Brand am Ammersee:Feuer zerstört einzigartige Christuskirche in Utting

Lesezeit: 2 min

Utting, Christus Kirche

Evangelische Christuskirche: In der Holzknüppelkirche in Utting am Ammersee hat es gebrannt, die Schäden sind immens.

(Foto: Georgine Treybal)

In der evangelischen Holzkirche ist in der Nacht ein Feuer ausgebrochen, der Dachstuhl ist eingestürzt. Die Kripo fordert Brandspürhunde an.

Von Armin Greune

Die evangelische Christuskirche ist in der Nacht zum Mittwoch völlig ausgebrannt. Der Dachstuhl der in Bayern einzigartigen Holzknüppelkirche ist eingestürzt, das Interieur wurde von den Flammen vernichtet. Auch das Gemeindezentrum ist in Mitleidenschaft gezogen, die dort vor allem vom Rauch verursachten Schäden lassen sich aber voraussichtlich beheben. Am fast 100 Jahre alten Gotteshaus jedoch, das nach der Renovierung 1993 mit dem Bayerischen Holzbaupreis ausgezeichnet wurde, sind die Zerstörungen wohl so gravierend, dass eine Reparatur nicht mehr in Frage kommt. Die Polizei beziffert den Schaden in einer ersten Schätzung auf 500 000 bis 750 000 Euro, Menschen wurden nicht verletzt. Die Ursache des Feuers ist noch nicht geklärt, Experten des Landeskriminalamts wollen Brandmittelspürhunde einsetzen, die gegebenenfalls etwa Benzin- oder Dieselreste wittern könnten.

"Unsere Kirche ist offen. Treten Sie ein!": Das Schild am Eingang der Brandruine wirkt nun wie bittere Ironie. Ein Zeitungsausträger hatte den Brand entdeckt und um 2.52 Uhr gemeldet, die Feuerwehr war wenige Minuten später zur Stelle. "Als wir eintrafen, standen Teile der östlichen Kirchenfassade bereits im Vollbrand", sagt Florian Hoffmann, Erster Kommandant der Uttinger Feuerwehr und seit 2020 Bürgermeister der Gemeinde, kurz nachdem er gegen acht Uhr morgens vom Einsatz zurückkommt. "Wenn der Kirchenvorstand weinend vor der brennenden Kirche steht, geht das einem schon an die Nieren."

Unter seiner Leitung bekämpften mehr als 100 Einsatzkräfte fast drei Stunden lang den Brand; die örtliche Wehr wurde dabei von Helfern aus Schondorf, Dießen, Greifenberg und Finning unterstützt. Da die Kirche nicht direkt mit Löschfahrzeugen angefahren werden konnte, musste man von Handleitern aus löschen. So gelang es, ein Übergreifen der Flammen auf das benachbarte Gemeindezentrum zu verhindern. Vorsichtshalber wurden im direkt an die Kirche angrenzenden Teil des Gebäudetrakts die Dachziegel entfernt und Scheiben eingeschlagen, einige Balken im First des Saals kokelten an.

An der Kirche aber ist "nichts zu retten", sagt Helmut Schiller, Hausmeister und Mitglied des Kirchenvorstands, seit 37 Jahren gehört er außerdem dem Gemeinderat an. Ihm ist die persönliche Betroffenheit anzumerken: Mit der Christuskirche sei ein Teil seines Lebens abgebrannt, dort wurde er 1949 getauft wie später seine Kinder und Enkel, auch die Trauerfeiern für Schillers Eltern fanden dort statt. Das Gotteshaus sei "das Herzstück der evangelischen Gemeinde", der in Utting etwa 1200 Menschen angehören.

Die Christuskirche wurde 1927 im Stil skandinavischer Stabholzkirchen als "Evangelischer Betsaal" errichtet, 1931 erhielt sie einen Glockenturm. Teile davon könnten eventuell in einem Neubau integriert werden, hofft Schiller. Die Schallluken hinter der Kupferverkleidung hätten beim Brand eine Sogwirkung wie ein Kamin entfacht. Bedeutende Kunstschätze seien in der Kirche nicht vernichtet worden, das Interieur war 1988 unter der Regie des Uttinger Architekten Wolf-Eckart Lüps neu gestaltet worden. Ein großer Verlust sei freilich die 1990 gefertigte Orgel.

Schiller hatte selbst noch kurz nach Mitternacht einen Kontrollgang am und im Gotteshaus unternommen; weder hätten Kerzen gebrannt, noch sei an der Elektrik ein Defekt zu bemerken gewesen, Personen hätten sich nicht im Gelände aufgehalten. Die Polizei hat am abgeriegelten Brandort Materialien gesichert, ein Gutachter wird am Freitag erwartet.

Im 1983 eingeweihten, ebenfalls vom Architekturbüro Lüps geplanten Gemeindezentrum war ein Corona-Testzentrum untergebracht, das am Sonntag noch 60 Personen aufgesucht hatten. Es ist in die Uttinger Ammersee-Apotheke verlegt worden. Die katholische Pfarrei bietet den evangelischen Mitchristen an, für deren Andachten die Sankt-Leonhard-Kirche zu benutzen, über weitere Unterstützung will ihr Gemeinderat beraten. Alexandra und Jochen Eberhardt, das Pfarrerspaar der 4000 Gläubige umfassenden evangelischen Gemeinde Ammersee-West, haben am Mittwoch ihren Urlaub abgebrochen und sind nach Utting zurückgekehrt.

Zur SZ-Startseite

Badeunfall
:63-jähriger Münchner ertrinkt im Ammersee

Der Mann ging mit seiner Ehefrau morgens regelmäßig vor Buch baden. Am Dienstag kehrt er nicht zurück.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB