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Starnberger See:Neue Pläne für altes Strandbad

Feldafing Strandbad

Massive Umbauten stehen an: Der hintere Teil des Gebäudes aus den 70er-Jahren soll abgerissen werden und neu entstehen.

(Foto: Georgine Treybal)

Für Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim ist die Sanierung das wichtigste Projekt der Gemeinde. Doch nun verzögern sich die Arbeiten, weil der Freistaat zu viel Geld für einen Grundstücksdeal verlangt

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Feldafing

Eigentlich wollte die Gemeinde Feldafing bereits mit der Sanierung ihres Strandbads beginnen - doch nun müssen die Pläne dafür noch einmal überarbeitet werden. Der Grund ist eine sogenannte eine "Abstandsflächenübernahme", die Feldafing für den Umbau der dortigen Gaststätte vom Freistaat erwerben müsste. Die Kosten von mehr 312 000 Euro dafür hält Bürgermeister Bernhard Sontheim jedoch für zu hoch. Der beauftragte Architekt Klaus Pilz stellte dem Gemeinderat am Dienstag eine Variante vor, wonach der rückwärtige Anbau aus den 1970er Jahren durch einen unterkellerten Neubau ersetzt werden soll. Die denkmalgeschützten Bauten sind davon nicht betroffen.

Nach Sontheims Angaben war die Gemeinde zunächst von einem bezahlbaren Grunderwerb im Landschaftsschutzgebiet ausgegangen. Doch es sei der Wert eines Seegrundstücks angesetzt worden. "Die Schlösser- und Seenverwaltung hat sich auf keine Vorschläge eingelassen", bedauerte der Rathauschef. Da die Behörde nicht bereit sei, über einen niedrigeren Preis zu verhandeln, hält er den Grundstücksdeal für gescheitert.

Nun hat das Landesamt für Denkmalschutz laut Architekt Klaus Pilz einen Neubau vorgeschlagen, der den Kiosk mit den Flügelanbauten aus dem Jahr 1924 aber nicht in den Schatten stellen dürfe. Nach den Vorstellungen der Denkmalschutz-Behörde soll der Neubau eigenständig und "nicht historisierend" sein. Wegen der fehlenden Abstandsflächen muss das Gebäude jedoch kleiner werden. Die Nutz- und Lagerräume sowie die Toiletten- und Sanitärräume könnten nicht mehr wie geplant im Erdgeschoss untergebracht, sondern müssten im Keller gebaut werden. "Wenn wir keinen Platz haben, gehen wir in die Tiefe", erklärte Andreas Keller, der Geschäftsführer des mit der Sanierung beauftragt gemeindeeigenen Kommunalunternehmens PEWU.

Ein unterkellerter Neubau würde die mit etwa 1,7 Millionen Euro veranschlagte Sanierung nach den ersten Schätzungen des Architekten um etwa 80 000 Euro verteuern. Zudem hatte Pilz nur eine erste grobe Planungsidee präsentiert. Genaue Angaben könne er ohne die Berechnungen von Fachingenieuren nicht machen, erklärte er. Fachplaner, wie etwa Statiker oder Heizungstechniker sind jedoch erst in der nächsthöheren Leistungsstufe vorgesehen. Solange es aber keine konkrete Planung gibt, will sich die Gemeinde nicht auf höhere Kosten einlassen. Und eine Entscheidung ohne entsprechende "fachgerechte Angaben" ist nach Meinung von Stephan Zeckser (Grüne) schwierig. Anderen Gemeinderäten fehlten gestalterische Ideen, wie das denkmalgeschützte "Kleinod" mit einem modernen Neubau verbunden werden könnte. Der Rathauschef nahm jedoch den Planer in Schutz. "Wir sind in der Zielfindungsphase", sagte er. Man müsse dem Architekten Zeit geben, um eine Lösung für das wichtigste Projekt der Gemeinde zu finden. Die Kostenangaben seien lediglich Richtwerte.

Der Vorschlag von Arno Klug (Grüne) wurde aufgegriffen, wonach auch der Kioskvorplatz unterkellert werden könnte, um mehr Platz zu haben. Und Sontheim könnte sich durchaus vorstellen, dass die geplante Dienstwohnung für den Koch im ersten Stock gestrichen wird. Sie könnte auch anderswo zur Verfügung gestellt werden. Seine Fraktionskollegin Maximiliane Gerber (BGF) indes befürchtete, dass der Vandalismus überhand nähme, wenn nachts niemand auf dem Gelände sei. Nun soll das PEWU zusammen mit dem Liegenschaftsreferenten die Vorschläge konkretisieren und sie anschließend dem Gemeinderat vorstellen. Ohne Debatte hatte der Bauausschuss zuvor den Antrag zur Sanierung der denkmalgeschützten Ufermauer befürwortet. Auch das wird teurer, weil nachträglich ein Fundament eingesetzt werden muss. Zusätzlich wird das alte Bauwerk mit einer unsichtbaren Betonmauer dahinter rückverankert.

© SZ vom 18.06.2020

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