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SZ-Serie: Die Klassen von 2021:Die Nerven liegen blank

Schüler sprechen über ihr Abschlussjahr Lilly Schickel

Lilli Schickel besucht die FOS in der Ernst Barlachstrasse.

(Foto: Catherina Hess)

Fünf junge Menschen schildern ihre Hoffnungen und die Herausforderungen. Heute: Lilli Schickel, FOS an der Barlachstraße

Kurz hatten viele Bedenken, so auch ich, ob die Schulen nach den Osterferien für alle geschlossen sind. Aber die Abschlussklassen können weiterhin in den Präsenzunterricht. Deshalb ist es gut, dass endlich auch die Kits für die Selbsttests angekommen sind. Viel wird um den Datenschutz debattiert, der kann wohl nie ganz gewahrt werden. Aber ich finde, testen ist absolut notwendig. Die Tests bieten die beste Lösung für Sicherheit und Präsenzunterricht. Durch die hohe Inzidenz werden wir uns von nächster Woche an sogar drei Mal testen. Wir stehen nun kurz vor den Prüfungen und brauchen zur Vorbereitung einfach den Präsenzunterricht.

Es ist nicht schön zu sehen, wie hoch die Infektionszahlen in München sind, aber Prüfungen noch weiter zu verschieben, dass geht einfach nicht mehr. Uns stressen die immer wieder neuen Diskussionen über die Abi-Jahrgänge enorm. Egal in welcher Whatsapp-Gruppe - die Stimmung ist geladen. Ich empfinde diese Diskussionen als "heiße Luft" und mehr als unangebracht. Es setzt uns zusätzlich unter Druck, den wir momentan gar nicht gebrauchen können. Leider hat das Kultusministerium die Planung mal wieder nicht wirklich durchdacht. Die Prüfungen sind nun etwas nach hinten verschoben worden. Aber eben nur etwas. Nun beginnen sie in der Woche nach den Pfingstferien. Aber was niemand bedacht hat: Die Noten des zweiten Halbjahres müssen auch noch ihren Platz finden. Also mussten wir nicht nur die fehlenden Arbeiten aus dem Winter-Lockdown nachschreiben, wir müssen ein komplettes Halbjahr zwischen März und Mai bewältigen und dazu die Prüfungen.

Dennoch bin ich froh, wenigstens in die Schule zu können. Die U-Bahnen sind so voll, als würde Corona nicht existieren. Home-Office ist vielen Arbeitgebern wohl ein Fremdwort. Aber mittlerweile bin ich geimpft und habe ein besseres Gefühl unterwegs. Auch die impfwilligen Mitarbeiter meiner Schule haben schon ihren Pieks bekommen. Wir haben viele Risikopatienten unter der Schülerschaft, deshalb sind hier auch schon viele geimpft. Auch wenn nun alle ausstehenden Prüfungen noch auf uns warten, die Nächte schlaflos und wir am Ende unserer Nerven und Geduld sind, so rückt das Ziel in sichtbare Nähe. Nun darf nur nichts mehr dazwischenkommen. Ich denke, sonst werden viele die Schule abbrechen. Die Nerven liegen blank.

Ich weiß nun, was wir im vergangenen Jahr während des Fachabis doch für einen "Luxus" hatten: Wir hatten wenigstens ein normales Halbjahr, im zweiten wurden keine Noten gemacht und die Prüfungen kamen gefühlt schneller und ohne Steine im Weg auf uns zu. Dieses Jahr lief vieles durch die Politik falsch, die Noten werden der Pandemie kaum angepasst und wir müssen jeden Tag aufs neue Zittern. Mich stört, dass Schulen zwischen der Pandemie und dem Wahlkampf einfach vergessen werden. Es gibt momentan akutere Probleme, anstatt über irgendetwas zu debattieren, was in ferner Zukunft liegt.

Schulabschluss in Zeiten von Corona: Im Wechsel schreiben Schülerinnen und Schüler verschiedener Schultypen: Maya Grombach, Theresia-Gerhardinger-Mädchenrealschule; Bara Chayah, Mittelschule Toni-Pfülf-Straße; Niklas Krofta, Klenze-Gymnasium; Lilli Schickel und Yannick Andricek, FOS an der Barlachstraße.

© SZ vom 24.04.2021
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