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Fußball-Regionalliga:Rückkehr eines Machers

Er fühlt sich den kleineren Klubs in der Nachbarschaft solidarisch verbunden: Michael Matejka vom SV Heimstetten.

(Foto: Claus Schunk)

Michael Matejka leitet wieder die Fußballabteilung des SV Heimstetten - und verteilt die Arbeit künftig auf mehrere Schultern.

Von Stefan Galler, Kirchheim

Den Amateurfußball im Münchner Umland kann man getrost als Blase bezeichnen. Nicht im Sinne des Formel-1-Zirkus, Ski-Weltcups oder der NBA, die unter sich bleiben, damit ja keiner das Coronavirus hereinträgt und am Ende die sportlichen Aktivitäten zum Erliegen kommen. Eher im Sinn eines Mikrokosmos, in dem jeder jeden kennt und einerseits viel Neid und Missgunst herrscht, aber andererseits eben auch ein gewisser Zusammenhalt.

Deshalb ist es auch kaum überraschend, dass Michael Matejka in den zurückliegenden Tagen jede Menge Nachrichten auf sein Handy bekommen hat, in denen ihm Fußballer und Funktionäre anderer Vereine Nettigkeiten schickten. Der 43-Jährige ist nämlich offiziell zurück in der Blase, seit er vor Kurzem wieder das Amt des Fußball-Regionalligisten SV Heimstetten übernommen hat. "Es hat mich sehr gefreut, dass sich doch einige Leute gemeldet haben", sagt Matejka.

Es sind keine einfachen Zeiten für Amateurklubs. Die Unsicherheit, ob die ohnehin schon auf zwei Jahre gestreckte Saison überhaupt zu einem regulären Ende gebracht werden kann, treibt alle um. Im Falle des Sportvereins aus der Landkreisgemeinde Kirchheim kamen personelle Veränderungen dazu: Der erst 2019 neu gewählte Spartenleiter Max Reng stellte sein Amt im vergangenen Herbst ebenso zur Verfügung wie Finanzchef Christian Müller. Über die Gründe wollen sich die Betroffenen nicht öffentlich äußern, aus dem Umfeld des Vereins ist lediglich zu vernehmen, dass Fußballer und Gesamtvorstand nicht immer einer Meinung waren.

Weil der Dritte im Bunde derjenigen, die Michael Matejka vor knapp zwei Jahren abgelöst hatten, Stephan Rehme, nun plötzlich alleine dastand, habe er beim Vorgänger angefragt und um Unterstützung gebeten. "Ich habe aber gleich klargestellt, dass es keine One-Man-Show mehr geben wird", berichtet Matejka. Und deshalb wurde sogleich Max Reng reaktiviert, er soll sich um die Belange der Jugend kümmern. Dazu holte man Semir Cerovac wieder näher an den inneren Zirkel heran. Der frühere Manager des TSV Ottobrunn ist schon seit einigen Jahren in verschiedenen Funktionen beim SV Heimstetten tätig. Er wird sich künftig um den Spielbetrieb kümmern und auch an der Kaderplanung der ersten Mannschaft mitwirken. Die Abteilungsleitung wird komplettiert durch den früheren Pressesprecher Sebastian Schröter als neuer Kassenwart und durch Alexander Zink. Der soll dort hinlangen, wo gerade Not am Mann ist. "Alex ist einer meiner besten Freunde, auf ihn kann ich mich immer verlassen", sagt Matejka.

Matejka bleibt Wirt der Klubgaststätte, Trainer Schmitt gibt die sportliche Richtung vor

Alle, mit denen er nun in der Abteilungsleitung zusammenarbeite, seien dem Verein und der Gemeinde seit Jahren verbunden und mit Leib und Seele Ehrenamtler, schließlich werde es immer schwieriger, überhaupt jemanden zu finden, der sich ohne Bezahlung in den Dienst der Sache stelle, betont Matejka. Man setze auf "Bodenständigkeit" und wolle "die regionale Seele des Klubs wieder mehr betonen", so der alte und neue Chef, der hauptamtlich weiterhin die Vereinsgaststätte "Zum Kelten" führen wird. Bis zur nächsten Abteilungsversammlung - die für Oktober anberaumte Zusammenkunft war wegen Corona abgesagt worden - will sich das Team einspielen, um sich dann im Idealfall komplett im Amt bestätigen zu lassen.

Aus dem Tagesgeschäft, was die Regionalligamannschaft angeht, will sich die Spartenleitung übrigens weitgehend heraushalten. Cheftrainer Christoph Schmitt obliegt es, die sportliche Richtung im ganzen Verein, von der Jugend bis zu den Männern, vorzugeben. Und dabei werden aktuell in der ersten Mannschaft die Weichen für die Zukunft gestellt. Wie Michael Matejka verrät, ist man bei einigen Leistungsträgern in den Vertragsverhandlungen schon sehr weit. "Ich sehe uns mittelfristig in der Regional- oder Bayernliga. Natürlich wäre es toll, wenn wir möglichst lange oben bleiben würden, aber ein Abstieg in die Bayernliga wäre auch kein Beinbruch." Man wolle künftig noch mehr auf die eigene Jugendarbeit setzen, um Kosten für externe Zugänge zu sparen. Bislang waren immer wieder Spieler nach Heimstetten gekommen, die bei Bayern oder Sechzig den Sprung ins Profiteam nicht geschafft hatten. "Aber Jungs wie Severin Müller oder Fabian Cavadias in unserem aktuellen Kader zeigen, dass auch wir in der Lage sind, eigene Talente herauszubringen", sagt Matejka.

© SZ
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