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Kunsthandwerk:Holzfiguren zum Leben erweckt

Restaurator Heinz Heinzmann kauft mehr als 100 Jahre alte, kaputte Spielsachen günstig auf Flohmärkten und richtet sie wieder her. Jahrelang war seine Sammlung in Kisten verpackt. Nun stellt er sie im Weßlinger Pfarrstadel aus.

Von Patrizia Steipe

Alte Burgen stehen neben Puppenküchen, hinter der Vitrine fletscht eine Reihe von Nussknackern die Zähne, Hänsel und Gretel sind auf Würfelpuzzles abgebildet und ganze Menagerien an Holztieren drängen sich auf Regalbrettern. Der Weßlinger Pfarrstadel gleicht einem Spielzeugparadies. Seit mehr als 20 Jahren sammelt Heinz Heinzmann altes Spielzeug, am liebsten aus Holz. Zum ersten Mal stellt er nun seine Schätze aus. "Es war immer schon mein Wunsch, einmal eine Ausstellung zu machen", erklärt der Rentner. Der Großteil seiner Schätze lagert normalerweise zu Hause, sorgfältig in Kisten und Schachteln verpackt. Um alles aufzustellen, dafür fehlt nicht nur der Platz, "die Dinge würden auch verstauben", bedauert Heinzmann - und das Tageslicht würde die Farben schnell verblassen lassen.

Weßling Pfarrstadl Spielzeug Ausstellung

Sechs Tage lang hat Heinz Heinzmann Vitrinen und Tische für seine Ausstellung in den Pfarrstadel in Weßling geschleppt.

(Foto: Georgine Treybal)

Sechs Tage lang hat er Vitrinen und Tische für seine Miniaturwelten in den Pfarrstadel geschleppt. Eine kleine Armee steht im Innenhof einer hölzernen Ritterburg, die Gänseliesel füttert in einem Bauernhof das Federvieh und auf einem Podest hat ein Zirkus sein Zelt aufgestellt. Manche Sachen hätten bereits seit 15 Jahren in den Kisten geschlummert, sagt der Sammler. Richtig gefreut habe er sich, als er sie beim Auspacken nach langer Zeit wieder einmal in der Hand hielt.

Weßling Pfarrstadl Spielzeug Ausstellung

In der Sammlung befinden sich auch Figuren, die statt mit Holzlack noch mit Baumharz behandelt sind.

(Foto: Georgine Treybal)

Angefangen hat alles mit einer kleinen Jägerfigur aus Holz. Hinter einer Vitrine sieht man einen schmucken Burschen in alpenländischer Montur, die Armbrust im Visier. "Ein Fuß hatte gefehlt", erinnert sich Heinzmann. Für den Holzbildhauer und Restaurator war das kein Problem. Den Fuß hat er einfach dazu geschnitzt. Viele seiner Spielsachen habe er für wenig Geld auf Flohmärkten oder in Internetbörsen günstig erstehen können, da sie kaputt oder unvollständig waren. "Kein Mensch kauft so etwas." Für ihn sei das Renovieren zum Hobby geworden. Heinzmann zeigt auf eine Arche Noah. "Da gab es nur ein paar Figuren". Heute sieht man die unterschiedlichsten Tiere paarweise um das Schiff gruppiert. "Die habe ich geschnitzt." Wenn andere sich beispielsweise Bücher zum Lesen an den Badestrand mitnehmen, sind es bei Heinzmann Holzrohlinge und das Schnitzmesser, die mitkommen.

Weßling Pfarrstadl Spielzeug Ausstellung

Der Großteil der Schätze von Heinz Heinzmann lagert normalerweise zu Hause, sorgfältig in Kisten und Schachteln verpackt

(Foto: Georgine Treybal)

Auf die Zeitspanne zwischen 1850 bis 1950 datiert er die meisten seiner Funde. Aufschluss über das Alter gibt beispielsweise der Lack. "Früher gab es keinen glänzenden Holzlack." Dafür wurde Baumharz verwendet und der war matt.

Eines seiner Lieblingsstücke ist eine Puppenküche, die wohl zwischen 1860 und 1880 entstanden ist. Die Holzpuppen hießen damals "Docken" erklärt Heinzmann. Es sind relativ grob gearbeitete Figuren, die zwischen kleinem Tongeschirr, einem alten Holzherd und anderen Utensilien von anno dazumal stehen.

Wenn Heinzmann durch die Ausstellung geht, bleibt er immer wieder vor den Sachen stehen. "Total nett" sei beispielsweise die kleine Bäckerei, die wie ein Kaufladen aufgebaut ist, oder die Apotheke mit den winzigkleinen Schubfächern. Es gibt aber auch eine ganze Vitrine mit Blechspielzeug, das heute noch funktioniert. Heinzmann zieht ein Raumfahrzeug auf und lässt es über den Boden rollen, zeigt eine russische und amerikanische Rakete. Daneben lacht ein blecherner Astronaut.

Besonders gern hat er auch den großen Malkasten, den die Abbildung eines riesigen Tankers, Flugzeug, große Lastwagen und Baukränen ziert. "So einen hätte ich als Kind immer gerne gehabt." Doch Heinzmann ist 1947 geboren. Spielzeug hat der Bub in den schwierigen Zeiten kaum bekommen. "Es gab Praktisches zum Anziehen". Vielleicht, mutmaßt er, habe er deswegen mit dem Sammeln begonnen.

Die Ausstellung wird am heutigen Freitag eröffnet und kann am Samstag, 6., Sonntag, 7. Januar, 10 bis 17 Uhr, sowie am Freitag, 12., Samstag, 13., und Sonntag, 14. Januar, besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

© SZ vom 05.01.2018
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