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Stadtwerke:Windräder sind günstiger geworden

Ähnlich sieht die Entwicklung bei den (deutlich teureren) Windparks auf hoher See aus. "Die Windräder sind größer geworden und günstiger. Ich muss also weniger Geld ausgeben je Megawatt Leistung", sagt Bieberbach. Zudem erleichtert ein zweiter Effekt es den Stadtwerken, ihr Ökostrom-Ziel zu erreichen: Sie müssen weniger bauen. "Die Anlagen sind besser geworden, bei schwachem Wind holt man mehr raus", erläutert Bie-berbach - etwa ein Fünftel mehr als noch vor fünf oder zehn Jahren.

Bessere Geschäfte machen die Stadtwerke deshalb aber noch nicht. "Die Kehrseite der Medaille ist: Die Vergütung ist sehr stark gesunken, teils so stark, dass sich Projekte nicht mehr lohnen", sagt Bieberbach. Zudem sind Energieanlagen wegen der niedrigen Zinsen seit Längerem höchst begehrt als Geldanlageobjekt etwa für Versicherungen oder Pensionsfonds. "Große Investoren suchen händeringend nach Projekten, die werden für extrem hohe Preise verkauft", sagt Bieberbach. Zu hoch oft für seine Stadtwerke - die deshalb in den vergangenen Jahren kein Windkraft-Projekt an Land mehr gestartet hätten.

Als sich München im Jahr 2008 das Ziel steckte, die Umstellung auf erneuerbare Energien bis 2025 zu schaffen, als angeblich erste Millionenstadt weltweit, da wurde das von manchen als tatkräftig bewundert, von anderen als utopisch belächelt - in jedem Fall war es ein ehrgeiziges Ziel. Dass es nun besser läuft als gedacht, ist für Bieberbach aber kein Grund, noch ein bisschen ehrgeiziger zu werden. "2025 bleibt das Ziel. Wir sind zwar gut unterwegs, die nächsten Jahre werden aber nicht einfacher", sagt er.

"Da möchten wir die Möglichkeit haben, auch mal ein Jahr lang kein neues Projekt zu bauen, wenn keines passt." Neben all den Ungewissheiten, wie es auf dem Energiesektor weitergeht, hat er bis 2025 ja auch zwei große Steine aus dem Weg zu räumen: Drei Jahre zuvor wird das Atomkraftwerk Isar 2 abgeschaltet, an dem die SWM ein Viertel halten und das nach wie vor einen großen Teil des Münchner Strombedarfs deckt. Und unklar ist, wie es mit dem Steinkohle-Block des Kraftwerks München-Nord weitergeht, den abzuschalten bis 2022 die Münchner per Bürgerentscheid beschlossen haben.

Zupass kommt den Stadtwerken aber, dass - anders als zum Start der Offensive gedacht - der Stromverbrauch in München stagniert. Er schwankt um den Wert von sieben Terawattstunden herum, das sind sieben Milliarden Kilowattstunden, die Privathaushalte, Unternehmen, Behörden und Verkehrsbetriebe im Jahr verbrauchen. Der Mehrbedarf durch das Bevölkerungswachstum wird durch einen geringeren Pro-Kopf-Verbrauch ausgeglichen.

© SZ vom 29.12.2017/haeg
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