Stadtplanung Wie sollen die knappen Freiräume der Stadt künftig genutzt werden?

Raum für Erholung, wie hier am Kleinhesseloher See im Englischen Garten, wird im Münchner Stadtgebiet knapp.

(Foto: Robert Haas)
  • München soll bis 2035 auf 1,85 Millionen Menschen anwachsen - das städtische Planungsreferat befürchtet deshalb Konflikte um knappe öffentliche Flächen.
  • Eine umfangreiche Studie soll aufzeigen, wie die verbliebenen Freiräume in der Stadt künftig genutzt werden können.
Von Thomas Anlauf

Die Zeit drängt: In fünf Jahren wird München voraussichtlich 1,7 Millionen Einwohner haben, bis 2035 soll die Stadt sogar auf 1,85 Millionen Menschen anwachsen - das wären fast 20 Prozent mehr als noch im Jahr 2015. Gleichzeitig gibt es immer weniger Platz für jeden einzelnen Münchner. Schon heute hat der Druck auf Erholungsflächen in der Stadt enorm zugenommen - ob an der Isar oder in den Münchner Parks.

Das städtische Planungsreferat befürchtet, dass die immer knapper werdenden öffentlichen Flächen letztlich immer häufiger zu Konflikten und zu sozialem Stress führen werden. Nun soll eine umfangreiche Studie aufzeigen, wie die verbliebenen Freiräume in der Stadt künftig genutzt werden können und welche unterschiedliche Bedeutung sie für die jeweiligen Anwohner der Stadtquartiere haben.

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Die Studie, die der Stadtrat an diesem Mittwoch genehmigen soll, wird verschiedenartige Lebensräume in der Stadt ein Jahr lang untersuchen. Das Planungsreferat schlägt vor, sechs sogenannte Quartierstypen unter die Lupe zu nehmen: historische Siedlungskerne in München wie das Altstadtensemble sowie das alte Feldmoching; Gründerzeitquartiere wie Schwabing-West und Sendling, die zwischen 1870 und 1918 entstanden sind; Einzel-, Doppel- und Reihenhausgebiete in Harlaching, Fürstenried und Moosach; Siedlungen, die zwischen 1900 und 1960 in Neuaubing und Laim gebaut wurden; die Großwohnsiedlungen Neuperlach, Olympia-Pressestadt und Olympiadorf; und schließlich Neubaugebiete seit 1990: Messestadt, Nordheide, Parkstadt Schwabing mit Domagkpark sowie Arnulfpark.

Diese sechs Typen sollen exemplarisch für andere Stadtgebiete stehen; die Ergebnisse der Studie könnten dann auch als Modell für andere Kommunen herhalten, heißt es in der Beschlussvorlage des Referats.

Darüber hinaus sollen auch unterschiedliche Typen von öffentlichen Räumen in die Studie einbezogen werden - etwa Grüngürtel, Flusslandschaften, aber auch Verkehrsflächen wie Straßen, Parkplätze, Bahnlinien sowie öffentlich zugängliche Räume etwa an den Bahnhöfen, in Wohnanlagen und Einkaufszentren. Dabei ist es natürlich ein Unterschied, ob eine Freifläche ganz in der Nähe der Wohnung oder des Arbeitsplatzes liegt, die dann zur Erholung auch verhältnismäßig klein sein kann. Oder ob es sich um große Parks wie den Englischen Garten handelt, die vielleicht weiter weg von zu Hause liegen, dafür aber auch bedeutsamer sind und einen anderen Erholungswert haben können.

Die sozialräumliche Studie wird ziemlich komplex sein: Anwohner der jeweiligen Stadtquartiere sollen befragt werden und auch Umweltkriterien wie Lärm-, Hitze- und Windbelastungen der Plätze sowie verschiedene Tages- und Wochenzeiten sollen in die Untersuchung einbezogen werden. Daher will das Planungsreferat die Studie in einer Ausschreibung vergeben; kosten soll sie weniger als eine halbe Million Euro.

Mit dem Ergebnis soll die Stadtplanung für die kommenden Jahrzehnte deutlich vereinfacht werden. So könnte die Untersuchung zum Ergebnis gelangen, dass bestimmte Parkplätze künftig verstärkt auch anders genutzt werden, etwa als Veranstaltungsorte. Auch die Antwort auf die Frage, ob Fußgängern deutlich mehr Platz eingeräumt werden soll als dem Straßenverkehr, wird die Studie über die Zukunft der Stadt wohl zeigen.

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