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Gastronomie im Landkreis Starnberg:Villa Kunterbunt mit Currywurst und Pommes

Britta Poggenseier und Sohn Philipp haben in Aschering das "Fairzehr-Stüberl" eröffnet: Bio-Produkte und Hausgemachtes sind ihnen wichtig.

(Foto: Arlet Ulfers)

Seit langer Zeit gibt es im Pöckinger Ortsteil Aschering wieder ein kleines Lokal. Britta Poggenseier und ihr Sohn Philipp setzen dort ganz auf Fairtrade.

Von Sylvia Böhm-Haimerl

Lange galt die Currywurst als "out" und war nur im Kölner Tatort zu sehen, wenn sich Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk nach einem gelösten Fall an der Imbissbude entspannten. Jetzt haben Britta Poggenseier und ihr Sohn Philipp den Inbegriff deutscher Fast-Food-Kost wiederbelebt. In dem kleinen Pöckinger Ortsteil Aschering haben sie das "Fairzehr-Stüberl" eröffnet. "Ich habe nicht gedacht, dass es so gut angenommen wird", freut sich Britta Poggenseier.

Es herrscht ein Kommen und Gehen im Garten an der Sankt-Sebastian-Straße. Philipp Poggenseier wird mit Hallo begrüßt, als er die Currywürste mit einem großen Berg Pommes serviert. Er ist in Pöcking aufgewachsen und hat dort auch seine Kochlehre gemacht. Man kennt sich im Dorf, und die Ascheringer kommen gerne hierher. Dass die Tische und Stühle im Garten zusammengewürfelt sind, stört offenbar niemanden. Im Gegenteil - die Sperrmüllmöbel haben ihren eigenen Charme und wirken urig-gemütlich. "Es ist schön hier", steht auf der Liste, in die sich die Gäste nach den geltenden Corona-Regelungen eintragen müssen. "Es ist wie bei der Villa Kunterbunt", witzelt Britta Poggenseier, die den Garten am Pfingstwochenende kurzfristig eröffnet hat. Eine Bewirtschaftung im Außenbereich sei nicht geplant gewesen, erzählt sie. Ursprünglich wollten die Betreiber Currywurst mit Pommes sowie Kaffee und Kuchen "to go" verkaufen. Denn in dem gemütlichen Stüberl mit kleiner Theke und Polstern aus Schaffell an den zwei Tischen können nur wenige Kunden bedient werden. Da der Andrang aber am Pfingstwochenende so groß war, sei sie auf die Idee mit dem Garten gekommen.

Poggenseier ist Inhaberin eines Cateringbetriebs. Auf Veranstaltungen betreibt sie einen Imbisswagen und einen Prosecco-Stand. Zunächst sollte ihr Sohn Philipp in ihr Geschäft einsteigen. Aber dann kam Corona dazwischen. Jetzt sind beide zufrieden, dass sie sich mit dem Imbiss in Aschering ein zweites Standbein geschaffen haben. Durch das Dorf führt der Jakobsweg nach Andechs. Daher gibt es viele Wanderer und Radler, die laut Poggenseier regelmäßig nach einer Brotzeit fragen. Schon vor Jahrzehnten hat das Dorfwirtshaus zugemacht.

Seither herrscht kulinarische Abstinenz in Aschering. Geschäfte gibt es nicht in dem kleinen Dorf. Der Hofladen hat sich nicht lange gehalten. Er steht seit zwei Jahren leer. Da haben es hungrige und durstige Wanderer schwer. Daher kam die findige Geschäftsfrau im vergangenen Jahr auf die Idee mit dem Fairzehr-Stüberl. Kurz entschlossen mietete den Hofladen. Allerdings dauerte es ein Jahr, bis der Antrag auf Nutzungsänderung vom Landratsamt genehmigt wurde. Da sie nicht einschätzen konnte, ob es in Aschering überhaupt Bedarf gibt, wollte sie das Angebot klein halten. Poggenseier ist Mitglied in der Pöckinger Fairtrade-Steuerungsgruppe. Essen wegzuwerfen, kommt für sie daher nicht in Frage.

"Wir wollten keine große Speisekarte, weil wir erst Erfahrungen sammeln müssen." Weil Poggenseier festgestellt hat, dass es in Bayern keine Currywurst gibt, stand für sie fest, dass diese Spezialität aus ihrem Heimatort Frankenberg in Hessen unbedingt auf der Speisekarte stehen musste. Bio-Bratwurst und Pommes bieten sich ihrer Meinung nach an, weil diese Produkte lagerfähig sind. Den Kuchen backt sie selbst, mit Bio-Eiern von der benachbarten Landwirtschaft, die auch bei ihr gekauft werden können. Die Getränke kommen ebenfalls aus der Region und der nostalgische Filterkaffee aus dem Fairtrade-Handel.

Nach den ersten Erfahrungen der Wirtin brauchen die Wanderer nur eine kleine Stärkung auf dem Zwischenstopp nach Andechs. Und wo sonst gibt es so moderate Preise, wie eine Currywurst für 3,80 Euro, Kaffee für 1,50 Euro oder ein Stück Kuchen für zwei Euro. Die Kunden seien ganz zufrieden mit dem Angebot, hat Poggenseier festgestellt. Das "Fairzehr-Stüberl" hat von 11 bis 21 Uhr geöffnet, Montag und Dienstag ist Ruhetag.

© SZ vom 10.06.2020
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