Aktion:Ein positives Zeichen

Aktion: Spontan versammeln sich am Sonntagabend schätzungsweise 200 Menschen am Weßlinger See, um gegen rechts und für den Erhalt der Demokratie zu demonstrieren.

Spontan versammeln sich am Sonntagabend schätzungsweise 200 Menschen am Weßlinger See, um gegen rechts und für den Erhalt der Demokratie zu demonstrieren.

(Foto: Patrizia Steipe)

Etwa 200 Menschen demonstrieren spontan am Sonntagabend auf dem Weßlinger See "gegen rechtes Gedankengut". Viele waren am Nachmittag bereits bei der Demo in München.

Von Patrizia Steipe, Weßling

Eine Demonstration mitten auf dem Eis - das hat es in Weßling noch nie gegeben. Mehr als 200 Menschen haben am Sonntag auf dem zugefrorenen Weßlinger See ein Zeichen "gegen rechtes Gedankengut und für eine demokratische Gesellschaft" gesetzt. Unter diesem Motto hatten Gemeinderat Rasso von Rebay (FW) und Georg Reik ein paar Stunden zuvor zu der Spontanaktion eingeladen. "Nicht jeder konnte auf die Demonstration nach München fahren, deswegen kam uns die Idee, auch etwas bei uns anzubieten", so Rebay.

Angesichts der steigenden Temperaturen, die die Eisdecke bald schmelzen lassen, habe man die Aktion ohne lange Vorbereitungen sofort durchziehen müssen. Schnell verbreitete sich die Nachricht auf den verschiedenen sozialen Medien. Zum Beispiel hatten der Sportverein, private Eishockey- oder Freundesgruppen und der Bürgermeister die Einladung herumgeschickt.

Zu Beginn schien die Beteiligung noch relativ gering zu sein, aber das täuschte. Als um 20.30 Uhr die Kirchenglocken zu läuten begannen, sah man von allen Seiten des Sees leuchtende Punkte sich Richtung Seemitte bewegen. Am Ende waren es mehr als 200 Menschen, die sich nebeneinander aufstellten. Fahles Mondlicht beleuchtete schemenhaft die Demonstranten mit ihren Kerzen, Laternen und Taschenlampen und erhellte den See, sodass man sich im diffusen Licht gut orientieren konnte. Die Flutlichter der Eisstockschützen und der Eishockeyspieler brachten zusätzliches Licht auf den See.

Für viele war es die zweite Demo an diesem Tag. Sonja Kanis hatte ihr Plakat für die Abendstunde mit einer Lichterkette umkränzt, sodass man die Aufschrift "Für Toleranz und Mitmenschlichkeit" gut lesen konnte. "Ich habe extra ein positives Motto gewählt. Es gibt schon viel zu viele Hassparolen", erklärte die Gilchingerin. Sie war immer noch ganz ergriffen von dem Gemeinschaftsgefühl auf der großen Demo in München. Dass in so großer Zahl gegen rechtsextremes Gedankengut protestiert wurde, machte vielen Mut. "Ich bin heute so stolz auf unsere Stadt. Jetzt melden sich auch einmal die anderen zu Wort. Das ist so schön. Endlich ein positives Zeichen. Man hat in der letzten Zeit so viel Negatives gehört", erklärt sie. Andere stimmten zu. "Die am lautesten schreien und die andere einschüchtern wollen, das ist nicht die Mehrheit", freute sich Roland von Rebay und er mahnte "für die Vielfalt einzustehen und ihr ein Gesicht zu geben".

Ab und an krachte das Eis laut

"Solche Aktionen sind so wichtig", erklärte eine Geisenbrunnerin, die ebenfalls in München gewesen war. Dabei gehe es ihr nicht um Politik, sondern um die Bewahrung der Demokratie. Zwei Frauen stellten ihre Kerzen am Ufer ab. So recht trauten sie sich nicht auf das Eis. Ab und an hörte man nämlich das laute Krachen von Spannungsrissen. Doch Rasso von Rebay machte Mut. "Das Eis trägt hundertprozentig", versichert er. Am Schluss reihten sich auch die Ängstlichen in die Kette ein und genossen die Ruhe, das Gemeinschaftsgefühl und die einzigartige Stimmung, mitten in der Nacht auf dem Eis zu stehen. "Licht erhellt die vielfältigsten Gesichter und Farben und Meinungen gleichermaßen, so wie es auch die Demokratie kann", zog Roland von Rebay sein persönliches Fazit.

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