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Flugzeugbau in Oberpfaffenhofen:Ruag will defizitäre Sparte verkaufen

Nur eine einzige Maschine vom Typ DO 228 hat der Schweizer Rüstungskonzern im vergangenen Jahr ausgeliefert. Etwa 450 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs.

Das kleine Propellerflugzeug Do 228 bereitet dem Schweizer Technologie- und Rüstungskonzern Ruag schon lange große Sorgen. Die Maschine gilt in der Luftfahrtbranche zwar als besonders robust, anspruchslos und vielseitig einsetzbar, die Nachfrage ist aber schwach. Der Geschäftsbereich produziert Defizite. Unternehmenssprecher Clemens Gähwiler in Bern nennt das einen "negativen Geschäftsgang". Die Höhe der Verluste will er aber nicht beziffern. Nun will sich die Ruag von dieser Sparte trennen. Etwa 450 Mitarbeiter in Oberpfaffenhofen blicken einer ungewissen Zukunft entgegen. Seit einigen Wochen haben sie schon einen neuen Chef.

Felix Ammann hat die Geschäftsführung der "Division" übernommen, wie die Schweizer das nennen. Der 57-Jährige ist der Nachfolger von Volker Wallrodt, der das Unternehmen nach sechs Jahren verlassen hat. Zwei Tage in der Woche ist Ammann nun in Oberpfaffenhofen; sonst arbeitet er am Ruag-Stammsitz in Emmen im Kanton Luzern und in Zürich. Er sei in Gesprächen mit mehreren Interessenten für eine Übernahme der Do-Sparte, berichtet er, Namen wollte er aber nicht nennen. Möglichst noch im Lauf dieses Jahres soll der Verkauf über die Bühne gehen. Belegschaft und Betriebsrat würden laufend über die Entwicklungen informiert. Über die Stimmung im Betrieb sagt er vorsichtig: "Ich könnte nicht behaupten, dass es überhaupt keine Unsicherheit gibt."

Geschäftsführer Ammann beteuert aber: "Wir sind der Meinung, dass auch eine gute Lösung möglich ist. Vielleicht sogar eine bessere Lösung als mit der Ruag." Die Arbeitsplätze sollten auf jeden Fall erhalten werden. Zudem sei Oberpfaffenhofen ein "interessanter Standort, der auch noch wächst".

Trotzdem zieht sich die Ruag zumindest teilweise zurück. Es ist einer von zwei Geschäftsbereichen der Schweizer, die auf dem Gelände des Sonderflughafens angesiedelt sind. Die Ruag baut dort in zwei Hallen außerhalb des umzäunten Flughafengeländes auch Rumpfteile für den Airbus A 320. Bei den "Aerostructures" sind etwa 1000 Mitarbeiter beschäftigt. Dieser Unternehmensteil bleibt bestehen.

Für den Unternehmensteil, der mit der Inspektion von Hubschraubern, der Flugzeugwartung und mit dem Bau der 19-sitzigen Do 228 befasst ist, wird jedoch ein Käufer gesucht. Hintergrund ist die vor einem Jahr vom Schweizer Bundesrat beschlossene Entflechtung und Aufspaltung der einst komplett staatlich kontrollierten "Rüstungsunternehmen-Aktiengesellschaft" (Ruag), die zunächst vor allem für die Versorgung der Schweizer Armee zuständig war. Daraus werden nun mehrere Beteiligungsgesellschaften, deren Gründung mit Beginn dieses Jahres vollzogen wurde. Dies wirkt sich nun auch in Oberpfaffenhofen aus.

Felix Ammann

Felix Ammann ist neuer Divisionsleiter der Ruag in Oberpfaffenhofen. Der 57-jährige ist nach eigenen Angaben verantwortliche für einen Geschäftsbereich mit insgesamt 1200 Mitarbeitern.

(Foto: Ruag)

Seit Anfang 2003 ist die Ruag in Oberpfaffenhofen tätig, nachdem Fairchild-Dornier Insolvenz angemeldet hatte. Auch die Produktion der Do 228, die als Passagier- und Frachtflugzeug einsetzbar ist und zum Beispiel als Patrouillenflugzeug für die Küstenwache verwendet wird, wurde wieder aufgenommen. Doch das hat sich wohl nie richtig rentiert. Im vergangenen Jahr sei nur ein einziges Flugzeug nach Japan ausgeliefert worden, berichtet Ruag-Sprecher Gähwiler. Ende 2013 hatte die Ruag einen Großauftrag aus Venezuela über zehn Maschinen erhalten. Sieben Jahre später ist dieser Auftrag aber immer noch nicht erledigt. Lediglich zwei gebrauchte und eine neue Maschine seien ausgeliefert worden. Der Vertrag sei aber weiterhin gültig, betont Gähwiler.

Während die Herstellung defizitär ist, sieht es bei der Wartung von Flugzeugen nach seinen Worten besser aus. Die Division in Oberpfaffenhofen ist unter anderem auch für die Inspektion von Militärhubschraubern wie dem Bell oder des auch von der Bundeswehr genutzten Transporthelikopters NH 90 zuständig, außerdem für die Wartung von Geschäftsreisefliegern.

© SZ vom 20.02.2020
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