Schule Herrschinger sollen über das Gymnasium abstimmen - Landrat stocksauer

Zwei CSU-Lokalpolitiker planen ein Bürgerbegehren zum Standort. Im Gemeinderat herrscht Entsetzen - und CSU-Landrat Karl Roth schäumt vor Wut.

Von Marcella Rau und Sabine Bader

Herrsching könne sich nun neu entscheiden. So steht es in einer Wurfsendung, die allen Haushalten des Ortes zugestellt wurde. Unterzeichnet wurde der "Bürgerbrief" von CSU-Gemeinderat Willi Welte und Gerhard Knülle, ehemals Vorsitzender des CSU-Ortsverbands. Damit ist klar, dass das Bürgerbegehren zum Standort für das Gymnasium, das seit einigen Wochen im Raum steht, nun tatsächlich auf den Weg gebracht wird.

Vor einigen Wochen bereits hatte das Bekanntwerden der Grundstücksverhandlungen, die die Beiden über Monate hinweg mit den Eigentümern des Geländes am Herrschinger Moos geführt hatten, Aufsehen erregt. "Was Bürgermeister und Landrat nicht gelungen ist, haben wir nach langen Gesprächen erreicht", heißt es nun in dem Flyer. "Die Grundeigentümer sind bereit, ihre Grundstücke an der Seefelder Straße für den Bau des Gymnasiums an die Gemeinde zu verkaufen." Ziel des Bürgerbegehrens ist es, die Schule doch noch an eben jenem Standort zu errichten. Dieser war ursprünglich für den Bau des Gymnasium vorgesehen, was jedoch an den Grundstückseigentümern scheiterte. Was sich an der Sachlage seither geändert habe, wollen Welte und Knülle der Öffentlichkeit bei einer Infoveranstaltung am kommenden Montag erklären.

Bereits im Jahr 2012 haben die Bürger vor dem Herrschinger Rathaus für den Bau eines zweiten Gymnasiums im Westen demonstriert.

(Foto: Georgine Treybal)

Auf Nachfrage des sichtlich aufgebrachten Bürgermeisters, welchen Konditionen die Grundstückseigentümer genau zugestimmt hätten, will Welte in der Gemeinderatssitzung am Montag mit Verweis auf eben jene Veranstaltung nicht näher eingehen. In einem Schreiben, das den Eigentümern zugegangen war, war jedoch die Rede von 70 Euro pro Quadratmeter und dem Zugeständnis, 30 Prozent der Fläche zur freien Verwendung zurückerwerben zu können. Auch wie die genaue Fragestellung für das Bürgerbegehren lauten könnte, mochte Welte in der Sitzung nicht preisgeben.

Auf diesem Grundstück am Mühlfeld will der Landkreis das neue Gymnasium errichten.

(Foto: Georgine Treybal)

Im Gemeinderat wurde am Montag hitzig diskutiert. Als stellvertretender CSU-Fraktionssprecher distanzierte sich Christian Becker im Namen seiner Parteikollegen klar von Bürgerbegehren und Grundstücksverhandlungen, bei denen es sich um eine reine Privatinitiative handle. Jens Waltermann (FDP), der sich als Vorsitzender des Fördervereins seit vielen Jahren für den Bau des Gymnasiums einsetzt, reagierte entsetzt. Er fürchtet die Spaltung der Gemeinde durch eine aus seiner Sicht völlig unnötige Diskussion. Anke Rasmussen (Grüne) wirft Welte vor, Lügen in die Welt zu setzten. Es sei schlichtweg falsch, dass die Räte nicht ordentlich informiert gewesen wären, wie es in dem Schreiben anklingt. Hannelore Doch (CSU) hingegen fürchtet, durch die erneute Diskussion das gesamte Projekt zu gefährden. Lediglich Klaus Pittrich (CSU) stellte sich hinter Welte. Bei jeder Gelegenheit habe er darauf gedrungen, den Standort am Mühlfeld noch einmal zu überdenken, erklärte er. Umstritten ist dieser bei seinen Gegnern nicht nur durch die ungünstige Lage am Ortsausgang, sondern auch, weil ein Biotop auf dem Gelände den Bau erschweren dürfte. Etwa 700 Unterschriften müssten die Initiatoren des Bürgerbegehrens sammeln, damit es zu einem Bürgerentscheid kommt. Der Gemeinderat müsse nun überlegen, ob er selbst aktiv wird und etwa ein Ratsbegehren auf den Weg bringt, sagte Schiller.

Chronik

27. August 2013: Die Staatsregierung stimmt der Errichtung eines Gymnasiums in Herrsching zu

August 2014: Die Grundstücksverhandlungen für das Areal Seefelder Straße /Goethestraße scheitern

13. Januar 2015: Abschluss des Kaufvertrages für die 42 000 Quadratmeter große Fläche am Mühlfeld

19. Dezember 2016: Der Landkreis will das Gymnasium als Forschungsprojekt mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) ohne herkömmliches Ausschreibungsverfahren realisieren

Januar 2018: Das Innenministerium teilt mit, dass eine Ausschreibung nötig ist

September 2018: Zweite Ausschreibung für den Bau des Kreisverkehrs

April 2019: Geplanter Baubeginn Kreisverkehr

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Landrat Karl Roth schäumt vor Wut: "Ich bin erst einmal richtig sauer und frag' mich: Geht's noch? Der Landkreis hat hier ein Grundstück gekauft, den Rest langfristig in einem Erbpachtvertrag gesichert, eine Baugrunduntersuchung machen lassen, den Auftrag für den Kreisel vergeben, wir wollen im Frühjahr starten und jetzt kommen die um die Ecke." Darum stellt er unmissverständlich klar: "Der Landkreis hat ein wunderschönes Grundstück in Herrsching und wird kein weiteres erwerben!"

Der Infoabend von Welte und Knülle findet am Montag, 10. Dezember, 19 Uhr, im Kultursaal des Andechser Hofs statt.