SZenario:Der Bergdoktor, der Alte und Bernhardiner Möpschen

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SZenario: Statt Geburtagsständchen: ein Auftritt der "Fantastischen Vier".

Statt Geburtagsständchen: ein Auftritt der "Fantastischen Vier".

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Neue deutsche Filmgesellschaft will gar nicht hip sein. Aber sie kann so rauschend feiern, wie es selbst die partygeile Münchner Medienbranche selten erlebt.

Von Josef Grübl

Wenn der Bergdoktor, der Alte und ein Bernhardiner namens Möpschen zu einer Party laden, hegt man als halbwegs vernunftbegabter Zeitgenosse Fluchtgedanken. Wenn dann auch noch ein runder Geburtstag gefeiert wird, der das eigene Lebensalter um ein paar Jahrzehnte übersteigt, sollten wirklich alle Alarmglocken schrillen. Doch das, was die Neue deutsche Filmgesellschaft (ndF) am Mittwochabend als Sommer- beziehungsweise Geburtstagsfest veranstaltet, ist ein rauschendes Mehrgenerationenfest, eine Party, wie sie selbst die partygeile Münchner Medienbranche selten erlebt. Das beginnt beim Ort und hört beim Moderator, dem Service und der Band längst nicht auf.

Die ndF ist eines der größten und einflussreichsten Produktionsunternehmen des Landes, gilt aber als vergleichsweise bieder: Seit Jahrzehnten liefert die Firma mit Hauptsitz in Unterföhring öffentlich-rechtliche Wohlfühlware à la "Bergdoktor", "St. Angela" oder "Das Erbe der Guldenburgs". Damit gewinnt man nicht unbedingt Fernsehpreise, aber die Herzen von Millionen Fernsehzuschauern. 1947 wurde die Firma gegründet, als erste Produktion entstand der Hildegard-Knef-Film "Zwischen gestern und morgen". Und irgendwo dazwischen bewegt sich auch die ndF seit 75 Jahren: Sie mag nicht so hip sein wie all die anderen Medienfirmen, die in dieser Filmfestwoche auf die immergleichen Empfänge laden, mit den immergleichen Gästen und den immergleichen Bekundungen, wie sensationell es gerade laufe.

SZenario: Unter den 600 Gästen auf der Galopprennbahn Riem: Lisa Maria Potthoff und Eisi Gulp.

Unter den 600 Gästen auf der Galopprennbahn Riem: Lisa Maria Potthoff und Eisi Gulp.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das ndF-Fest dagegen findet in der Galopprennbahn Riem statt, die vielleicht ebenfalls als bieder gilt, sich angesichts des milden Sommerwetters aber als ideale Location erweist: Man steht draußen vor einer Almhütte oder auf dem Grün, hat genügend Abstand, es weht ein laues Lüftchen - und das Servicepersonal ist auch noch aufmerksam. Viele Stars der eigenen Produktionen sind da, die TV-Nonne Janina Hartwig ("Um Himmels willen") etwa, der Oberförster Christian Wolff ("Forsthaus Falkenau") oder der "Bergretter" Sebastian Ströbel. Aber auch Mitglieder der nicht zur ndF gehörenden Eberhofer-Filmfamilie (Eisi Gulp, Lisa Maria Potthoff oder Stefan Betz) wollen feiern, ebenso wie Regisseur Florian Gallenberger oder die Schauspieler Wolfgang Fierek, Saskia Vester, Stefan Murr, Jutta Speidel oder Leonard Hohm. Ein Gast sticht aus der Menge heraus, weshalb man ihn natürlich sofort fragen muss, was er bei dieser doch sehr öffentlich-rechtlich geprägten Veranstaltung mache: Ach, sagt der ProSieben-Moderator, Entertainer und Unternehmer Klaas Heufer-Umlauf, er sei gerade zufällig in München und finde, dass die ndF eine sympathische Firma sei.

SZenario: Gast mit Witz: ProSieben-Moderator und Entertainer Klaas Heufer-Umlauf

Gast mit Witz: ProSieben-Moderator und Entertainer Klaas Heufer-Umlauf

(Foto: Stephan Rumpf)

Stimmt natürlich nicht, außer das mit der sympathischen Firma vielleicht: Eine halbe Stunde später steht Heufer-Umlauf auf der Bühne und führt durch den betreuten Teil des Abends. Und der ist verdammt lustig: Statt der üblichen Grußworte oder Lobreden präsentiert er Ausschnitte aus den peinlichsten ndF-Produktionen, dem "Derrick"-Zeichentrickfilm etwa oder dem eingangs erwähnten Familiendrama "Ein Bernhardiner namens Möpschen". In einem Einspielfilm besucht er das Team von "Morden im Norden" oder schaut auf einen Sprung beim "Bergdoktor" Hans Sigl in Ellmau vorbei. Der sei gerade verhindert, sagt der Moderator später, aber keine Sorge, es gehe ihm gut: "Er hat sich selbst operiert."

SZenario: Ganz offensichtlich auch ein Fan der Hip-Hop-Band "Die Fantastischen Vier": Schauspieler Rufus Beck.

Ganz offensichtlich auch ein Fan der Hip-Hop-Band "Die Fantastischen Vier": Schauspieler Rufus Beck.

(Foto: Stephan Rumpf)

Und dann kommen Die Fantastischen Vier: Die Stuttgarter Hip-Hop-Helden sind gerade auf Deutschlandtour, erst am Wochenende ließen sie sich auf dem Königsplatz abregnen. In Riem haben sie mehr Wetterglück, da geben sie ein Konzert für 600 Medienleute, mit Hits wie "Danke", "MfG", "Sie ist weg", "Troy" oder "Zusammen". Die Stimmung ist euphorisch, auch der Firmenchef strahlt. Was denn der Spaß gekostet habe, fragt man Matthias Walther während der Zugabe. Der hebt nur beschwichtigend die Hände und lacht: "Das ist Freundschaft."

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