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Gemeinden am Starnberger See:Abwasser wird teurer

Der Entsorgungsverband erhöht die Gebühr um fast 50 Prozent. Die Mehrbelastung pro Haushalt hält sich aber in Grenzen.

Von Michael Berzl

Hausbesitzer in den Orten rund um den Starnberger See müssen künftig mehr für ihr Abwasser bezahlen. Der Zweckverband, der für das Kanalnetz zuständig ist, hat am Donnerstag höhere Gebühren beschlossen, um steigende Ausgaben abzudecken. Für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt liegen die Mehrbelastungen bei etwa 80 Euro im Jahr, der Verband erwartet sich zusätzliche Einnahmen in einer Größenordnung von zwei Millionen Euro, hat Finanzleiter Andreas Hiel ausgerechnet. Die neuen Preise gelten von Juli an für vier Jahre.

Die Mitglieder des Abwasserverbands Starnberger See, zu dem die Anrainer Starnberg, Berg, Pöcking, Feldafing und Tutzing sowie Bernried, Seeshaupt und Münsing gehören, wissen seit dem vergangenen Herbst, dass mit den bisherigen Einnahmen das Geld nicht mehr ausreicht. Ursprünglich stand sogar eine drastischere Erhöhung zur Debatte, berichtete der Vorsitzende und Bürgermeister von Berg, Rupert Monn, bei der Verbandsversammlung in Bernried. "Im Ausschuss haben die Bürgermeister ganz schön schlucken müssen", sagte Finanzchef Hiel. Indem Vorhaben und damit verbundene Ausgaben verschoben werden, konnte das aber noch etwas abgemildert werden.

Nach dem Beschluss steigt die Gebühr für das Schmutzwasser um fast 25 Prozent auf 3,26 Euro pro Kubikmeter. Die berechnete Menge entspricht dem Wasserverbrauch eine Haushalts. Die jährliche Gebühr für Niederschlagswasser wird um knapp 50 Prozent auf 99 Cent pro Quadratmeter erhöht; die Kosten hängen vor allem davon ab, wie groß die versiegelte Fläche auf einem Grundstück ist. Zuvor lagen die Gebühren vier Jahre unverändert bei 2,64 Euro, beziehungsweise 67 Cent.

Der Verband begründet die Erhöhung vor allem mit dem hohen finanziellen und personellen Aufwand bei den Bemühungen, sein Fremdwasserproblem in den Griff zu bekommen. Immer noch landet viel zu viel Regenwasser im Kanalsystem und damit in der Kläranlage. Das muss sich ändern, denn das ist eine Voraussetzung dafür, dass die Kläranlage auch weiterhin eine Betriebsgenehmigung erhält, wie die Ingenieurin Margot Große in der Versammlung erklärte. Darum werden nach und nach Leitungen und Hausanschlüsse untersucht. Der neue Zeitplan sieht die Inspektion von etwa 300 statt bislang 450 Grundstücken pro Jahr vor.

Die Arbeiten erweisen sich als viel teurer, als zunächst abzusehen war. Ein Grund dafür ist, dass externe Firmen, die mit solchen Aufgaben beauftragt werden und zum Beispiel mit Kameras Kanalrohre inspizieren, immer mehr Geld verlangen. Darum möchte der Verband das selbst übernehmen, die dazu nötigen Spezialfahrzeuge anschaffen und mehr Personal einstellen. Was die Mitarbeiter freuen wird: Sie sollen künftig mehr Geld bekommen. Das Starnberger Entsorgungsunternehmen will künftig einen anderen Tarifvertrag als bisher anwenden. Pro Jahr kann das laut Geschäftsführer Norbert Impelmann 400 bis 4000 Euro mehr ausmachen. Der finanzielle Anreiz scheint nötig zu sein. Mehr als zehn Stellen sind noch zu besetzen.

© SZ vom 20.04.2018
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