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Gastronomie am Starnberger See:Dieser Sommer war "im Grunde eine Katastrophe"

Kiosk - Serie

Kuchen gibt's direkt über den Tresen, und sobald ein warmes Essen fertig ist, ruft GeschäftsführerinTanya Kostadinova es durchs Seitenfenster aus.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der Kiosk "Alpenblick" am Ambacher Erholungsgelände lockt mit einzigartigem Panorama. Wegen der vielen Regentage musste er aber oft geschlossen bleiben.

An den letzten Sommertagen haben es die Badegäste im Ambacher Erholungsgelände gut: Es ist warm, aber nicht zu heiß, das Wasser des Starnberger Sees ist erfrischend, aber nicht kalt. Auf der Liegewiese haben alle genug Platz, sich mit Sonnenschirmen, Liegestühlen, Bademuscheln und Schwimmtieren auszubreiten, und wenn sie Hunger oder Durst haben, müssen sie nur ein paar Meter nach oben laufen - zum Kiosk "Alpenblick".

Dort bekommen sie dann je nach Gusto Eis, Bier, Cola, Pommes mit und ohne Currywurst, Schnitzel oder Pizza. Und dazu ein Lächeln der Geschäftsführerin Tanya Kostadinova, die ihnen die Getränke über den Tresen reicht und die warmen Speisen, sobald sie fertig sind, über ihr Seitenfenster ausruft.

Die 46-Jährige hat am Ende des Sommers eher mäßig viel zu tun, gerade hat sie einem älteren Ehepaar, das an einem der Biertische Platz genommen hat, Weißbier eingeschenkt und Leberkäse mit Kartoffelsalat serviert. Hinterm Tresen frittiert eine Mitarbeiterin noch zwei Portionen Pommes: ihre Schwester, erklärt Kostadinova. Auch ihre Mutter helfe regelmäßig im Kiosk mit. Die zweite Kasse sei aber nur am Wochenende in Betrieb. "Dann stehen wir hier immer zu dritt." Allerdings nur, wenn das Wetter passt. Und das war in diesem Sommer oft genug nicht der Fall. An die Belastungsgrenze sei sie mit ihrem Team selten gekommen. "Eigentlich", sagt Tanya Kostadinova, "gab es bisher nur zwei wirklich stressige Tage."

Der Sommer sei in diesem Jahr insgesamt "im Grunde eine Katastrophe" gewesen, resümiert ihr Chef. "Im Mai hatten wir fast komplett zu, der Juni war dann eigentlich sehr, sehr gut, der Juli war dann aber wieder schlecht, wir hatten 17 Tage geschlossen", sagt Kiosk-Betreiber Florian Schwartzer. Und auch im August habe man an zahlreichen verregneten Tagen gar nicht erst aufgemacht. "Aber meine Geschäftsführerin macht das sehr, sehr gut", sagt der 60-Jährige. Kostadinova habe das schlechte Wetter durch ihre gute Arbeit "fast wieder abgefangen". Ob sie aufmacht, entscheidet die 46-Jährige selbst, unter der Woche öffnet sie den Kiosk um zehn, bei schlechterem Wetter um elf Uhr, am Wochenende schon um neun. Ab und zu hilft auch ihr Chef hinterm Tresen in Ambach.

Das wetterabhängige Geschäft ist Schwartzer gewohnt. Mit seiner Familie betreibt er fünf Kioske auf Badegeländen. Seit zehn Jahren führt der Münchner, der zuvor 20 Jahre lang in der Getränkebranche gearbeitet hatte, den Kiosk im Mammendorfer Freibad im Landkreis Fürstenfeldbruck. Sein Sohn betreibt die Gastronomie im Münchner Ungererbad, seine Tochter mit Schwiegersohn den Kiosk am Echinger See. Schwartzer ist seit vier Jahren auch Betreiber des kleinen Kiosks neben dem Ambacher Campingplatz auf dem Erholungsgelände. Den "Alpenblick" hat er im vergangenen Jahr von der Spaten-Brauerei gepachtet, nachdem Karl Spielmann, der auch den Buchscharner Seewirt betreibt, den Kiosk aufgegeben hatte. Ein "glücklicher Umstand", wie Schwartzer sagt. Schließlich habe er selbst schon als junger Mann vor 40 Jahren in dem Kiosk am See gearbeitet und das Objekt schon lange im Auge gehabt.

Lufbild

Der Kiosk am Ambacher Erholungsgelände lockt die Gäste mit einem einzigartigen Panorama.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Doch nicht nur deshalb sei der "Alpenblick" etwas Besonderes, sagt Schwartzer. "Es ist auch die Lage, die Atmosphäre. Wenn man runter zum See geht, kann man die Berge sehen, und abends färbt sich das Wasser rot." Außerdem gebe es in Ambach ein "sehr gutes Publikum", sagt Schwartzer. "Hier sind 99 Prozent nette, freundliche Leute." Im Vergleich zu manchen Münchner Freibädern sei das "ein Unterschied wie Tag und Nacht".

Für die Kunden hat Schwartz einiges geändert, zum Beispiel in eine neue Kaffeemaschine investiert, die "erstklassigen Cappuccino" macht, wie er sagt. Anders als bei seinem Vorgänger, der den für einen Kiosk sehr geräumigen Holzbau auch an schönen Hochsommertagen immer um 18 Uhr dicht gemacht habe, bleibe der "Alpenblick" nun an lauen Sommernächten auch mal bis 20.30 oder 21 Uhr geöffnet, sagt Schwartzer. Ein Angebot, das "gerne angenommen wird", wie Geschäftsführerin Kostadinova bestätigt. Den Sonnenuntergang über dem See können die Gäste dann mit einem Glas auf den Liegestühlen genießen, die in einer Reihe vor dem Kiosk aufgebaut sind.

Wie viele Gelegenheiten es dazu noch gibt, hängt allerdings vom Wetter ab. Tanya Kostadinova, die den Wetterbericht genau verfolgt, wird auf jeden Fall auch im September an schönen Tagen hinterm Tresen stehen. "Ich arbeite sehr gerne hier", sagt die gebürtige Bulgarin, die zuvor in München als Kellnerin gearbeitet hat. Sie genießt die Lage mit Blick über den See auf das Westufer - auch wenn sie weniger davon hat als die Badegäste im Erholungsgelände. Im Wasser, erzählt Kostadinova, war sie bislang erst zweimal.

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