Neue Stadtquartiere Wo München noch wachsen kann

An den Stadträndern will die Stadt ihr Wohnungsproblem im großen Stil angehen. Das neueste Projekt ist ein 900-Hektar-Gebiet im Norden - mit einem Kniff wurde es Spekulationen entzogen.

Von Dominik Hutter

Es gibt viele Stellen, an denen München wächst. Das Kreativquartier nahe des Leonrodplatzes zählt zu den neuen Stadtquartieren, der Domagkpark auf dem Gelände der früheren Funkkaserne oder demnächst auch die Bayernkaserne an der Heidemannstraße. Und dann gibt es noch die drei "Großen" am Stadtrand, die sich in völlig unterschiedlichen Entwicklungsstadien befinden.

Freiham, wo längst gebaut wird, das Entwicklungsgebiet Nordost, bei dem am kommenden Dienstag die Öffentlichkeitsphase beginnt - und der Norden rund um Feldmoching, der erst ganz am Anfang steht. Für Stadtplaner sind solche Projekte das reinste Dorado. Es gilt, riesige Flächen ganz neu zu überplanen - wo jetzt noch Freiflächen sind, entstehen auf dem Reißbrett Siedlungen, die schon als Städte durchgehen könnten. Samt Einkaufszentren, Schulen, Kitas und Verkehrsverbindungen.

Sozialer Wohnungsbau

Wie andere Städte günstigen Wohnraum schaffen

Der Münchner Nordosten, jene rund 600 Hektar östlich von Daglfing, Englschalking und Johanneskirchen, hat planerisch rund vier Jahre Vorsprung - er kann als Blaupause dienen für das, was rund um Feldmoching geschieht. Auch der Nordosten ist ein städtebaulicher Entwicklungsbereich in Vorbereitung, es gelten spezielle Regelungen.

Zwar können die rund 500 Eigentümer ihre Grundstücke munter privat weiterverkaufen - sie müssen aber immer damit rechnen, dass plötzlich die Stadt dazwischengrätscht und dann nur einen Preis bezahlt, der vor dem Start der Planungen realistisch war. Plus allgemeine Wertsteigerung, die seitdem stattgefunden hat. Entwicklungsunbeeinflusster Anfangswert nennt sich das im Fachjargon. Boykottieren dürfen die Grundstückseigner die Planungen nicht. Sie können entweder als Investoren mit dabei sein oder aber ihr Grundstück an die Stadt abgeben. Biotopbesitzer mal ausgenommen: Wenn nichts verändert wird, sind weder Besitzerwechsel noch Mitwirkung nötig.

Ein derart harter Eingriff ist laut Baugesetzbuch nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich: Es muss ein dringender Bedarf für neue Wohnungen bestehen - was in München wohl unstrittig ist. Das Projekt muss zügig durchgezogen werden. Und das Gebiet muss so groß und kompliziert strukturiert sein, dass die klassischen Planungsverfahren nicht mehr greifen. Was im Nordosten mit seinen 500 Grundstückseigentümern ebenso der Fall ist wie im Norden.

Wie die Stadtplaner arbeiten, lässt sich jenseits der Flughafenlinie S 8 bereits beobachten. Drei Varianten für neue Wohnviertel liegen inzwischen auf dem Tisch, und allen dreien ist gemein, dass sie an bestehende Siedlungen anschließen und durch Grünzüge aufgelockert sind. "Wir wollen Siedlungsstrukturen wachsen lassen", berichtet Wibke Dehnert vom Planungsreferat. Satellitenstädte auf der grünen Wiese sind unerwünscht.