Fünfseen-Filmfestival:Ein Filmland im Krieg

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Fünfseen-Filmfestival: Filmland im Krieg: Moderator Martin Schulze Wessel, Maryna Er Gorbach, Mehmet Bahadir Er und Yuriy Yarmilko (von links) diskutieren über die aktuelle Lage in der Ukraine.

Filmland im Krieg: Moderator Martin Schulze Wessel, Maryna Er Gorbach, Mehmet Bahadir Er und Yuriy Yarmilko (von links) diskutieren über die aktuelle Lage in der Ukraine.

(Foto: Nila Thiel)

Seit Februar dieses Jahres führt Russland einen Angriffskrieg in der Ukraine. Doch schon seit 2014 wird im Osten des Landes gekämpft. Der neue Film "Klondike" der ukrainischen Regisseurin Maryna Er Gorbach erzählt eine Geschichte vom Leben und Sterben im Donbass.

Von Tim Graser, Gauting

Seit zwei Jahren schon kommt Yuriy Yarmilko zum Fünfseenfilmfestival. Doch dieses Jahr stand der Besuch des ukrainischen Generalkonsuls unter besonderen Vorzeichen. "Wir sprechen heute über Kino und nicht über Krieg", betonte der Gesandte zwar - doch die Kämpfe in der Ukraine waren am Samstagnachmittag im Gautinger Kino trotzdem allgegenwärtig. Zu Gast war Yarmilko diesmal bei einer Podiumsdiskussion im Vorfeld des Films "Klondike" der ukrainischen Regisseurin Maryna Er Gorbach. Neben ihr saß Produzent und Ehemann Mehmet Bahadir Er, die Moderation übernahm der Ost- und Südosteuropaexperte Martin Schulze Wessel von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU).

Der Titel des Films entstand in Anlehnung an den aus den Goldrauschzeiten bekannten Fluss in Nordamerika, mit dem die Regisseurin Cowboys und Gunslinger verbindet. Böse Männer mit Waffen, die kommen, um den Menschen zu schaden. Das war schon im Wilden Westen so - und das ist auch heute in der Ukraine so. So oberflächlich wie die Botschaft, die dieser Titel überträgt, der auch aus Marketinggründen gewählt wurde, ist der Film jedoch keineswegs. Er basiert auf wahren Ereignissen und handelt von einer in einem kleinen Dorf in der ostukrainischen Region Donezk ansässigen Familie, die ihre Heimat trotz der russischen Annexion der Halbinsel Krim und den darauffolgenden Kämpfen nicht verlassen will.

Der Film beginnt im Juli 2014 im Donbass - Irka (Oksana Cherkashina) ist hochschwanger, als eine von prorussischen Separatisten abgefeuerte Rakete ihre Hauswand einreißt. Der Blick aus dem Wohnzimmer liegt frei über der sommerlich kargen Landschaft, die nun zum Kriegsschauplatz wird. Nach dem versehentlichen Abschuss eines Passagierflugzeuges von Malaysian Airlines landet ein Flugzeugsitz mitsamt Insasse in ihrem Garten und der Krieg nimmt weiter seinen Lauf. Doch Irka und ihr Mann Tolik (Serhiy Shadrin) wollen ihre Heimat trotzdem nicht verlassen.

Trotz allem sagt die Regisseurin: Der Film solle Schönheit vermitteln, nicht Krieg

Tolik ist mit einem Separatisten befreundet, der erwartet, dass er sich dem Kampf gegen die Ukraine anschließt. Ganz im Gegensatz zu Irkas kleinem Bruder Yurik (Oleg Shcherbina), der seine Schwester überreden will, mit ihm nach Kiew zu flüchten, wo sie ihr Kind unter sicheren Bedingungen in einem Krankenhaus auf die Welt bringen könnte. Irka verkörpert eine junge Frau, bei der die Weltpolitik zu einem persönlichen Konflikt führt. Irka ist zerrissen zwischen Heimatliebe und Sicherheit, zwischen einem russischen Ehemann und einem ukrainischem Bruder.

"Klondike" ist ein mitreißendes und aufrüttelndes Drama über Liebe, Hass und Gewalt, das den Krieg in all seiner Brutalität zeigt, ohne dass allzu viel Blut fließt. Mit hervorragender musikalischen Untermalung zeigt der Film auf eindrucksvolle Weise, wie sich das Leben verändert, wenn der eigene Wohnort plötzlich im Zentrum eines bewaffneten Konfliktes steht, und dass Flucht nicht immer eine Option ist.

Die Hauptmotivation der Regisseurin und ihres Ehemanns, einen Film über den seit 2014 wütenden Bürgerkrieg in der Ukraine zu drehen, war die Ignoranz des Westens über die Ereignisse im Donbass. Sie wollten damit international auf den Krieg aufmerksam machen, der dort schon seit 2014 tobt. Denn vor der russischen Invasion im Februar dieses Jahres war der Krieg im Osten der Ukraine vielerorts kaum präsent. Vor diesem Hintergrund wirkt der Film wie eine dunkle Prophezeiung. Das Grauen des Krieges, das er vermittelt, bestand jedoch schon seit Jahren im Osten des Landes. Dennoch sagt die Regisseurin: "The film was made to promote Beauty, not war." Der Film solle Schönheit vermitteln, nicht Krieg.

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