Gerissene Rehe Halter müssen ihre Hunde ständig unter Kontrolle halten

Mit seinem Deutschen Wachtelhund Findus ist Markus Noack in den Wäldern rund um Gauting unterwegs. Seit Anfang Januar leitet er das 3600 Hektar große Revier.

(Foto: Nila Thiel)

Nach den Funden zweier gerissener Rehe in Starnberg und Gauting appelliert Revierförster Markus Noack an Herrchen, unfolgsame Tiere anzuleinen.

Von Sabine Bader

Gleich zweimal haben in jüngster Zeit wildernde Hunde in den Bereichen Gauting und Starnberg Rehe gerissen. Markus Noack, der neue Revierförster von Gauting, richtet daher den Appell an alle Hundebesitzer, ihre Tiere nur dann beim Spazierengehen auf Waldwegen frei laufen zu lassen, wenn diese so gut erzogen sind, dass sie jederzeit gehorchen - auch wenn ein Reh oder ein Hase in ihre Sichtweite kommt. Dies könnte nach seiner Erfahrung jedoch nur ein Prozent aller Hundehalter von sich behaupten. Denn das koste "enorm viel Arbeit" mit dem Hund, und es sei meistens nur mit Hilfe eines guten Hundeausbilders oder einer Hundeschule zu schaffen. Im Fachjargon nennt man es "Abrufbereitschaft" des Hundes. "Die meisten Hundebesitzer verwenden einfach zu wenig Zeit in die Abrufarbeit", hat Noack die Erfahrung gemacht. Für ihn steht aber fest: "Der Halter muss seinen Hund unter Kontrolle haben."

Sei dies nicht der Fall, solle der Hund im Wald angeleint werden, fordert er. Die meisten Leute denken jetzt automatisch an die üblichen kurzen Leinen, wie sie dem Hund beim Spazierengehen in der Stadt angelegt werden. Noack empfiehlt indes für den Waldspaziergang sogenannte Schleppleinen. Diese gibt es in sehr unterschiedlichen Längen - zwischen fünf und 50 Metern. Damit habe der Hund das Gefühl, er laufe frei und sein Besitzer halte dennoch eine Notbremse in der Hand. "Schleppleinen sind klar das Mittel der Wahl."

Der 28-Jährige erläutert auch, was eine Hetzjagd für ein Reh bedeutet - auch wenn es dem gelingt, zu entkommen. "Attacken von Hunden sind für Rehe immer Stress." Gerade in den Wintermonaten könne dies fatale Auswirkungen haben, denn die Überlebensstrategie der Tiere laute in dieser Jahreszeit: "Energiesparen." Da die Rehe im Wald viel weniger Nahrung finden, benötigen sie viel Ruhe. Die Folge: Selbst eine für den Hund erfolglose Hetzjagd, kann für das Reh lebensbedrohlich werden.

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Ein Jäger hat bei Buchendorf einen Kadaver entdeckt. Auf einer Wiese an der Gautinger Straße musste die Polizei ein verletztes Tier mit einem Fangschuss erlösen.   Von Christian Deussing

In den beiden jüngsten Fällen hatten die Hunde offenbar ihre Beute erwischt. So war der Jäger Johannes Schrüfer am vergangenen Samstag mit seinem Gebirgsschweißhund "Ayka" im Gautinger Gemeindewald bei Buchendorf unterwegs, als er Blutstropfen im Schnee entdeckte, die ihn zum Kadaver eines Rehs führten, das im Unterholz verendet und teilweise schon bis aufs Skelett abgenagt war. Der Jäger geht davon aus, dass die Geiß von einem großen Hund angefallen und schwer verletzt worden war und sich danach mit letzter Kraft in den Wald geschleppt hatte. Den zweiten Falle meldete jüngst Starnberger Polizei, die von den Mitarbeitern einer Firma verständigt worden war. Diese hatten beobachtet, dass zwei Hunde auf einer Wiese zwischen der Gautinger Straße und der Würm am Dienstag ein Reh gerissen hatten. Die Beamten mussten das Reh, das am ganzen Körper Bisswunden aufwies, von seinen Qualen erlösen.

Trotz der beiden jüngsten Vorfälle lässt Noack keinen Zweifel daran, dass der Autoverkehr nach wie vor die größte Gefahr für die Wildtiere darstellt. Und die Zahlen sprechen für sich: 570 Verkehrsunfälle mit Wildtieren gab es im Landkreis Starnberg laut Oliver Jauch von der Starnberger Polizei im vergangenen Jahr. Dem stehen lediglich zwei bis drei Fälle jährlich gegenüber, bei denen wildernde Hunde Rehe gerissen haben, sagte Markus Reichert vom Ordnungsamt im Starnberger Landratsamt.