Der Vater (Friedrich Mücke, links) durchtrennt das Seil, das den Ballon am Boden hält, sein Sohn (Jonas Holdenrieder) reguliert das Gas.

(Foto: Studiocanal)

Von Pößneck in Thüringen bis ins oberfränkische Naila sind es nur 18 Kilometer, für die Familien Strelzyk und Wetzel ist das aber eine unüberbrückbare Distanz: Denn zwischen den beiden Orten liegt eine Grenze - und diese dürfen sie nicht überschreiten, bewaffnete Grenzsoldaten sorgen dafür. Den beiden Familien gelingt aber die innerdeutsche Flucht, im Jahr 1979 fliegen sie in einem Heißluftballon aus der DDR in die BRD. Der Fall sorgte weltweit für Aufsehen, er wurde zwei Jahre später sogar in einem Disney-Film (Mit dem Wind nach Westen) nacherzählt. Es sollte aber noch einmal vier Jahrzehnte dauern, bis sich hierzulande ein Filmemacher an dieses waghalsige Stück deutscher Zeitgeschichte herantraute: Michael "Bully" Herbig erzählte die Geschichte der beiden Familien als Thriller, er zeigt die Vorbereitungen, den gescheiterten ersten Versuch, die Materialbesorgungsprobleme, den Wettlauf gegen die Zeit. Die wohl größte Leistung des mit Schauspielern wie Friedrich Mücke, Karoline Schuch und David Kross besetzten Films ist, dass man mitfiebert, obwohl das Ende bekannt ist. Dafür sorgt auch die Musik von Ralf Wengenmayr, sie gibt dem Film den Takt vor.

Ballon, D 2018, Regie: Michael "Bully" Herbig, zu sehen unter anderem bei Amazon Prime

© SZ vom 26.03.2020
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