Starnberger Polizist Noch mehr Jugendliche missbraucht?

Verdacht gegen den Tutzinger Familienvater erhärtet sich.

Von Christian Deussing

Der Polizist, der wegen Verdachts sexuellen Missbrauchs vor Kurzem verhaftet worden war, könnte noch mehr derartiger Taten begangen haben. Denn inzwischen seien weitere mutmaßliche Opfer identifiziert worden, sagte am Dienstag ein Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA), das in dem Fall gegen den Beamten ermittelt, der in Starnberg seit fast zwei Jahrzehnten seine Dienststelle hatte. Es handele sich bei den Vorwürfen nur um männliche Jugendliche, an denen sexuelle Handlungen vorgenommen worden sein sollen, so der LKA-Sprecher.

Es würden noch mehr Fälle überprüft, deren Anzahl und genauen Tathandlungen könnten jedoch aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht genannt werden. "Es sieht derzeit aber nach der Spitze eines Eisbergs aus, wir wissen allerdings noch nicht, wie groß der tatsächlich ist", meinte der Sprecher der Ermittlungsbehörde. Zudem müssten noch einige mögliche Opfer vernommen werden. Es sei außerdem nicht absehbar, wie viele Personen sich noch bei der Polizei meldeten, um von ihren Fällen zu berichten.

Als nach einer Strafanzeige einer Rechtsanwältin Ende Februar die Ermittlungen gegen den Familienvater begannen, wurden auch die Tutzinger Wohnung und der Arbeitsplatz des Polizisten in der Starnberger Wache durchsucht. Die Auswertungen - zum Beispiel der Computerdaten - dauerten laut LKA noch an. Der Beamte soll zudem einem 15-Jährigen nach einem Schülerpraktikum bei der Polizei Pornofotos und -filme aufs Handy geschickt haben. Der Tatverdächtige war seit langer Zeit in der Tutzinger Jugendfeuerwehr engagiert und unternahm mit ihr als Betreuer regelmäßig Reisen und Ausflüge.