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Graffiti in Gilching:Im Tunnel auf Zeitreise

Sprühen nach Plan: "Loomit" hält sich bei seinen Bildern an die Historie, hier arbeitet er am römischen Meilenstein. Die Idee, die Unterführung mit Graffiti zu versehen, hatte der Verein Zeitreise in Gilching.

(Foto: Arlet Ulfers)

Streetart-Künstler "Loomit" stellt Gilchinger Geschichte, die sich entlang der Römerstraße ereignete, in der Unterführung der neuen Westumfahrung dar. Ein Audioguide soll folgen.

Auf Entdeckungsreise in die verschiedenen Zeitepochen entlang der Gilchinger Römerstraße können Fußgänger und Radfahrer unter der neuen Westumfahrung gehen. Streetart-Künstler "Loomit" (Mathias Köhler) hat die Unterführung mit Szenen aus der Gilchinger Geschichte gestaltet. Projektleiter ist der Gilchinger Streetart-Künstler Melander "Lando" Holzapfel.

Elf verschiedene Motive reihen sich an beiden Seiten der Tunnelwände. Im "Zeitreisetunnel" finden die Besucher Abbildungen von Grabfunden, Exponaten und archäologischen Relikten, die auch in der Schichtwerk-Ausstellung im Werson-Haus sowie an den Stationen der "Via Zeitreise"-Touren ausgestellt sind beziehungsweise besichtigt werden können.

Das Bild zeigt (von links) den Zweiten Vorsitzenden Manfred Gehrke, Projektleiter Melander Holzapfel, die Beiräte Andreas Wening und Siegried Reindel sowie die Erste Vorsitzende Annette Reindel.

(Foto: Arlet Ulfers)

Der Verein Zeitreise Gilching hatte die Idee für den Zeitreisetunnel. "Nachdem die Römerstraße durch die neue Straße abgeschnitten wurde, wollten wir mit den Bildern an ihre frühere Bedeutung erinnern", sagt Vereinsvorstand Annette Reindel. Ein Jahr lang habe es gedauert, bis der Vorstand sich aus der Fülle der geschichtlichen Ereignisse auf elf Szenen hatte einigen können und bis es Zusagen für die Förderung des Projekts vom Landesamt für Denkmalpflege, dem Landkreis Starnberg, der Gemeinde Gilching und dem Staatlichen Bauamt Weilheim gab.

Was scheinbar spielerisch und spontan an die Wände gesprüht wurde, folgt einem genauen Plan. Die geschichtlichen Szenen habe er zunächst auf Papier skizziert, bevor er an die Arbeit im Tunnel gegangen sei, erklärte Loomit, der in München bereits die Unterführung der Ludwigs- und der Reichenbachbrücke gestaltet hat. "Ich habe mich beim Zeitreisetunnel genau an die historischen Vorbilder gehalten", versichert er. Auch wenn es sich um Graffitikunst handelt, sollten die Szenen wissenschaftlich nachvollzieh- und belegbar sein. Archäologe Hans-Peter Volpert hat dem Künstler genau erklärt, was für ein Muster die Wadenwickel des "Kiltis", eines Kriegers aus dem 8. Jahrhundert, haben müssen, wie der Bodenbelag der Straße zur Zeit der Salzkarawanen in den Jahren 300 bis 100 vor Christi beschaffen war und welche Form der Spitzbodenbecher haben soll, der während der Bauarbeiten der Westumfahrung in der Nachbarschaft gefunden worden war.

Die Bilder sollen übrigens mit Audiogeschichten begleitet werden. Der Zweite Vorstand Manfred Gehrke hat die Texte geschrieben. Sobald die QR-Codes im Tunnel stehen, können die Hörstücke direkt mit dem Smartphone heruntergeladen werden. Außerdem werden Infotafeln aufgestellt. Dann können die Besucher erfahren, was der legendäre Fund der Arnoldus-Glocke mit einem Ochsen zu tun hat, wo die Münzen zu finden sind, die auf der Römerszene einem Legionär aus der Tasche fallen, und warum ein weißer Adler seine Schwingen über der Szene ausbreitet. Eine faszinierende Geschichte über den angeblichen Goldmacher Tausend verbirgt sich hinter der Darstellung eines schlichten Hauses. Und den Schlüssel mit dem Schatzkästchen, den die Römerin am Tunnelausgang trägt, kann man im Museum als Replik ausprobieren.

Aus der jüngsten Geschichte stammt die Szene mit der schwarzen Rußwolke, die ein Flugzeug nach sich zieht. Damit wird an den Absturz eines Bombers im Zweiten Weltkrieg erinnert. Erst vor kurzem hat es im Werson-Haus dazu die Ausstellung "Luftkrieg im Sommer 1944 - Schauplatz Gilching".

© SZ vom 05.05.2020

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