Theater:Am Meer

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Theater: Zwei große, unerschütterliche Damen des Theaters: Inge Rassaerts (li.) und Michaela May in Stefan Kastners "Die Rückkehr der Delphine".

Zwei große, unerschütterliche Damen des Theaters: Inge Rassaerts (li.) und Michaela May in Stefan Kastners "Die Rückkehr der Delphine".

(Foto: Franz Kimmel)

Stefan Kastners wundersame Theaterfantasie "Die Rückkehr der Delphine" mit Michaela May und Inge Rassaerts. Grandiose Premiere im Silbersaal des Deutschen Theaters.

Von Egbert Tholl, München

Es ist ja nicht das erste Mal, dass Stefan Kastner mit einer seiner wundersamen Theaterunternehmungen Menschen auf der Bühne zu einem grandiosen Dasein erweckt. Es ist auch nicht das erste Mal, dass zu diesen Menschen Michaela May und Inge Rassaerts gehören. Aber was die beiden in "Die Rückkehr der Delphine" treiben, ist absolut umwerfendes, ganz großes Theater. Und dabei sind sie nicht die einzigen.

Michaela May ist die Bavaria, sie ist ein bisschen kleiner als die Statue an der Theresienwiese, aber nur in der Erscheinung, nicht in der Wirkung. Die Bavaria sorgt sich um die Ruhmeshalle, um diejenigen, die darin aufgenommen werden sollen, sie sendet Delphine aus, um neue Kandidaten zu holen. Sie kocht aber auch Gemüsesuppe mit Resten aus der Biotonne, sie ist praktisch, unerschütterlich, herrlich. Ihr zur Seite steht Josephine, gespielt von Inge Rassaerts. Sie ist 88 Jahre alt und spielt, als wäre sie 18, sie ist grob, unverschämt, rasant, unverfroren, sie hat eine Grandezza, die den Saal, das Theater, die ganze Stadt ausfüllt. Alles andere wäre Untertreibung.

Zum ersten Mal ist eine Kastner-Produktion zu Gast im Deutschen Theater, passt in den Silbersaal dort, als wäre sie immer da gewesen und öffnet damit das städtische Theater der freien Szene. Auf der Bühne Gelsenkirchener Barock, Essecke und Einbauküche, dahinter eine Filmleinwand. Kastner hat fleißig gedreht, Filme, auf die Herbert Achternbusch neidisch wäre, lebenswahre Verstiegenheiten, aus denen die Figuren auf die Bühne kommen und wieder zurück gehen. Ebenso geht es durch die Zeiten. Jogi Löw (Christoph Theussl) will Troubadour werden, Königin Isabeau (Susanne Schroeder) aus dem 15. Jahrhundert in die Ruhmeshalle. Sie, Heinrich Heine (Matthias Ransberger) und Erika Mann (Isabell Kott) kamen mit den Delphinen, ging leicht, denn die Theresienwiese ist nun ein Meer mit direktem Zugang zur Ägäis.

Kastners "Delphine" sind mithin aktuelles Ökodrama ebenso wie ein Pikaroroman mit der hocheleganten Isabell Kott, der würdevollen Frau Schroeder, einer Brauereichefin und Andreas Baader, der zurück zur Theater-AG am Max-Gymnasium will, wo er ein Jahr war (stimmt). Ihnen gegenüber steht die gebirgsmassive Philosophie des Hausmeisters Voglsamer, gespielt vom gebirgsmassiven Rainer Haustein, den man liebsten auch sofort in die Ruhmeshalle stellen wollte. Nur wer staubt dann dort ab? Entstaubt wie oft bei Kastner geht man jedenfalls hinaus in die Nacht, mit einem seltsamen Glitzern im Kopf, einem breiten Grinsen und dem Glück vieler schöner Flunkereien, deren Klugheit man nie unterschätzen darf.

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