Stadtentwicklung Doch kein Bach für die Sendlinger Straße

Noch sieht die Sendlinger Straße am Ende wie eine gewöhnliche Straße aus. Voraussichtlich im Jahr 2019 soll sie durchgehend nach dem Vorbild der Münchner Fußgängerzone umgebaut werden.

(Foto: Florian Peljak)

Der Plan, ein Gewässer durch die belebte Straße zu leiten, ist gescheitert. Stattdessen soll sie zu einer klassischen Fußgängerzone werden.

Von Renate Winkler-Schlang, Altstadt

Es war eine Fotomontage, die vielen gefallen hat, doch die Idee des Münchner Architekten Jürgen Piechotka, in die Sendlinger Straße einen kleinen Bachlauf zu integrieren, ist vom Tisch: Laut den Experten des städtischen Baureferats ist der Traum vom Wasser technisch nicht machbar. Statt dessen soll auch der Abschnitt zwischen Sendlinger Tor und Hackenstraße einfach nach dem bewährten Vorbild der Münchner Fußgängerzone gestaltet werden. Florian Hochstätter, im Baureferat Hauptabteilungsleiter für Gartenbau und öffentlichen Raum, stellte am Mittwochabend das Konzept seines Hauses bei einer außerordentlichen Sitzung des Bezirksausschusses Altstadt-Lehel vor. Dieser stimmt zwar erst bei seiner nächsten regulären Sitzung darüber ab, da jedoch keine Kritik kam, ist davon auszugehen, dass der Vorschlag eine Mehrheit finden wird. Dann könnte der Stadtrat im November den Planungsauftrag erteilen und 2019 schon alles umgesetzt werden.

Piechotka hatte auf Kritik an seiner Idee reagiert und an die kleinen Brücken in seiner Simulation mittels Photoshop noch behindertengerechte Geländer montiert. Und er hatte sich beim Wasserwirtschaftsamt kundig gemacht, woher und wohin sein Wasser fließen könnte: Bereits an der Großmarkthalle könne man Wasser des westlichen Stadtgrabenbachs abzweigen und am Sendlinger Tor in Piechotkas Bächlein pumpen. Am anderen Ende könnte das Wasser in der Kanalisation verschwinden - mit dem Vorteil, dass es in der Wein- und Dienerstraße nicht mehr aus dem Kanaldeckel stinken würde wie bisher, erklärte Piechotka.

An der Historie orientieren

Man muss nicht Wasser in die Sendlinger Straße holen, wenn dort zu keiner Zeit Bäche geflossen sind. Kommentar von Thomas Kronewiter mehr ...

In den Kanal und damit ins Klärwerk dürfe jedoch laut Abwassersatzung nur Brauchwasser, konterte Ingenieurbauexperte Ralf Wulf aus dem Baureferat. Selbst mit Ausnahmegenehmigung müsste das Baureferat den regulären Abwasser-Gebührensatz von 1,56 Euro pro Kubikmeter zahlen. Das Bächlein brauche, um keine Algen anzusetzen, mindestens 20 Liter die Sekunde. Damit fiele jährlich mindestens eine Million Euro an Gebühr an. Die Bach-Idee sei gut, doch die Chance, sie zu realisieren, werde in der Herzog-Wilhelm-Straße viel größer sein, stellte Wulf in Aussicht, denn in diesem Bereich gibt es unterirdisch verlaufende alte Gewässer.

Damit erübrigte sich die Diskussion über andere Knackpunkte von Piechotkas Vorstoß wie Platz für Feuerwehr und Lieferfahrzeuge oder Fragen der Sicherheit und der Optik. Piechotka insistierte nicht weiter, er verließ recht bald die Versammlung.

Florian Hochstätter hatte die Gäste ohnehin bereits auf das Altbewährte eingestimmt: Die Sendlinger Straße sei von Anfang an als Teil der Münchner Fußgängerzone vorgesehen gewesen. Gebaut werde also nun das historisch letzte Stück, lediglich die Singspielerstraße und die Schmidstraße bis hin zum Oberanger würden jetzt einbezogen. Da sollte man gestalterisch Kontinuität wahren, zumal der letzte Abschnitt auch zum schon ausgebauten Fußgängerbereich zwischen Hackenstaße und Färbergaben passen solle.

Dort werden die bereits aufgestellten Sitzgelegenheiten um die Pflanztröge mit Felsenbirnen freudig angenommen. Dieses Konzept soll im neuen Teil beibehalten werden. Bürger und Bezirksausschuss könnten bei der Bepflanzung gerne mitreden, versprach Hochstätter. Auch Professor Bernhard Winkler, der "Urheber der Ur-Fußgängerzone" sei ferner dafür, zusätzlich Bäume zu pflanzen. Das sei zwar nicht urban, doch in heißen Sommern dürfe man den Menschen in der Innenstadt "Schatten nicht mehr vorenthalten". Es werde aber keine Allee kommen, die Bäume sollen den Bereich in Zonen unterteilen. Sichtachsen zum Tor und zur Asamkirche würden dabei natürlich berücksichtigt. Hochstätter plädierte für die "malerischen" Robinien, deren Krone nicht sehr dicht ist. Es gab aber auch Gegenvorschläge, etwa Spitzahorn zu bevorzugen. Auch hier ist Spielraum für Mitspracherecht.

Der Bodenbelag wird der großen Fußgängerzone nachempfunden. Die durchgehende Entwässerungsrinne bekommt eine taktile Leitlinie für Sehbehinderte. Von ihr aus ziehen sich wie Gräten dunklere Naturstein-Bänder zwischen den üblichen hellen Beton-Gehwegplatten - glatt und rollstuhlgeeignet. Auf die Asamkirche und die zahlreichen Passagen-Eingänge werden Stein-"Teppiche" aus anderem Material hinweisen. Die für die zentrale Fußgängerzone charakteristischen Doppellampen aus dem Siebzigerjahren wird es nicht geben, es bleibt bei den bestehenden Leuchten "Modell Altmünchen". Auch ein Zierbrunnen ist nicht vorgesehen, daran herrsche im Umfeld kein Mangel, so Hochstätter. Reden könne man aber über einen zweiten Trinkwasserbrunnen. Die Gäste erkundigten sich nach Radlständern, Elektroanschlüssen für Freiluftveranstaltungen und die Chance auf Fassadenbegrünung. Sonst schienen alle mit Hochstätters Vortrag zufrieden zu sein, darunter auch City-Manager Wolfgang Fischer.

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