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Kindertagesstätten:Betreuungsangebote bleiben Mangelware

Kindertagesstätte

Der Bedarf an Betreuungsplätzen steigt weiter an.

(Foto: Andreas Arnold/dpa)

In Gauting fehlen Plätze in Kindergärten, Krippen und Horten, und die Situation wird sich wohl noch verschlechtern. Zudem konkurrieren Träger um Personal.

Die Plätze in Kindergärten, Krippen und Horten in Gauting reichen wieder nicht aus, der Mangel an Betreuungsangeboten ist längst ein Dauerthema in der Gemeinde. Die neuesten Erhebungen machen deutlich, dass die Entwicklung eher noch problematischer wird: "Die Personalsituation ist noch schlechter geworden, die Zahlen sind nicht wirklich rosig", erklärte Alexandra Heckl, die im Rathaus den zuständigen Geschäftsbereich für Soziales leitet. Nach ihren Angaben fehlen derzeit 59 Plätze in Krippen, 65 Plätze in Kindergärten und 31 Hortplätze. Die Gemeinde sucht nach Räumen. Manchmal können Gruppen aber auch nicht angeboten werden, weil Personal fehlt.

Insgesamt gibt es in Gauting jetzt schon mehr als 1100 Betreuungsplätze, und der Bedarf steigt auch in den nächsten Jahren weiter an. Nach den Worten von Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) liegt das auch an der Art des Bevölkerungswandels in Gauting: "Wenn alte Leute sterben, ziehen stattdessen Familien mit Kindern ein. Wenn irgendwo ein altes Haus abgerissen wird, werden zwei oder vier neue Häuser gebaut, wo Familien einziehen." Gerade in Stockdorf sei das zu beobachten.

"Wir sind immer auf der Suche nach Räumlichkeiten", sagte Heckl und wandte sich schon fast hilfesuchend an die Gemeinderäte: "Also, wenn jemand was weiß . . ." Die Rathausverwaltung habe schon versucht, im ehemaligen Bürgerbüro in Stockdorf eine Großtagespflege unterzubringen, doch dafür reichte der Platz nicht aus. Eigentlich geeignete Räume an der Hubert-Deschler-Straße seien nicht zu bekommen gewesen, weil der Vermieter dort keine Kinderbetreuungseinrichtung haben wollte. So geht die Suche weiter.

Währenddessen suchen Kita-Betreiber mit unterschiedlichem Erfolg nach Personal. Gerade große Träger haben dabei offenbar größere Schwierigkeiten, wie aus den Statistiken des Rathauses hervorgeht. Kleinere Träger und Kirchen tun sich demnach leichter. "Es herrscht ein wahrer Konkurrenzkampf zwischen den Trägern", sagte Mifü-Gemeinderätin Stephanie Pahl. Nach ihren Angaben könnten in Gautinger Einrichtungen 73 Betreuungsplätze, die eigentlich vorhanden wären, wegen Personalmangels nicht angeboten werden. Vor allem das Rote Kreuz als Träger sei von diesem Problem betroffen.

Wenn Gruppen wegen Personalmangels geschlossen werden müssen, bedeutet das für Betreiber finanzielle Einbußen. Ein Träger, der im Ausschuss nicht namentlich genannt wurde, hat sich deshalb mit dem Wunsch nach finanzieller Unterstützung bei einem Ausfall von Einnahmen an die Gemeinde gewandt. Der Antrag auf Defizitausgleich wurde aber einstimmig abgelehnt. Es werde sonst nicht der Anreiz geschaffen, Personal zu finden und an sich zu binden, argumentierte unter anderem Mifü-Gemeinderätin Pahl.

Der Betreiber habe sich mit seinem Anliegen schon mehrfach an die Gemeinde gewandt, erklärte Bürgermeisterin Kössinger, darum wollte sie es zur Diskussion stellen. Gleichzeitig gab sie zu verstehen, was sie von der Forderung nach einer finanziellen Unterstützung aus dem Rathaus hält: "Ich habe kein Problem damit, wenn Sie da nicht zustimmen", sagte sie zu den Gemeinderäten und wies auf die Situation der Kommune hin: "Wir haben jetzt schon einen erheblichen Einbruch bei der Gewerbesteuer, und das wird so weitergehen". Immer wieder kämen Mitteilungen vom Finanzamt, "dass jemand auf Null gestellt wurde" - also nichts bezahlt.

© SZ vom 02.06.2020

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