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Müll:Weßlinger wehren sich gegen Umladestation

PK zur Müllumladestation in Weßling

Widerstand: (v.li.) Bürgermeister Michael Muther, Stellvertreter Michael Sturm und Hans Striedinger, Anton Quanz und Gerd Pfister aus Hochstadt.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Der Bürgermeister und eine Initiative wollen den geplanten Standort nahe Hochstadt um jeden Preis verhindern. Ein Neubau bei Sankt Gilgen sei unproblematischer.

Wenn es nach den Weßlingern ginge, dann könnte man sich das Geld für ein teures Gutachten sparen. Auch ohne Untersuchung ist ihrer Meinung nach ersichtlich, dass die Vorteile einer Müllumladestation in Weßling nahe Sankt Gilgen im Vergleich zu dem Standort in Oberbrunn nahe Hochstadt überwiegen. Bei einem Pressegespräch informierte Bürgermeister Michael Muther außerdem, dass er die Zusage eines weiteren Grundbesitzers habe, der Flächen an dem Weßlinger Wunschstandort "An den Gruben" zur Verfügung stellen wolle. Damit sind die verfügbaren Größen der beiden Standorte mit vier Hektar nahezu gleich groß.

Muther, sein Stellvertreter Michael Sturm und Vertreter der Bürgerinitiative aus Hochstadt hatten zu dem Pressegespräch geladen, um ihren Standpunkt anhand von Fakten klarzustellen. Da ist zum Einen die Sache mit dem Verkehr. Den Weßlingern war im Vorfeld vorgeworfen worden, nach dem Sankt-Florians-Prinzip zu handeln und die Umladestation statt vor ihrer Haustüre den Gilchingern vor die Nase stellen zu wollen. "Das stimmt so nicht", sagte Sturm. Beim Standort "An den Gruben" wären die nächsten Häuser durchaus auf Weßlinger Flur. 740 Meter ist das DLR bei Weichselbaum entfernt, 840 Mischenried, 1000 Meter der Ort Weßling und mit 1020 Metern am weitesten entfernt ist Sankt Gilgen (Gemeinde Gilching). Der Verkehr könnte über die neue Weßlinger und Gilchinger Umfahrung von den Ortskernen fern gehalten werden, und die Gilchinger wären durch die neue Lärmschutzwand auch vor Lärm durch den Lieferverkehr zur Müllumladestation geschützt. Außerdem könnten Remondis und die Awista-Umladestelle Synergieeffekte nutzen.

Ganz anders sieht es am Standort Oberbrunn aus, der "mitten in die freie Landschaft" gebaut werden solle, so Sturm. Hier wäre Hochstadt nur 600 Meter entfernt, 1090 Meter sind es bis nach Oberbrunn und bis nach Gauting 6,6 Kilometer. Der Großteil der Lastwagen aus dem westlichen Landkreis würde sich durch die Dorfstraße von Hochstadt wälzen. Lediglich der Awista könnte seinen Lkw-Fahrern die längere Route über die Umfahrung vorschreiben, "die anderen werden die kürzeste Strecke nehmen", ist sich Sturm sicher. Dabei sei der Ort jetzt schon mit durchfahrenden Lastwagen mehr als belastet, klagten die Vertreter der Bürgerinitiative. Am gravierendsten ist aber die Tatsache, dass die Umladestation zwar außerhalb der Schutzzone, aber nur 160 Meter vom Trinkwasserbrunnen entfernt ist. Die bebauten Gewerbeflächen könnten später nicht mehr als Wasserschutzgebiet ausgewiesen werden, dabei sei hier ein besonders mächtiger Grundwasserstrom, der angesichts der steigenden Bevölkerungszahl und zu erwartender heißer Sommer einmal gebraucht werden könnte. "Wenn der Brunnen am Standort Unterbrunner Holz wegen der Nähe zum Flughafen einmal ausfallen könnte, haben wir keine Alternative", befürchtete Sturm.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Landesentwicklungsprogramm. Aus diesem zitierte Muther, dass unbebaute Landschaft zu schützen sei, und Gewerbe nahe Autobahnkreuzungen angesiedelt werden solle. "Das gilt auch für den Awista", stellte Muther klar. Nach einem langen Gespräch mit Awista-Vorsitzenden und Landrat Karl Roth haben die Weßlinger neuen Mut geschöpft. "Der Landkreis ist gesprächsbereit", so Sturm. Auch der Gemeinderat steht hinter einer Umladestation in Weßling. Sobald Vorgaben vom Awista eingereicht werden, könnte mit dem Flächennutzungsplan- und Bebauungsplanverfahren angefangen werden. "Wir könnten jetzt schon einen Aufstellungsbeschluss machen so wie in Gauting", sagte Sturm, der ständig in Kontakt mit dem Awista ist, um endlich ein Umdenken zu bewirken. Noch fehlt allerdings eine Antwort. Trotzdem hoffen die Weßlinger eine Lösung zu finden, "die für beide Seiten positiv ist", sagte Gemeinderat Roland von Rebay. Wenn die Belange der Gemeinde auf taube Ohren stoßen, dann würden die Weßlinger "alle möglichen rechtlichen Schritte einleiten", um die Anlage in Hochstadt zu verhindern.