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Konzertsaal-Debatte:Reiter sagt Zwillingslösung für Gasteig ab

Philharmonie im Gasteig, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Generalprobe exklusiv für Abonnenten der Süddeutschen Zeitung

Philharmonie im Gasteig, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Generalprobe exklusiv für Abonnenten der Süddeutschen Zeitung

(Foto: Florian Peljak)
  • Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter verabschiedet sich offiziell von der "Zwillingslösung" für das Kulturzentrum am Gasteig.
  • In einem Brief an Ministerpräsident Horst Seehofer erklärt er, eine aufwendige Sanierung des Gasteigs mit dem Ziel, sowohl den Münchner Philharmonikern als auch den BR-Symphonikern dort eine Heimat zu verschaffen, bringe keine Vorteile.
  • Die Staatskanzlei reagiert sofort, spricht von einer "veränderten Lage" und betont, man wolle weiterhin einen "neuen Konzertsaal realisieren".

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat die Debatte über die künftige Nutzung des Gasteigs beendet. In einem Brief an Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) lehnt er die "Zwillingslösung" für die Philharmonie ab. Die Staatskanzlei reagiert prompt und spricht nun von einer "veränderten Lage". Man werde "eingehend prüfen, welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind". In jedem Fall aber gelte weiterhin die Aussage aus der Regierungserklärung des Ministerpräsidenten, wonach in München "ein neuer Konzertsaal realisiert werden soll". Oberbürgermeister Reiter kündigt indes an, dass der Stadtrat noch vor dem Sommer die Sanierung des Gasteigs inklusive akustischer Ertüchtigung des Saals beschließen werde.

Seehofers Pläne sind damit gescheitert: Im Februar hatte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Reiter vorgeschlagen, Philharmoniker und BR-Symphonieorchester könnten sich eine runderneuerte Philharmonie teilen - der Freistaat hätte sich so den Bau eines Konzertsaals gespart. Das hatte zu einem Sturm der Entrüstung bei Musikfreunden geführt. Ein Gutachten und eine eigens installierte Arbeitsgruppe hatten zuletzt ebenfalls von der Zwillingslösung abgeraten.

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Trotzdem hatte sich die Staatsregierung noch nicht von dieser Idee verabschieden wollen. Erst am Mittwoch bezeichnete Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) im Wissenschaftsausschuss des Landtages die Zwillingslösung als Option, um den Konzertsaalstreit in München zu beenden.

Oberbürgermeister Reiter schiebt Seehofer den Schwarzen Peter zu

Diese Option ist jetzt offenbar endgültig vom Tisch. Den Schwarzen Peter schiebt Oberbürgermeister Reiter dem Ministerpräsidenten zu. Der müsse "nun entscheiden, ob er den Neubau eines weiteren Konzertsaales in München durch den Freistaat Bayern realisieren will - oder nicht". Falls ja, stehe die Stadt "mit planerischer Unterstützung" zur Verfügung. Reiter verwahrt sich aber gegen eine öffentliche Diskussion über Standorte, bevor die nicht "auf ihre Realisierbarkeit" geprüft wurden. Damit spielt er auf Spaenles Vorstoß an, den Saal im Olympiapark zu bauen.

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Spaenle selbst reagiert positiv auf Reiters Ankündigung. Er werde seine ministerielle Arbeitsgruppe bitten, den Standort Olympiapark und weitere nun in Ruhe zu prüfen. Zudem hoffe er auf weitere Unterstützung aus der Bürgerschaft. Ziel sei es, dem Kabinett ein schlüssiges Konzept vorzulegen. "Wir gehen jetzt Schritt für Schritt", sagte Spaenle zur Süddeutschen Zeitung.