Teamwork Münchens spannendste Mode-Kooperationen

Theresa Reiter (hinten) und Katharina Weber mit Künstler Max Fesl in ihrem Laden an der Buttermelcherstraße.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Vielen kleinen Labels fällt es schwer, sich auf dem Münchner Markt gewinnbringend zu verkaufen.
  • Immer häufiger arbeiten deswegen Designer, Hersteller und andere Fachleute zusammen, um ihre Produkte gemeinsam anzubieten.
Von Franziska Gerlach

Modisch war einiges geboten, als Demna Gvasalia der Welt im Pariser Kaufhaus Galeries Lafayette vormachte, was er sich unter einer anständigen Kooperation vorstellt. Für die Frühjahrskollektion 2017 seines Labels Vetements hat der Designer immerhin mit 17 Marken zusammengearbeitet. Das Medienecho war enorm: Schau sich das einer an, was für ein Coup!

Klar, kooperiert wurde schon früher, man denke nur an die Modekette H&M, wo man sich seit mehr als zehn Jahren namhafte Designer von Karl Lagerfeld bis Alexander Wang vor den Karren spannt. Doch in dem Ausmaß wie Vetements hatte das mit den Kooperationen bislang noch niemand betrieben.

Einzelhandel - Gemeinsam im Trend

Aus Einzelkämpfern werden Teams - die sich im Münchner Einzelhandel erfolgreich behaupten können. Vier Beispiele.

Weniger Ego, mehr wir? Kooperationen boomen in der Mode, auch München hat einige Beispiele vorzuweisen. Das Modelabel A Kind of Guise hat vor zwei Jahren einen Schuh für Adidas entworfen, in limitierter Auflage. Und wird das 2018 im Übrigen ein weiteres Mal tun. Aber auch abseits der Textilbranche wird inzwischen eifrig kooperiert in der Stadt. Die Brauerei Isarkindl und die Keramikmeisterin Annika Schüler haben im September Bierkrüge mit 20 verschiedenen München-Motiven herausgebracht.

Nina Skarabela, Gründerin der veganen Nagellackmarke OZN, arbeitet mit Boutiquen, Modedesignern und Bloggern zusammen. Im Sommer hat sie ein helles Taubenblau für Swantje Bernsmann entwickelt, die Münchnerin betreibt das Beautyblogazine "The Original Copy". Man habe sich auf einem Event getroffen, sei dann mal Mittagessen gegangen, habe Ideen gesponnen, wie man das halt so macht. Zusätzliche Farben sind zwar mit Aufwand verbunden, auch werde man dadurch nicht reich, so Skarabela. Dafür aber ein wenig bekannter, wenn die Bloggerin den Nagellack auf ihrer Seite vorstellt. "Da befruchtet und unterstützt man sich gegenseitig", sagt Nina Skarabela.

Geschichten wie diese passen natürlich zu einem Zeitgeist, dem so langsam dämmert, dass er mit reinem Ich-Bezug nicht weit kommen wird. Völlig uneigennützig werden solche Kooperationen aber wohl nicht eingegangen. "Da haben beide was davon, das ist die berühmte Win-win-Situation", sagt Sabine Resch. Die Studienleitung Modejournalismus an der Akademie Mode & Design (AMD) in München erklärt die Vorteile solcher Zusammenschlüsse am Beispiel des französischen Luxuslabels Louis Vuitton, das sich mit dem Streetwearlabel Supreme zusammengetan hat.

Neue Zielgruppen für die Designer

Erstens, sagt Resch, ließen sich so gegenseitig neue Zielgruppen erschließen. Die hippen, jungen Anhänger einer Streetwearmarke lernen die High Fashion kennen, und werden, zweitens, - auch wenn sie sich diese jetzt vielleicht noch nicht leisten können - früh an die Marke gebunden. Vorteil Nummer drei: der Aspekt der Produkterweiterung. Für eine Damenmodedesignerin, die zwar die tollsten Abendroben entwirft, aber keine Ahnung hat von Taschen, ist eine Kooperation mit einem Taschenlabel ein gangbarer Weg, wenn sie die eigene Produktrange um eine Clutch erweitern möchte.

Nun könnte der Münchner mit den Schultern zucken, und sagen: Na und, was geht mich das an, was die da in Paris, Mailand oder New York ausbaldowern? Doch so läuft das in der Mode nicht. Und im Grunde seines Designerherzens lässt wohl keinen Münchner Kreativen kalt, was auf dem internationalen Parkett passiert. Allerdings vollziehen sich solche Begegnungen an der Isar doch spontaner, auch versucht hier nicht ein Großer vom unkonventionellen Image eines Kleinen zu profitieren. Tun sich Münchner Labels oder Händler zusammen, geschieht das meist auf Augenhöhe - in manchen Fällen sollen aus den Partnerschaften richtige Freundschaften entstanden sein.

Kooperieren, um den eigenen Laden zu promoten

Geschäftstüchtig sind aber auch die Münchner: Schmuckdesignerin Julia Neumann von "Chaingang" ist eine, die gerne Kooperationen sucht, unter anderem, "um den eigenen Laden in der Residenzpassage zu promoten." Zuletzt hat Julia Neumann gemeinsam mit dem Münchner Label Womom Schmuck umgesetzt. Die Typografie der Wörter "Mom" oder "Baby", die an zarten Kettchen baumeln, haben die Designerinnen beigesteuert.

Für Neumanns Geschmack sind die geschwungenen Buchstaben eigentlich einen Tick zu lieblich. Aber mal etwas Anderes auszuprobieren, das sei halt schon interessant.

Wie sich Münchner Designer gegen riesige Modeketten behaupten

Einer Kundin zu erzählen, dass ein rostbrauner Rock gut zu einem blauen Pullover passt, reicht heute nicht mehr aus. Um zu überleben, setzen viele Ladeninhaber auf Kooperationen. Von Franziska Gerlach mehr...