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Starnberger Bürgerversammlung:Applaus für die Skatepark-Jungs

Drei 14-Jährige fordern eine moderne Anlage mit Rampen. Die mehr als 400 Besucher unterstützen sie. Insgesamt dauert die Bürgerversammlung gut viereinhalb Stunden.

Die Bürgerversammlung beginnt um 19 Uhr, doch es dauert bis 21.05 Uhr, bis die große Stunde von Tilman Scheidig, Yuri Kremer und Julius Steiner schlägt. Die 14-jährigen Buben schreiben am nächsten Tag einen Test in der Schule, darum dürfen sie ihr Anliegen als erste nach dem Rechenschaftsbericht der Bürgermeisterin und einer Pause vortragen - und mit was für einem Erfolg!

Starnberg brauche unbedingt einen modernen Skatepark, fordern sie. So richtig mit unterschiedlichen Rampen und Sprüngen. Schließlich stiegen die Kinder heute schon mit sechs oder sieben Jahren aufs Brett oder den Scooter. Skateparks seien Treffpunkte für Jugendliche und junge Leute bis 20 Jahre, außerdem mittlerweile Attraktionen, für die Skater auch von weit her kämen und diese im Internet bewerteten. Die bestehende Anlage beim Seebad sei klein und marode.

Bürgermeisterin Eva John (BMS) lobte den Vorschlag, schließlich werde auf dem Areal des Skateparks am Seebad ohnehin ein Parkdeck gebaut. Die mit mehr als 400 Besuchern bis zum letzten Platz gefüllte Schlossberghalle verschaffte den Jugendlichen eine sagenhafte einstimmige Unterstützung und tosenden Applaus.

Eigentlich hätte die Bürgerversammlung zügiger vonstatten gehen sollen, vor allem sollten die Bürger früher das Wort bekommen. Der Stadtrat hatte eine Satzung beschlossen, nach der sich die Bürgermeisterin auf eine halbe Stunde Bericht beschränken sollte plus eine Viertelstunde Begrüßung und Erklärung von Anträgen und Anfragen. Am Ende waren es sogar wohl einige Minuten mehr als die 80 Minuten vom Vorjahr. Es sei unmöglich, alle wichtigen Themen der Kreisstadt in einer halben Stunde abzuhandeln, erklärte John. Die Bürgerversammlung dauerte bis etwa 23.30 Uhr. Ein Teilnehmer forderte, den Beginn auf 18 Uhr vorzuziehen.

Starnberg in Zahlen

Die Einwohnerzahl ist im vergangenen Jahr einmal mehr gewachsen - die Stadt verzeichnete zum jüngsten Stichtag Ende Juni 24 410 Einwohner. Der Anteil der Frauen überwiegt mit 52 Prozent den der Männer. Menschen aus 126 Nationen leben in Starnberg, 188 sind Flüchtlinge. In den Jahren zwischen 2007 und 2017 lag die Wachstumsrate bei 1,1 Prozent und damit unter dem Schnitt des Landkreises. An der Spitze standen Andechs, Inning und Gilching mit jeweils mehr als zehn Prozent Zuzüglern. Die Zahl der Geburten im Kreisklinikum steigt seit Jahren beständig: 2018 gab es einen neuen Rekord mit 3226, heuer gab es bereits mehr als 2800 Geburten. Die älteste Starnbergerin ist 101 Jahre alt. Das Standesamt hat in diesem Jahr 132 Ehen beurkundet.

Die Kreisstadt verzeichnet absolut mit mehr als 10 000 die meisten Arbeitsplätze in den Kommunen des Landkreises. Gemessen an der Einwohnerzahl rangiert Starnberg an dritter Stelle hinter Weßling mit dem Flughafen Oberpfaffenhofen und Seefeld.

Das Rathaus beschäftigt 304 Angestellte - etwa je die Hälfte in Voll- und in Teilzeit - sowie 14 Beamte. Dazu kommen zwölf Azubis und zwei Praktikanten. Der Haushalt der Stadt soll heuer bei 94,3 Millionen Euro liegen. Die Schulden sollen mit 10,5 Millionen auf den geringsten Stand seit 1992 sinken. Allerdings schmelzen laut Bürgermeisterin Eva John gleichzeitig auch die Rücklagen auf das gesetzliche Mindestmaß von 800 000 Euro. Nun stelle sich die Frage: Kredite aufnehmen oder sparen? dac

Diesmal ließ die Bürgermeisterin auch kaum wichtige Themen aus - Tunnel, Bürgerbegehren und das Debakel bei der Seeanbindung und dem Umbau der Gleisanlage kamen vor, die Prozesse der Stadt sowie ihre eigene Verurteilung wegen Dienstvergehen nicht. Beim Gewerbegebiet Schorn seien weit über 100 Einwendungen eingegangen, über die der Stadtrat Anfang Dezember berate. Fürs kommende Jahr habe die Telekom den Zuschlag für den Internet-Ausbau mit Glasfasern auf 25 Kilometern Länge bekommen. Das neue Seebad habe bis zum Mai 140 000 Besucher verzeichnet, die Sauna 48 000 Besucher. Das Kinderhaus in Perchting soll spätestens im Mai fertiggestellt sein.

Bei den Anträgen gab es große Anliegen wie die Widmung wenigstens einer Schule mit dem Profil Inklusion oder die Einführung einer Zweckentfremdungssatzung, damit Wohnungen nicht monatelang leer stehen. Mehrere Besucher äußerten große Sorgen wegen des Ausbaus des Mobilfunknetzes im neuen Standard 5G. Unmittelbar aufeinanderfolgend gab es aber auch gegenläufige Beschlüsse - etwa riesige Mehrheiten für den Antrag eines Starnbergers, der zum Mikrofon hopste und forderte, die ersten Minuten an den Parkscheinautomaten kostenfrei zu stellen. Und kurz darauf für die Forderung, künftig Autos im Zentrum zugunsten von Fußgängern und Radfahrern zu verdrängen.

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