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Artenvielfalt:Die Frau mit dem grünen Daumen

Mehr als 45 Nutzpflanzenarten zählt Jana Schmaderer auf ihren 350 Quadratmetern in Erling. Auch viele Insekten und Vögel finden dort einen Rückzugsort. Darum zeichnet der Gartenbauverband das kleine Naturspektakel als ökologisch vorbildlich aus.

Von Anna Maria Fink

Verschiedene Obst- und Gemüsesorten, Staudenbeete mit Kräutern und Zierpflanzen, Hochbeete und Insektenhotels, eine Blühwiese, Nist-, Tränk- und Badeangebote für Vögel: Der Naturgarten von Jana Schmaderer in Erling hat mit seinen vielfältigen Lebensräumen einen hohen ökologischen Wert. Das kleine Naturspektakel auf nur 350 Quadratmeter Fläche hat der Kreisverband für Gartenbau und Landespflege am Montag im Rahmen des neuen, landesweiten Projekts "Naturgarten - Bayern blüht" ausgezeichnet: Erstmals konnten so 16 private Gartenbesitzer im Landkreis als vorbildlich zertifiziert werden, weitere sollen bald folgen und Urkunden und Plaketten erhalten.

Im Februar diesen Jahres wurde die Initiative des Landesverbands für Gartenbau und Landespflege und der Bayerischen Gartenakademie in Andechs vorgestellt. Coronabedingt hatte das neunköpfige Zertifizierungsteam erst Mitte Mai damit beginnen können, die 37 für die Zertifizierung vorgeschlagenen Gärten zu besichtigen. Sinn der Aktion sei, auf die Schönheit von Naturgärten aufmerksam zu machen und auch im Kleinen ein Zeichen zu setzen, wie privates Grün als Rückzugsgebiet von Mensch und Tier dienen kann, sagt Ursula Lechner vom Arbeitskreis Naturgarten im Kreisverband. Entscheidende Kriterien für eine Auszeichnung seien Verzicht auf chemische Dünger, Pflanzenschutzmittel und torfhaltige Erde. Zudem wird eine hohe ökologische Vielfalt durch das Zulassen von Wildkräutern und Zufluchtsorte für Tiere erwartet. Nach eingehender Prüfung konnten die Zertifizierer für 27 der eingereichten Gärten Urkunden und Plaketten beim Landesverband beantragen, neun sind noch nicht eingetroffen.

In Jana Schmaderers Reich in Erling tut sich die gelernte Gartenbäuerin und Gartenerlebnis-Gästeführerin schwer, alle vorhandenen Kräuter, Obst- oder Gemüsesorten auf Anhieb zu benennen: "Der Garten ist ständig im Wandel." Nach längerem Überlegen kommt sie auf etwa 45 verschiedene Nutzpflanzenarten. Alles in ihrem Naturgarten folge natürlichen Kreisläufen, sagt Schmaderer stolz: "Es ist schön, wenn ich dort grabe und sehe, was alles in der Erde lebt." Zum Gießen benutzt sie nur Regenwasser, der Kompost wird die Erde des nächsten Jahres, ihren Dünger stellt sie aus Rhabarber- und Brennnesseljauchen selbst her.

Für das Säen, Jäten, Rupfen, Gießen, Ernten und Verarbeiten im Garten verwendet Schmaderer etwa vier Stunden Zeit pro Woche. Diese Tätigkeit stelle für sie aber keine Arbeit dar, sondern ein Hobby, bei der sie Zeit für sich findet. Die Lebensqualität steige, man könne viel Kraft aus der Natur ziehen: "Statt in Urlaub zu fahren, gehe ich auf Entdeckungsreise im eigenen Garten." Ursula Lechner bestätigt diese Beobachtung: "Man nimmt seinen Naturgarten an als Oase, als Rückzugsort für die innere Balance und Seelenfrieden." Das Idyll vor der eigenen Haustür fördere die Zufriedenheit der Menschen.

Auf die Frage nach ihrer Lieblingspflanze will sich Schmaderer nicht auf eine einzige Art festlegen: "Eine Blühwiese, die Schutzort für viele Tiere und so schön lebendig ist, beim Zuschauen sieht man ständig irgendetwas Neues", antwortet sie spontan. Aber einen Geheimtipp für naturbewusste Hobbygärtner hat sie doch parat: Die Aroniabeere könne man nicht nur getrocknet oder roh essen, daraus ließen sich Marmelade und Essig machen. Die köstliche Frucht enthalte viel Vitamin C - und der Strauch blühe das ganze Jahr in den verschiedensten Farben.

© SZ vom 14.07.2020

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