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Seefeld/Andechs:Polizei hebt Cannabisplantagen aus

Herrsching Polizeiwagen mit Marihuanapflanzen

Insgesamt 27 Cannabis-Pflanzen haben Herrschinger Polizeibeamte in den vergangenen Tagen in zwei Waldstücken entdeckt. Sie wurden - wie diese hier westlich von Hechendorf - abgeerntet und sichergestellt.

(Foto: Polizei Herrsching)

Beamte entdecken gleich zwei illegale Anbaustellen im Wald.

Von Jessica Schober

Es erscheint vieles möglich in Zeiten von Corona: Lieferdienste aller Art bringen die ungewöhnlichsten Dinge bis vor die Haustür, unbemannte Lieferdrohnen werfen in den USA neuerdings Bücher für Kinder ab, und ein Lokalzeitungsverlag in Minden liefert sogar Bier aus. Doch kann es sein, dass die Polizei nun eigens einen Grastransport eingerichtet hat, der Kiffern das Marihuana frei Haus liefert? Nicht wirklich. Die Herrschinger Beamten haben vielmehr für einen raschen Abtransport der illegalen Gewächse gesorgt, die aufmerksame Spaziergänger im Wald entdeckt hatten.

Gleich zwei nahezu gleichlautende Meldungen gingen in den vergangenen Tagen ein. Zunächst entdeckte die Polizei in einem Waldstück zwischen Hechendorf und Breitbrunn, etwa einen Kilometer westlich von Hechendorf, 15 Pflanzen in Töpfen, die rasch als Hanf identifiziert werden konnten; die hatten immerhin schon eine Wuchshöhe von 30 bis 120 Zentimetern erreicht. Kurz darauf eine ähnliche Meldung aus einem Waldstück westlich des Ulrichsbichl in Machtlfing: Zwölf mutmaßliche Cannabispflanzen, die rund 40 Zentimeter groß waren, wurden sichergestellt.

Erstaunlich eigentlich. Denn Hanf heimlich anzubauen ist ja ein bisschen wie Rubbellose kaufen: Ziemlich unsinnig und aussichtslos. Doch Leute, die das machen, lassen sich ihre hartnäckige Hoffnung auf Erfolg nicht ausreden, egal wie schlecht die Aussichten sind. In wie vielen unzähligen Filmen wurden noch so gut versteckte Grasfelder entdeckt? Egal, wie trickreich verhüllt das Cannabisfeld auch war - irgendwann fliegt es immer auf. So nun auch die Anbauversuche im Fünfseenland.

Gegen die unbekannten Züchter wurde ein Strafverfahren wegen unerlaubten Anbaus von Betäubungsmitteln eingeleitet. Hinweise zu beiden Aufzuchtorten nimmt die Polizeiinspektion Herrsching unter Telefon 08152/93020 entgegen. Ob im Übrigen die coronabedingt verlegte Leitmesse für Hanf in Berlin - Titel: "Mary Jane" - als Anbaugrund für die Züchter herhalten kann, ist fraglich. Das Branchentreffen der Cannabisfreunde, das eigentlich heute starten sollte, wurde in den September verschoben.

© SZ vom 12.06.2020

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