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Energiewende:Etwas Licht und viel Schatten bei der Energiewende

Vorstellung der Berger Windräder

Windräder gibt es im Landkreis Starnberg bislang nur an einem einzigen Ort: in den Wadlhauser Gräben bei Berg. Die Gemeinde kann mit den vier Anlagen, die seit Dezember 2015 in Betrieb sind und knapp 22 Millionen Euro gekostet haben, ihren kompletten Strombedarf decken.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Der Landkreis Starnberg kommt beim Umstieg auf Fotovoltaik oder Solarthermie zwar voran, aber deutlich zu langsam. Momentan stammen gerade einmal elf Prozent der verbrauchten Energie aus erneuerbaren Quellen.

Von Michael Berzl

Angesichts einer enttäuschenden Halbzeitbilanz auf dem Weg zur Energiewende im Landkreis Starnberg sucht Landrat Stefan Frey (CSU) nun das Gespräch mit den Bürgermeistern. Bei einem Treffen will er herausfinden, wo es geeignete Standorte für Fotovoltaikanlagen oder Windräder geben könnte und wo sie auch durchsetzbar wären. "Da muss man politische Überzeugungsarbeit leisten", sagte er am Dienstag bei der Vorstellung des neuen Energieberichts. Dabei wurde einmal mehr deutlich, dass der Kreis noch sehr weit von seinem selbst gesteckten Ziel entfernt ist, bis zum Jahr 2035 komplett auf erneuerbare Energiequellen umzusteigen.

Mittlerweile ist es 15 Jahre her, dass der Kreistag den entsprechenden Grundsatzbeschluss gefasst hat. Die Fortschritte seither seien aber zu zögerlich, findet auch Herbert Schwarz, der im Landratsamt für den Klimaschutz und die Umweltberatung zuständig ist. "Das ist nicht das, was wir uns auf dem Weg zur Energiewende vorgestellt haben. Wir haben gedacht, dass wir weiter sind", sagte er bei der Vorstellung seines jährlichen Zwischenberichts im Umweltausschuss des Kreistags.

Gerade einmal elf Prozent des gesamten Energieverbrauchs im Landkreis stammen inzwischen aus erneuerbaren Energiequellen wie Wind, Sonne oder Wasserkraft. Geheizt wird weiterhin zum überwiegenden Teil mit fossilen Brennstoffen wie zum Beispiel Erdöl und Erdgas. Der Bericht endet mit der Feststellung, Einsparungen, der Einsatz effizienter Technologien und ein "weiterer rascher Umstieg auf erneuerbare Energien" seien der einzig richtige Weg, und mündet in den Aufruf: "Gehen wir ihn gemeinsam weiter!".

Der Weg ist noch weit. Und so fragt sich zum Beispiel Grünen-Kreisrätin Anne Franke: "Wie schaffen wir in den nächsten Jahren die restlichen 89 Prozent? Was können wir machen?" Wenn es im bisherigen Tempo weitergeht, ist das Ziel in den noch verbleibenden 15 Jahren wohl nicht zu erreichen. "Es geht vorwärts - aber zu langsam", lautet das Fazit im aktuellen Energiebericht. Daher will Landrat Frey nun die Möglichkeiten in seinem Zuständigkeitsbereich ausloten. Ob Windkraftanlagen oder Solarfelder gebaut werden können, hänge aber auch von der Akzeptanz in der Bevölkerung ab. "Man kann das den Leuten immer nur anhand konkreter Beispiel nahebringen", glaubt Frey. Fotovoltaikanlagen könnten seiner Ansicht nach unter Umständen auch in einem Landschaftsschutzgebiet entstehen. "Ich bin jederzeit dabei, auch Ausnahmen von einer Landschaftsschutzverordnung zu machen", erklärte er. Ein geeigneter Standort könnte seiner Ansicht nach auch die neue Lärmschutzgalerie an der Lindauer Autobahn sein, ein "Betonmonster", wie er das Bauwerk nannte.

"Das größte Potenzial liegt weiterhin auf dem Dach", sagte der FW-Kreisrat und Pöckinger Bürgermeister Rainer Schnitzler zum Thema Fotovoltaik. Bremsend wirkten sich aber nach seinen Erfahrungen bürokratische Hürden aus. Und auch Energieberater Schwarz räumte ein: "Wenn es nicht das Hobby von jemandem ist, sich mit Formularen und Behörden auseinanderzusetzen, kann das schon abschreckend sein." Wichtig seien daher bessere Rahmenbedingungen, hieß es im Ausschuss. Zurzeit liefern etwa 3300 Anlagen im Landkreis Starnberg Strom aus Sonnenenergie.

Die bisherige Energiebilanz macht deutlich, dass sich noch einiges ändern muss: So wurden im Jahr 2018 etwa 3600 Gigawattstunden Energie verbraucht. Tendenz steigend. Mehr als die Hälfte davon brauchen die Starnberger, um ihre Häuser zu heizen. Der Verkehr macht ein knappes Drittel aus. Der Stromverbrauch schlägt mit 15 Prozent zu Buche und werde meist überschätzt, wie es in der Bilanz heißt. Positiv werten die Fachleute im Landratsamt immerhin, dass im Bereich der Elektrizität der Verbrauch in etwa gleichgeblieben sei, obwohl die Zahl der Einwohner im Landkreis Starnberg wächst, mehr Elektroautos an Steckdosen aufzutanken sind und auch mehr Wärmepumpen im Einsatz sind. Der Anteil erneuerbarer Energiequellen bei der Stromerzeugung habe sich seit 2013 etwa verdoppelt und betrage nun etwa 15 Prozent, liegt damit aber immer noch weit unter dem Bundesdurchschnitt. Der Zuwachs kommt vor allem von den vier Windrädern in der Gemeinde Berg, die damit ihren eigenen Strombedarf komplett abdecken kann.

Bei der Heizenergie stammen etwa 86 Prozent aus fossilen Quellen. Beim Heizöl gab es nach der aktuellen Auswertung einen leichten Rückgang; dafür wurden etwas mehr Erdgas, Holzpellets und Hackschnitzel verfeuert, außerdem mehr Wärmepumpen installiert. Solarthermie macht nur einen verschwindend geringen Anteil von 0,5 Prozent aus.

© SZ vom 08.07.2020

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