bedeckt München 28°

Gauting:Dirtbiker unerwünscht

Mit Absperrbändern und Zetteln warnt die Gemeinde Gauting davor, dieses Waldstück in der Nähe des Grubmühler Feldes zu betreten.

(Foto: Arlet Ulfers)

Jugendliche legen sich im Wald einen Fahrradparcours an. Jetzt müssen sie die Schanzen wieder beseitigen.

"Unfallgefahr! Dieser Wald-Bereich ist gesperrt! Betreten verboten!" Im Dutzend ist diese Warnung in roter Schrift mit Rufezeichen auf Zetteln zu lesen, die Mitarbeiter der Gemeinde Gauting an Bäumen aufgehängt haben. Rot-weiße Absperrbänder machen in etwa kenntlich, welcher Bereich gemeint ist. Ein Trampelpfad, der in Richtung Stockdorf führt, dürfte damit offiziell nicht mehr benutzt werden. Auf den ersten Blick ist jedoch nicht erkennbar, woher die Gefahr rührt, die in diesem Waldstück an der Hangkante zwischen dem Gautinger Ortsrand und dem Grubmühler Feld droht. Erkennbar ist aber, dass hier Kinder gespielt haben. Kleine Stufen, die in die Erde gegraben und notdürftig mit Stöckchen befestigt sind, führen den Hang hinauf, eine Sprungschanze wurde angelegt. Eine Art Hindernis-Parcours fürs Fahrrad ist das, ein Dirt-Track, wie das in der Szene heißt. Im vergangenen Herbst haben etwa ein Dutzend Jugendliche damit angefangen, diese Hindernisstrecke anzulegen und haben sich nichts Böses dabei gedacht. Doch nach ein paar Monaten ist der Spaß schon wieder vorbei. Die Gemeinde als Grundeigentümerin ist mit solchen Umbauten im Wald nicht einverstanden, hat aus Haftungsgründen die Sperrung veranlasst und verlangt den Rückbau der Schanzen.

Damit gibt es einmal mehr Ärger wegen unerlaubt angelegter Radlstrecken dieser Art. Ähnliche Vorfälle gab es in der Vergangenheit auch am Tegernsee oder im Isartal oder auf der Emmeringer Leite am Nikolausberg im Nachbarlandkreis Fürstenfeldbruck. Dort war es im April zu schweren Unfällen gekommen, ehe Waldbesitzer die Schanzen einebnen ließen. Auch Stefanie Gräfin Bruges von Pfuel, die Eigentümerin von Gut Mamhofen, klagte darüber, dass Mountainbiker im Wald, der zu ihrem Anwesen gehört, Trails und Sprungschanzen gebaut hatten.

In Gauting hatte es zunächst so ausgesehen, als wäre hier eine Lösung im Konsens möglich. Die Vorgeschichte: Bei dem Forstgebiet in der Nähe der Hubertusstraße handelt es sich um sogenannten Rechtlerwald, wo die Gemeinde die Nutzungsrechte vergeben hat. Der Landwirt Max Rößler, der Sprecher dieser Rechtler, die den Wald nutzen dürfen, wollte die laienhaft gebauten Bahnen eigentlich dulden, denn er hegt eine gewisse Sympathie für diese Art Freizeitgestaltung. "Lasst die Buben doch spielen! Das ist doch besser, als wenn sie nur vor dem Computer sitzen", sagt er. Mit den Buben hatte er eine schriftliche Vereinbarung getroffen. Auf der einen Seite wollte er zum Beispiel, dass sie kein Plastik dort verwenden, auf der anderen Seite wollte er sich einer möglichen Unfallhaftung entledigen. "Die sind alle vernünftig", findet Rößler und bedauert umso mehr, was jetzt passiert ist. Der 14-jähriger Marius ist einer der Jugendlichen, der dort Sprünge trainiert hat. "Aber das mit der Haftung sehe ich schon ein", sagte er. Zugleich würde er sich aber einen Ersatz wünschen.

Kaum hat man im Rathaus von dem Vertrag und von den ohne Genehmigung angelegten Schanzen erfahren, wurde Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) aktiv. Als promovierte Juristin kennt sie sich in Rechtsfragen aus und wollte wohl vermeiden, dass die Gemeinde in die Haftung genommen wird, wenn einem der jungen Biker bei einem Sprung über eine der Schanzen etwas passiert. Auch das Starnberger Landratsamt wurde involviert. In sozialen Medien wird der Vorfall eifrig diskutiert, viele äußern Sympathien für die Jugendlichen, die sich im Wald eine Art Abenteuerspielplatz angelegt hatten. Dabei aber - ohne es zu wissen - gegen Gesetze verstoßen hatten.

Im Mai hatte Landrat Stefan Frey einen Aufruf veröffentlichen lassen, dass Radler im Wald nur auf Straßen und geeigneten und ausgewiesenen Wegen fahren sollten. Der Grund für diesen Appell: Es seien vermehrt Fahrspuren in den Wäldern in Richtung Gauting und Herrsching gemeldet worden, "die durch Mountain-Biker entstanden sind und vorher nicht da waren", wie Karin Huber, die Teamleiterin im Bereich Naturschutz im Starnberger Landratsamt erklärte. Dabei gehe es nicht nur "um die unschöne Optik der meist schnell ausgefahrenen Wege", sondern auch darum, das Bayerische Naturschutzgesetz zu beachten. Demnach sei nämlich das Radfahren im Wald grundsätzlich nur auf Straßen oder geeigneten Wegen zulässig. In der nächsten Sitzung des Gautinger Umweltausschusses am kommenden Donnerstag wird Michaela Thiel, die im Rathaus für das Thema Naturschutz zuständig ist, die Problematik erläutern.

Die Gautinger Buben, die illegal ungeeignete Wege umgebaut haben, sind nun wieder mit Schaufeln im Wald zugange. Sie müssen Buckel einebnen, mühevoll angelegte Schanzen beseitigen und Löcher wieder verfüllen. Sie haben aber eine Ausweichmöglichkeit, die sich nur ein paar hundert Meter entfernt in Richtung befindet. Dort gibt es in der Nähe der Würm einen Parcours in wesentlich umfangreicheren Dimensionen - mit hohen Schanzen, steil abschüssigen Anlaufstrecken, befestigten Steilkurven und Rampen. Dieses Gelände, das sich nach Auskunft der Gemeinde in Privatbesitz befindet, existiert in der Form schon seit vielen Jahren und ist nicht abgesperrt.

© SZ vom 29.06.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite