Starnberger See Sportverbände mahnen Paddler: "Lasst im Winter die Vögel in Ruhe"

Segler und andere Organisationen appellieren an SUPs, Kitesurfer und Bootsfahrer, Vorschriften einzuhalten. Bis Ende März haben diese auf dem Wasser nichts zu suchen.

Von Peter Haacke

Ein begehrtes Revier für Wassersportler aller Art ist das Fünfseenland. Die in Clubs und Vereinen organisierten Segler und Ruderer nutzen Ammersee und Starnberger See seit Jahrzehnten für Training und Wettkampf, allerdings mit zeitlichen Einschränkungen: Vom 1. November bis 31. März gehören Bayerns Seen den Vögeln, Wassersportler haben dort nichts verloren. An dieser Selbstverpflichtung lässt auch der Bayerische Seglerverband (BSV), der sich in diesem Sinn schon seit 25 Jahren dem aktiven Natur- und Umweltschutz verpflichtet hat, keinen Zweifel. Doch immer häufiger unterlaufen vor allem nicht organisierte Hobby- und Freizeitsportler die Vorgaben.

Beim jährlichen Wassersportgespräch des BSV im Rahmen der Münchner Freizeitmesse "Free" kritisierten Vertreter verschiedener Verbände solche Kiter oder Stand-Up-Paddler: Diese überwiegend nicht in Vereinen organisierten Sportler würden alle Regeln und Maßnahmen zum Umwelt- und Naturschutz an den Seen außer Acht lassen und damit verheerende Schäden anrichten.

"Lasst im Winter die Vögel in Ruhe", lautete daher das einhellige Votum beim Wassersportgespräch. Mit dieser Forderung nach einem noch stärkeren Engagement für Umwelt und Natur setzte der Bayerische Seglerverband (BSV) in München neue Akzente. BSV-Vorsitzender Dietmar Reeh forderte zum Thema "Wassersport im Einklang mit Umwelt und öffentlicher Ordnung" alle nicht in Vereinen organisierten Freizeitsportler auf, den freiwilligen Initiativen und Selbstverpflichtungen seines Verbandes zu folgen.

Vor mehr als 25 Jahren war der BSV für alle organisierten Wassersportler in Bayern eine freiwillige Selbstverpflichtung eingegangen, die den Naturschutz und im speziellen den Vogelschutz zum Inhalt hat. Inzwischen sind auch andere Wassersportorganisationen, etwa der Bayerische Kanu-Verband, dieser Selbstverpflichtung gefolgt. Reeh warb bei allen Wassersportlern dafür, dem Beispiel des BSV zu folgen: "Lassen Sie Vögel in ihren Rückzugsgebieten in den Wintermonaten in Ruhe!"

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Auf die in Bayern stark gefährdeten Vogelarten, die des Schutzes bedürfen, wies auch Andrea Gehrold vom Landesbund für Vogelschutz hin. Jährlich überwintern am Starnberger See mehr als 20 000 Vögel, die dringend geschützt werden müssten. Bei Minusgraden könne eine panische Flucht dramatische Folgen für die Vögel bis hin zum Tod haben. Gehrold appellierte ebenfalls an Wassersportler, die Selbstverpflichtung einzuhalten. Doch insbesondere Stand-Up-Paddler, Kiter, Kanu- oder Kajakfahrer ignorierten alle Regeln und Maßnahmen zum Umwelt- und Naturschutz. Reeh animierte alle Segler, auf diese Sportler zuzugehen und sie auf die freiwilligen Regeln, die in Bayern gelten, aufmerksam zu machen. Zum Umweltschutz gehört aber auch die Vermeidung von Abfall und Plastikmüll, ergänzte Steffen Häbich, Leiter der ADAC-Sportschifffahrt.

Am Starnberger Landratsamt ist die Problematik durch Freizeitsportler, die sich an keine Vorgaben halten und Vorschriften ignorieren, bestens bekannt. "Das Unrechtsbewusstsein ist bei vielen gar nicht vorhanden", weiß Barbara Beck, Pressesprecherin am Landratsamt. Während Vereine oder Fischer penibel auf Schutzzonen und -zeiten achteten, sei das den meisten Freizeitaktivisten völlig egal.

Sie haben zudem kaum Konsequenzen zu befürchten, denn aufblasbare Bretter und Boote haben keine Kennzeichen. Informationen für Wassersportler würden kaum gelesen. Eine weiträumige Hinweisbeschilderung an Ufern von Seen und Flüssen ist bislang nicht angedacht. Am wirksamsten, meint Beck, könnte zum Schutz der Vögel eine direkte Ansprache sein von Menschen, die es besser wissen als die Freizeitaktivisten.

Der Landesbund für Vogelschutz informiert hier sehr detailliert über die Schutzzonen am Starnberger See.

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