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Technikerschule:Kurbel mir mal ein Bier rauf

Andreas Abstreiter und Frederic Suckan stoßen mit erdgekühltem Bier an.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Schüler der Städtischen Fachschule für Maschinenbau-, Metallbau-, Informatik- und Elektrotechnik präsentieren ihre Abschlussarbeiten.
  • Bei einem Projekt handelt es sich um einen Erdkühlschrank, der Getränke mithilfe der Bodentemperatur kaltstellt.
  • Andere Schüler haben einen Roboter entwickelt, der Zeugnisse unterschreibt.

Das Problem wird sich wieder stellen, wie jeden Sommer. Das Wetter wird gut, zur Grillparty haben sich ein Dutzend Freunde angesagt, der Kühlschrank ist voll mit Grillgut, Soßen und Salaten. Wo bleibt da noch Platz für Bier? Andreas Abstreiter und Frederic Suckau werden dieser Frage künftig gelassen entgegenblicken. Die zwei Absolventen der Technikerschule haben einen Erdkühlschrank entwickelt, der Getränke mithilfe der Bodentemperatur kaltstellt. Die liegt ganzjährig bei etwa zehn Grad, kühlt also im Sommer, schützt im Winter vor Frost und kostet nichts. Über eine Röhre werden die Flaschen per Kurbel mit sieben Umdrehungen in die Erde und später wieder zurück an die Oberfläche befördert. Den Abschluss der Konstruktion bildet oben eine runde Platte: ein Stehtisch, an dem gleich das Bier getrunken werden kann. Wie praktisch!

Das Projekt ist eine von insgesamt 82 Abschlussarbeiten, die Schüler der Städtischen Fachschule für Maschinenbau-, Metallbau-, Mechatronik-, Informatik- und Elektrotechnik am Freitagnachmittag präsentiert haben. Die Themen haben sich die Absolventen, wie im Fall des Erdkühlschranks, teils selbst gesucht, teils haben sie auch mit Firmen zusammengearbeitet. Bei Stefan Gremminger und Tom Häcker stammte der Vorschlag ausgerechnet von der Schule selbst: Sie entwickelten einen Roboter, der für Rektor Siegfried Hummelsberger Zeugnisse unterschreibt.

An ihrem Stand haben sie unter anderem ein Zeugnis überwiegend mit der Note "befriedigend" in eine Halterung gespannt, auf Knopfdruck fährt der orangefarbener Roboterarm über das Papier, mit einem Vakuumsauger wird es anschließend vorsichtig auf die Seite gelegt. "Das ist bei Dokumenten rechtlich natürlich überhaupt nicht zulässig", sagt Hummelsberger, der über die programmierte Unterschriftenfälschung freilich informiert ist, und lacht. Aber es gehe auch nicht darum, dass jedes Projekt immer eins zu eins gleich eine direkte Einsatzmöglichkeit haben muss. Und dass in ein paar Jahren Roboter Handschriften simulieren, das kann sich der Rektor der Technikerschule sehr wohl vorstellen. Die Zeugnisse wird er gleichwohl weiter selbst unterschreiben müssen.

Ein paar Meter weiter hat Benedikt Maier ein Regal voller kleiner Salatpflanzen errichtet. Er arbeitet an einem Projekt des Lehrstuhls für Green Technologies in Landscape Architecture von Professor Ferdinand Ludwig an der TU München, dass Salate in Häuserfassaden angebaut werden können. Der Salatverbrauch steige seit Jahren, sagt Maier, und ein Großteil davon werde importiert. Die Idee des TU-Projekts ist, das Licht, das die Menschen in ihren Wohnungen ohnehin verwenden, gleichzeitig für den Pflanzenwachstum zu nutzen und den Stadtbewohner somit zum Produzenten zu machen.

Auf fünf Etagen in seinem Regal sprießen die Pflanzen bereits. Über ihnen sind mehrere LED-Lampen angebracht, und über Schläuche bewässert sich das System von selbst. Das Projekt ist bereits so weit gediehen, dass ein erstes Salat-Regal im September in einem Edeka-Supermarkt in Rosenheim aufgestellt werden soll.

Auch das Projekt von Konstantin Lommatzsch, das er mit Hanno Steinz von der Firma Advanced Realtime Tracking entworfen hat, dürfte eine praktische Anwendung in der freien Wirtschaft finden: Er kann mithilfe einer Virtual-Reality-Brille große, noch gar nicht gebaute Gegenstände allein anhand der Konstruktionsdaten in 3D sicht- und begehbar machen. Das sensorgesteuerte Fahrzeug von Lukas Ströbel, Angelo Rito, Robin Schütz und Matthias Krainz wird dagegen ausschließlich in der Technikerschule benutzt werden: Dort gibt es eine Produktionsanlage in Miniaturformat mit Fließbändern und Robotern, an der Schüler lernen können, wie Produktionsprozesse zum Beispiel bei einem Autohersteller ineinandergreifen. Das kleine Auto der vier Absolventen übernimmt hier künftig die Rolle des Zulieferfahrzeugs, das Gegenstände aus dem Lager holen und in die Produktionsstraße transportieren soll.

In den vergangenen zwei Jahren waren die Ergebnisse der Abschlussarbeiten übrigens so ausgefallen, dass die Technikerschule zweimal den ersten und einmal den zweiten Preis beim Engineering-Newcomer-Wettbewerb gewann. Sie darf sich seither "kreativste Engineering Schule" in Deutschland nennen.