Symphonieorchester des BR Warum Jansons bis 2021 in München bleibt

Bleibt bis 2021 Chefdirigent in München: Mariss Jansons

(Foto: dpa)
  • Der Dirigent Mariss Jansons hat seinen Vertrag als Chef des BR-Symphonieorchesters vorzeitig bis 2021 verlängert.
  • Dabei galt er auch als ein aussichtsreicher Kandidat auf die Nachfolge von Simon Rattle bei den Berliner Philharmonikern.
  • Jansons' Entscheidung ist auch ein Zeichen an die Staatsregierung: dass sie für das BR-Orchester einen neuen Konzertsaal in München bauen soll.
Von Christian Krügel

Wie Jansons ein Signal an die Landespolitik setzt

Seit Wochen blickt die Musikwelt gespannt nach Berlin. Am Montag werden die Philharmoniker dort darüber abstimmen, wer Nachfolger 2018 ihres Chefs Simon Rattle wird. Als einer der Top-Kandidaten wurde dabei stets Mariss Jansons genannt, derzeit Chef des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks.

Drei Tage vor der Wahl gelang dem Letten und dem BR nun ein Coup: Jansons wird seinen Vertrag in München um drei Jahre bis 2021 verlängern. Das kommt einer Absage an die Berliner gleich - und ist zugleich ein starkes Signal an München und die bayerische Politik: Jansons, der seit Jahren für einen weiteren Konzertsaal in München kämpft, wird Seehofer und Staatsregierung nicht aus der Pflicht lassen.

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Was die BR-Symphoniker von ihrem Chef halten

Der 72-Jährige leitet seit 2003 die BR-Symphoniker. Er hat sie an die Weltspitze der Orchestermusik geführt und durch zahlreiche Tourneen auch in den Fokus der internationalen Musikszene gerückt. Aus dem Orchester heraus gab es deshalb schon länger den Wunsch, dass Jansons auch über sein Vertragsende 2018 hinaus in München Chef bleiben solle.

Am Mittwoch stimmten die Musiker darüber ab, Jansons wurde dabei offenbar mit überwältigender Mehrheit bestätigt. Er selbst hatte seine Zukunft zuletzt offen gelassen, aber nach der Aufgabe seiner Chefdirigentenrolle beim Concertgebouw Orchestra Amsterdam in diesem Frühjahr auch durchblicken lassen, dass er Lust auf neue Projekte und zugleich mehr Ruhe habe.

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Jetzt haben Jansons und die BR-Musiker schneller als erwartet die Zukunftsfragen geklärt. Pikanterweise war Jansons am Freitagvormittag gerade in Proben mit dem Berliner Orchester, als der BR seine Vertragsverlängerung bekanntgab. "Die musikalische Professionalität und menschliche Qualität" des Orchesters "suchen ihresgleichen", ließ Jansons mitteilen. "Dies nicht nur zu nutzen, sondern weiter zu fördern und dem Publikum in München, Bayern und in der ganzen Welt zu präsentieren, ist mir eine Herzensangelegenheit", so der Dirigent.

BR-Intendant Ulrich Wilhelm nennt den Dirigenten eine "einzigartige Künstlerpersönlichkeit" und verweist auch auf den wirtschaftlichen Erfolg: "Unter seiner künstlerischen Leitung hat sich die Zahl der Abonnenten fast verdreifacht." Und Orchestermanager Nikolaus Pont jubelt: "Wir freuen uns auf die Fortsetzung einer großartigen künstlerischen Partnerschaft."

Was Seehofer zur Konzertsaalfrage sagt

Keiner erwähnt, dass durchaus auch die Entwicklung rund um das Herzensprojekt von Jansons seine Entscheidung etwas befördert haben könnte. Nachdem die Idee eines weiteren Konzertsaals für München im Februar schon am Ende zu sein schien, ist es nach den Ereignissen der vergangenen Tage wohl wahrscheinlicher denn je, dass das Projekt doch verwirklicht wird.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat erst am Donnerstag Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) mitgeteilt, dass die Stadt die Idee einer "Zwillingslösung" am Gasteig nicht mehr weiter verfolgen werde. Die hätte vorgesehen, dass sich Münchner Philharmoniker und BR-Symphonieorchester künftig eine runderneuerte Philharmonie und den Herkulessaal als Spielstätte gleichberechtigt teilen sollten - für Mariss Jansons eine schreckliche Vorstellung und ein schwerer kulturpolitischer Fehler, wie er mehrmals betonte. Vor allem nahm er Seehofer und Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) übel, dass sie nicht zu ihrem Versprechen für einen zusätzlichen, neuen Saal standen.

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Dieses Versprechen hat die Staatsregierung am Donnerstag nach der Absage Reiters aber prompt erneuert: "In jedem Fall gilt die Aussage aus der Regierungserklärung des Ministerpräsidenten, wonach in München ein neuer Konzertsaal realisiert werden soll." Mariss Jansons wird Seehofer und Nachfolger jetzt sechs Jahre lang vor sich hertreiben - drei Jahre länger, als sich das mancher in der Staatsregierung gewünscht haben mag.