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Ammersee:Rattenplage an der Dießener Uferpromenade

Ratte

Possierlich oder eklig - die Meinungen über Ratten sind geteilt. Doch als Krankheitsüberträger und Vorratsschädlinge werden die Tiere seit jeher gefürchtet.

(Foto: Arno Burgi/dpa)
  • In den Dießener Boxler-Anlagen sind am helllichten Tag Ratten beobachtet worden.
  • Nun hat die Gemeinde Boxen mit Giftködern auslegen lassen, um das Ausmaß der Nagerplage zu ermitteln.
  • Die Fallen sind so gebaut, dass sie weder für Kinder noch für Hunde gefährlich sind.

Von Armin Greune, Dießen

Offenbar hat nun auch die Marktgemeinde ein Ratten-Problem: Seit vergangenem Freitag sind in den Dießener Boxler-Anlagen Boxen mit Giftködern ausgelegt, um das Ausmaß der Nagerplage zu ermitteln. Zwar sind Ratten als Kulturfolger überall und insbesondere in Gewässernähe verbreitet, doch in Dießen wurden die scheuen, nachtaktiven Tiere jetzt häufiger am helllichten Tag beobachtet. Dieses abweichende Verhalten legt nahe, dass "die Population eindeutig zu hoch sein dürfte", meint Karl-Heinz Springer, Geschäftsleiter der Gemeinde.

Zunächst seien die Nagetiere in der Umgebung des "Strandhotels" bemerkt worden. Die Besitzer hätten daraufhin die Firma W&S Insekt-Control aus Markt Rettenbach mit der Schädlingsbekämpfung beauftragt, an die sich nun auch die Gemeinde gewandt hat. Vor etwa zwei Wochen hätten sich dann Bürger im Rathaus gemeldet, die Ratten an der Uferverbauung oder bei Baumwurzeln in den Boxler-Anlagen - dem Teil der Seeanlagen östlich des Mühlbachs - entdeckt hatten, sagt Springer.

Ihm seien dort noch keine Nager begegnet, W&S-Geschäftsführer Wolfgang Weber jedoch hat die Tiere dort laufen sehen: "Ob es sich aber um einen extremen Befall handelt, lässt sich erst in drei bis vier Wochen abschätzen." Seine Firma hat nun 21 "kinder- und hunderesistente" Boxen aufgestellt, die fest im Boden verankert und nur mit Spezialschlüsseln zu öffnen sind.

Die 25 mal 25 Zentimeter großen Fallen weisen zwei im Durchmesser sechs Zentimeter große Öffnungen auf: zu eng für Haustiere, aber weit genug, damit Ratten zum Köder gelangen können. Als Gift werde der Gerinnungshemmer Difenacoum eingesetzt, er verursacht innere Blutungen, an denen die Nager erst drei bis vier Tage nach der Aufnahme sterben - also lange, nachdem sie die Box wieder verlassen haben. Durch diese relativ lange Zeitspanne könnten Haustiere noch mit Gegenmitteln behandelt werden, falls sie trotz aller Sicherheitsmaßnahmen doch einen Köder fressen sollten, sagt Weber.

Allerdings werden Antikoagulantien wie Difenacoum kritisch beurteilt, weil Resistenzen auftreten und sich die Gifte dauerhaft in der Umwelt anreichern könnten. Anhand der mehr oder weniger stark verbissenen Köder ließen sich nach einigen Wochen die Intensität des Befalls abschätzen und dann eventuell weitere Maßnahmen ergreifen, sagt Weber.

Ratten profitieren von der Fütterung der Wasservögel

Springer geht davon aus, dass die Köderboxen zumindest bis Dezember aufgestellt bleiben. Er verweist darauf, dass die als Krankheitsüberträger und Vorratsschädlinge gefürchteten Nagetiere von der übermäßigen Fütterung der Wasservögel in den Seeanlagen profitieren: "So ist das ein Garten Eden für die Viecher."

Erst im August war in Wörthsee ein Kammerjäger beauftragt worden, weil sich Ratten stark am Auinger Bach, an der Auinger und der Kiebitzstraße ausgebreitet hatten. Die 8000 Euro teure Bekämpfungsaktion hatte offenbar Erfolg, sagt Bürgermeisterin Christel Muggenthal: "Ich habe von den Anliegern gehört, dass sie eine deutliche Reduzierung der Population wahrgenommen haben." Die Firma habe bei der Bekämpfung ein Gift in Metallröhren ausgebracht, das die Nager vorzeitig altern lasse.

Auch in Schondorf hat sich ein Bürger an die Gemeinde gewandt, der ein Ratten-Problem auf seinem Grundstück in der Ortsmitte vermutet, sagt Ordnungsamtsleiter Manfred Schreiner. Nun soll ein Kammerjäger prüfen, ob dort ein extremer Befall vorliegt. In Herrsching und Utting sind dagegen heuer noch keine Klagen über eine vermeintliche Nagerplage laut geworden.

© SZ vom 20.09.2017/vewo
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