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Kultur in der Corona-Krise:Theater und Kinos fürchten den Neustart

Ab 2. Juli wieder Großes Kino

Das "Breitwand" in Starnberg wird am 2. Juli wieder öffnen - andere Kinos starten schon am Montag.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Bühnen und Lichtspielhäuser dürfen von Montag an unter Auflagen wieder öffnen - viele Betreiber im Landkreis Starnberg zweifeln aber an der Wirtschaftlichkeit.

Vom kommenden Montag an dürfen Theater und Kinos wieder Besucher empfangen - doch um dem Infektionsschutz zu genügen, bestehen erhebliche Einschränkungen. Mit maximal 50 Zuschauern im Saal stellt sich die Frage der Wirtschaftlichkeit, nach drei Monaten Corona-Shutdown mit totalem Einnahmeausfall ist die finanzielle Lage vieler Kulturarbeiter und Veranstalter ohnehin angespannt. Trotz aller Restriktionen werden drei der vier Kinobetreiber des Fünfseenlandes am 15. Juni wieder die Lichtspiele aufnehmen - sie hegen aber nur gedämpfte Erwartungen für die kommenden Monate. Bei den ehrenamtlichen und professionellen Konzertveranstaltern herrscht hingegen eine abwartende Haltung vor.

So ist man im Gautinger Bosco noch unsicher, ob die beiden vor der Sommerpause vorgesehenen Klassikkonzerte am für 6. und 13. Juli stattfinden. "Letztendlich ist noch nichts entschieden", sagt Thomas Hilkert, Vorsitzender des Theaterforums, aber es bestünde eine Tendenz , die Termine zu streichen. "Ich kann mir die Atmosphäre vorstellen, wenn im großen Saal 50 Zuhörer verstreut sind. Das ist für die Künstler nicht befriedigend," sagt Hilkert: "Eigentlich ist unser Ziel, dass wir im September dann richtig loslegen können".

Nach langem Ringen hat auch Florian Prey resigniert, der noch bis vor einer Woche entschlossen war, "nicht klein beizugeben, sondern ein Leuchtturm zu sein, dass noch etwas geht." Am 15. Juni sollte sein ohnehin von 24 auf neun Termine zusammengekürzte "Kleines Sommerfestival" beginnen. Die Vorbereitungen waren weit fortgeschritten, probeweise hatte man schon mal 50 Stühle unter Beachtung der Abstandsregeln aufgestellt. Doch nachdem die konkreten Infektionsschutzmaßnahmen erst diesen Freitag bekannt gegeben werden und das Landratsamt eine Sondergenehmigung vorab verwehrte, sei die Zeit zur Vorbereitung zu knapp geworden, bedauert Prey. Eine Verlegung in den Herbst habe man erwogen, aber doch verworfen: "Da wird es dann in der Remise ungemütlich". In Seefeld hat der Verein Räsonanz den am 3. Juli geplanten Auftritt von Max Uthoff bereits abgesagt. Vom 12. September an aber soll der Pfarrsaal wieder bespielt werden: Der fasse 300 Personen und sei optimal belüftet, sagt der Vorsitzende Josef Hofmann. Doch mit dem Limit von 50 Besuchern werde es "ökonomisch schwierig" - selbst wenn man als Verein eine höhere Schmerzgrenze als kommerzielle Veranstalter ansetze.

Wolfgang Ramadan, Kulturmanager in Icking, der mit seinem "Brotzeit-Spielen" die Starnberger Schlossberghalle und neun weitere Bühnen bedient, hofft nach den Sommerferien alle im Frühjahr ausgefallenen Kabarettvorstellungen nachholen zu können. "Ich gehe allerdings davon aus, dass die Dinge auch im Herbst nicht wie gewohnt laufen." Um vom 11. September an alle bereits im Abo oder Vorverkauf ausgestellten Karten einlösen zu können, müssten eventuell mehrere Auftritte an einem Abend stattfinden. Doch alles hänge vom bis dahin gültigen Auflagenkatalog der Behörden ab. Parallel plant Ramadan für den Sommer "Brotzeit-Spiele to go" unter dem Arbeitstitel "Freigang": Die Gäste sollen "per pedes Kabarettisten im Pop-Up-Theater" aufsuchen. Auch Monika Rother, die das Programm für "Monis Brettl" im Oberen Wirt Gilching zusammenstellt, ist nach der Corona-Pause übergangslos in "die ganz offizielle Kulturpause" eingetreten. Für fast alle im Frühjahr ausgefallenen Veranstaltungen hat sie Ersatztermine gefunden - aber meist auch schon weit mehr als nur 50 Karten verkauft. Rother hofft daher, dass bis zum Neustart am 10. September "die Publikumsbeschränkungen aufgehoben werden können."

Gauting: Remise Florian Prey

Florian Prey muss für sein Kleines Sommerfestival doch noch das Handtuch werfen.

(Foto: Nila Thiel)

Die Betreiber von Arthouse- und Dorfkinos sind gewohnt, mit bis zu 50 Besuchern zu kalkulieren. "Die Kleinen sind jetzt ausnahmsweise besser dran. Für uns ist vieles einfacher als für die Multiplex-Giganten, allein schon von der Überwachung her", sagt Michael Teubig, der von Montag an wieder das Tutzinger Kurtheater öffnet. In Gauting wird Matthias Helwig Filme in vier Sälen zeigen, die Breitwand-Kinos in Starnberg & Seefeld folgen am 2. Juli; auch die Dießener "Kinowelt am Ammersee" hat diesen Termin anvisiert.

"Die schwierige Zeit kommt für uns noch", fürchtet Helwig. Das Hauptproblem seien nicht Abstandsregeln oder das Fehlen neuer Filme - "entscheidender ist die Stimmung der Bevölkerung". Natürlich hofft er, "dass alle wieder den Weg in die Kinos finden", Helwig will aber "vor allem viel Open Air machen". Genehmigungen lägen zwar noch keine vor, aber in Vorgesprächen etwa mit der Stadt Starnberg habe er viel Entgegenkommen erfahren. Was sein im Herbst angesetztes Fünfseen-Filmfestival betrifft, ist Helwig zuversichtlich. Das finde sicher statt, sagt er - notfalls zum Großteil als Open Air und Vorstellungen mit bis zu 50 Besuchern im Saal.

Das bosco wurde frisch gestrichen

Für das frisch gestrichene Gautinger Bosco ist das Ziel, im September "richtig" loslegen zu können. Zwei Klassikkonzerte im Juli stehen noch offen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Helwigs Wunsch an die Politik wäre, den Mindestabstand in Kinos von 1,50 auf einen Meter zu verringern: Weil dann auf Lücke gesetzt werden könne und keine Reihen ganz frei bleiben müssen, ließen sich so doppelt so viele Zuschauer empfangen. Mit der vorerst geltenden Besetzung von einem Drittel der Plätze könne die Filmstation Gilching am Montag starten und über den Sommer kommen, sagt Ulf Maneval, der das Kino 2019 mit Matthias Bojen übernommen hat. "Aber für den Herbst wäre so eine Auslastung eher schlecht, selbst wenn wir Vieles selber machen."

© SZ vom 10.06.2020
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