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Starnberg:Warum das schrille Kunstwerk für Besucher vorerst gesperrt bleibt

Andreas Sarow hat die "Wiege von Starnberg" beim Lochmann-Haus hinter dem Heimatmuseum fertiggestellt, nur eine Nutzungsgenehmigung fehlt noch.

(Foto: Sophie Linckersdorff)

Die Installation "Wiege von Starnberg" soll diesen Freitag eröffnet werden - doch nun fordert das Landratsamt eine Baugenehmigung.

Von Peter Haacke

"Hier entsteht etwas Großes", ist am Bauzaun zu lesen, und tatsächlich: 43 Meter lang, elf Meter breit, zehn Meter hoch und in leuchtendem Magenta entstand in den vergangenen Wochen an der Bahnhofstraße ein schrilles Kunstwerk, das diesen Freitag eröffnet und Starnberg voraussichtlich eineinhalb Jahre erhalten bleibt. "Die Wiege von Starnberg", jüngstes Aufsehen erregendes Projekt des Pforzheimer Künstlers Andreas Sarow, hat allerdings laut Landratsamt einen amtlichen Schönheitsfehler: Es fehlen entscheidende Unterlagen, darunter TÜV-Gutachten, Standsicherheitsnachweis und Baugenehmigung. Das Kreisbauamt untersagte dem Künstler daher am Mittwoch vorerst die öffentliche Nutzung.

Die einschlägigen Bauvorschriften seien eindeutig: Kunstwerke mit einer Höhe von mehr als vier Metern seien genehmigungspflichtig, und weil die "Wiege" begehbar ist, müsse die Verkehrs- und Absturzsicherheit gewährleistet sein, so das Landratsamt. Zwar macht das aus Holz gezimmerte pinkfarbene Kunstwerk mit Sitzbänken und Absturzsicherungen einen überaus soliden Eindruck, bis zu 700 Menschen passen theoretisch darauf. Doch die entscheidenden Nachweise fehlen bislang. Die Starnberger werden sich daher also gedulden müssen, bis sie das Werk betreten können. Sarow, der schon 2019 mit dem "Kanonenhaus" an der Hauptstraße der Kreisstadt ein außergewöhnliches temporäres Bauprojekt um ein abbruchreifes Haus herum realisiert hatte, nimmt es gelassen. "Es ist nur ein zeitlicher Aspekt", sagt er. Wochenlang hatte der 46-Jährige mit einem sechsköpfigen Team an dem Kunstwerk gewerkelt, das äußerlich an eine Skisprungschanze erinnert und im Innern ein Haus birgt. Als Sarow sein Vorhaben Monate zuvor im Starnberger Rathaus präsentierte, gab es keine Einwände. Das Kreisbauamt aber sah das anders: Bis 7. Mai muss Sarow bei der Stadt einen Bauantrag stellen.

Auch Bauträger Ehret und Klein, der die "Wiege" für einen "mittleren fünfstelligen Betrag" - so eine Sprecherin der Firma - in Auftrag gab, rechnet mit nachträglicher Genehmigung. An gleicher Stelle soll ab 2022 ein imposanter Neubau - Projektname AHA - entstehen. Bereits am Donnerstag gab ein TÜV-Ingenieur der Kunst seinen Segen, ein Abstandsflächenübernahmeplan ist seitens der Stadt unterschrieben, Statiknachweis sowie Betriebsbeschreibung dürften kein Problem sein. "Die Sicherheitsvorgaben wurden sogar übererfüllt", sagt Sarow und verweist auf Absturz- und Kindersicherungen. Der Eröffnung des Holzplateaus mit 50 Stufen, die den erhabenen Blick auf See und Alpenkette ermöglichen, findet wie geplant am Freitagnachmittag statt. Sobald die Genehmigung vorliegt, können corona-bedingt bis zu 125 Bürger gleichzeitig die "Wiege" nutzen.

© SZ vom 30.04.2021
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