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Gastronomie im Landkreis Starnberg:Wenn Kultur auf Kaffee trifft

Café Paletti wird zum Treffpunkt

Sebastian Bürck und Birgit Luft (von links) hatten die Idee für die Koffein-Soforthilfe an der Ecke Bahnstraße/Waldstraße in Stockdorf.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Sebastian Bürck hat auf einem leer stehenden Zimmereigelände im Gautinger Ortsteil Stockdorf das mobile "Café Paletti" eröffnet. Weil ausreichend Platz ist, veranstaltet er dort auch Konzerte.

Von Blanche Mamer

Dank Corona ist der Gautinger Ortsteil Stockdorf um eine Kultur- und Begegnungsstätte reicher: An der Ecke Bahnstraße/Waldstraße, gleich neben dem schon vor Jahren geschlossenen Gebäude der Post, steht jetzt ein Caféwagen und dahinter, im ehemaligen überdachten Holzlager der Zimmerei Kothmair, wurde eine Terrasse improvisiert. Hier baumeln bunte Hängematten und Hängestühle an den Dachbalken, gruppieren sich ausrangierte Familiensofas, alte Holzstühle und aus Baupaletten improvisierte Tische auf einem alten Teppich und warten auf die Gäste des mobilen "Café Paletti" von Sebastian Bürck. Seit dem 8. Mai gibt es dieses außergewöhnliche Outdoor-Projekt, das der Kraillinger Sport-Kameramann und Barista Bürck initiiert hat. Er betreibt seit 2012 den mobilen Caféwagen beim Kulturfestival Gräfelfing. Doch ohne "Hexe" Birgit Luft, die man aus der Stockdorfer Musikkneipe "Baumhäusl" kennt, und Wolfgang Jäger von der Zimmerei Kothmair, hätte er die Idee nicht umsetzen können. Er will Passanten, Radfahrern und Spaziergängern nämlich nicht nur guten Kaffee to go oder auch Kaltgetränke sowie einen Platz zum Ausruhen anzubieten, sondern einmal in der Woche wieder ein wenig Kultur zu veranstalten.

"Die Menschen sind gierig darauf, raus zu gehen, sich zu unterhalten und auch wieder kleine Konzerte zu genießen. Da alle Großveranstaltungen wie das Gautinger Kulturspektakel oder das Kulturfestival Gräfelfing abgesagt sind und Künstler und Musiker in der Luft hängen, finden wir, dass es Zeit ist, etwas zu unternehmen", sagt Bürck. Es gehe dabei nicht ums Geldverdienen, sondern um die sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Leute. Nach sechs Wochen relaxed daheim in der Familie habe er selbst den enormen Wunsch verspürt, wieder aktiv zu werden und habe sich überlegt, was er tun könne. Anfang Mai hatte er seinen Caféwagen zunächst vor einem Blumenladen an der Bahnstraße aufgestellt, doch schon nach zwei Tagen war dort Schluss. Auch vor der ehemaligen Buchhandlung Schwab an der Waldstraße durfte er nur zwei Tage stehen bleiben. Zufällig holte sich Wolfgang Jäger dort einen Espresso, im Gespräch ergab sich der Vorschlag, auf das Gelände der Zimmerei umzuziehen, für die gerade ein neuer Pächter gesucht wird.

"Wir haben einen Stromanschluss und eine Außentoilette - und ein bis dahin leeres Grundstück mitten im Ort ist wieder belebt", so Jäger, der überaus zufrieden mit dem Arrangement ist. Selbst bei Regen hätten Passanten Lust auf einen schnellen Kaffee und einen kleinen Plausch, sagt er. Ein echter Glücksfall nennt Bürck die Interimslösung.

Der Kaffee stammt ausschließlich aus biologischem Anbau und fairem Handel. "Koffein Soforthilfe" steht auf einem roten Plakat am Eingang, es wurde spontan von einem Freund beigesteuert. Eine gezielte Werbung gab es bisher nicht, keine Anzeigen, keine Handzettel, nur einige wenige Plakate. "Es spricht sich herum", sagt Birgit Luft. Ihr Anliegen ist es zudem, die Besucher zum Lesen zu animieren. "Meet & read" steht auf einem Anschlag an einem der Trägerbalken, auf dem auch ein paar gelesene Taschenbücher liegen. Wie bei den Bücherkühlschränken der Gemeinde kann man ein Buch gegen ein anderes tauschen. Noch wirkt alles sehr improvisiert, doch das macht auch den Charme aus.

Der Caféwagen plus improvisierter Terrasse ist wochentags von 9 bis 15 Uhr geöffnet, am Wochenende von 10 bis 16 Uhr. Es gibt keinen Abendbetrieb, also auch kein Konfliktpotenzial mit der Nachbarschaft. Bisher hat das Team drei kleine Konzerte organisiert, jeweils freitags um 18 Uhr. Bis zu 50 Besucher dürfen kommen und gut verteilt und mit dem nötigen Abstand auf der großen Wiese vor dem Zimmereigebäude verweilen. Die Gäste sind sehr gemischt, es kommen Familien mit Kindern, Spaziergänger mit Hunden, Senioren und Jugendliche. "Die Resonanz ist sehr positiv. Die Leute freuen sich, dass es so was wie das hier gibt", sagt Jäger. Am vergangenen Freitag war die junge Münchner Rock- und Folksängerin Caitlin Dalton zu Gast, die Woche zuvor Georg Spindler mit Band. Wer als nächstes auftritt, steht noch nicht fest. Nachfragen lohnt sich.

© SZ vom 16.06.2020

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