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Stadtentwicklung:900 Hektar mehr München

Stadt weist riesiges Entwicklungs- bzw. Siedlungsgebiet aus rund um den Feldmochinger See. Thema: Wo kann München noch wachsen?

Rund um den Feldmochinger See hat sich die Stadt ein riesiges Entwicklungsgebiet gesichert.

(Foto: Florian Peljak)
  • München wächst der 1,7-Millionen-Einwohner-Marke entgegen und braucht die letzten Freiflächen der Stadt dringend für den Wohnungsbau.
  • In Freiham sowie in den neuen Entwicklungsgebieten im Norden und Nordosten entstehen Siedlungen im Städteformat.
  • Nun hat sich die Stadt 900 Hektar im Norden gesichert, rund um Feldmoching. Was hier einmal gebaut wird und für wie viele Menschen - das weiß derzeit noch niemand.

Das neue München kommt idyllisch daher. Kleine Häuschen, weite Felder, Alleen, und mittendrin der Feldmochinger und der Fasaneriesee. Hier, nördlich der immer noch ein wenig provisorisch wirkenden Straßen der Fasanerie, soll die Metropole wachsen, sollen die vielen neuen Einwohner unterkommen, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten erwartet werden.

Rein verwaltungstechnisch gehört das riesige Gebiet längst zu München, das mittendrin gelegene Feldmoching wurde 1938 eingemeindet. Urban aber sieht es nicht aus auf den dünn besiedelten Fluren. Die Häuser sind planlos auf weite Flächen verteilt, vielerorts fehlen befestigte Gehwege. So manche Siedlung wurde illegal errichtet und erst Dekaden später legalisiert, am Schwarzhölzl und am Kaiserhölzl etwa. Es lebt sich ländlich im äußersten Münchner Norden - wer auf die Idee käme, einen Spaziergang zum Marienplatz zu machen, wäre stolze zweieinhalb Stunden unterwegs.

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So verschwenderisch hemdsärmelig, wie das Quartier derzeit daherkommt, wird es nicht bleiben. Denn die Stadt, die 1,7-Millionen-Einwohner-Marke bereits im Blick, benötigt ihre letzten Freiflächen für den Wohnungsbau. In den vergangenen Monaten haben die Experten des Planungsreferats deshalb ein fast 900 Hektar großes Gebiet genauer unter die Lupe genommen. Im Stillen.

Damit die Grundstücksbesitzer nicht frühzeitig Dollarzeichen in den Augen bekommen - wenn in München Flächen zu Bauland werden, erreicht deren Wert sehr schnell astronomische Höhen. Vergangene Woche dann landete Oberbürgermeister Dieter Reiter den Coup und verkündete offiziell den Einstieg in die Planungen für ein neues Stadtviertel. "Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme" heißt so etwas im Planerjargon, der Begriff stammt aus dem Baugesetzbuch. Für die Grundstücksbesitzer hat das einschneidende Folgen: Mit Reiters Bekanntmachung werden die Bodenpreise eingefroren, die Spekulanten sollen in ihren Löchern bleiben. Bis zum Sommer will der Stadtrat offiziell beschließen, mit den großräumigen und auf viele Jahre angelegten Planungen zu beginnen.

Das Rathaus fühlt sich unter Druck. Ohne zusätzliche Wohnungen dürften die Mieten immer weiter steigen. Freiham, früher gerne als letzte große Freifläche am Stadtrand tituliert, reicht längst nicht mehr aus. Obwohl dort einmal gut 20 000 Menschen leben sollen, zweimal Ebersberg also. Vor vier Jahren hat der damalige Oberbürgermeister Christian Ude deshalb schon einmal eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme angestoßen: im Nordosten, angelegt auf 30 000 Einwohner und 10 000 Arbeitsplätze. Auch die etwa 600 Hektar östlich der S-Bahn-Gleise wurden damals als die letzte große Grundstücksreserve Münchens angepriesen. Bis nun der Norden dazukam.